BG Kritik:

Lucy


von Christian Mester

Lucy (FR, 2014)
Regisseur: Luc Besson
Cast: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Oldboy

Story:
Bei einem Taiwan Urlaub gerät die unvorsichtige Studentin Lucy (Scarlett Johansson) in die Fängen eines Kartells, dass sie zwingt, neuartige Drogen, die in ihrem Bauch eingenäht wurden über die Grenze zu schmuggeln. Als einer dieser Beutel in ihr aufplatzt, verändert die Überdosis Lucy auf zellularer Ebene...

"Der Mensch nutzt nur 10% seines Gehirns" ist der große Aufhänger des Films - aber Moment mal, das stimmt ja so nicht. Obwohl der Film sogar die glaubwürdigste aller schauspielerischen Autoritätspersonen, nämlich Morgan Freeman, auch noch in der Rolle eines Wissenschaftlers auffährt um uns diese Binsenwahrheit zu vermitteln, dürfte klar sein, dass diese Annahme schlichtweg falsch ist. Wir nutzen sehr wohl täglich die meisten Bereiche unseres Gehirns und könnten nicht mal eben 90% als Ballast wegschnippeln, auch wenn manche Scripted Reality Serie danach aussehen mag.

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Einer der Schwächen des Films ist es leider, immer wieder auf diesen falschen Fakt zurückzukommen. Passender wäre folgende Überlegung: Wenn man über ein neues Thema liest, beispielsweise über das Paarungsverhalten neuseeländischer Opossums (superspannend), dann weiß man mehr als vorher, Fakt. Wenn man sich mit komplexer Physik oder Mathematik beschäftigt, dann versteht man komplizierte Systeme leichter; lernt man Programmierung, versteht man Maschinen und Computer besser und wenn man meditiert, kann man ganz andere Kontrolle über sich selbst erlangen. Ob es Orgasmen herauszögern durch Tantra, Schmerz-, Kälte- und Hungerempfindungsresistenz durch Survivaltraining oder das Erlernen und darauffolgende Denken in Fremdsprachen ist, es gibt eine Menge Sachen die man machen kann, um seinen Denkapparat neu und vielseitiger zu stimulieren und zu nutzen, right? Lucy wäre nun jemand, der alles gelernt hat was es gibt (!), jede komplexe Denkweise beherrscht und so intensiv meditieren kann, dass sie jede einzelne ihrer und anderer Zellen steuern kann, bis hin zur Zellteilung.

Der Film ist trotzdem noch meschugge genug, aber unter dieser Perspektive sehr viel nachvollziehbarer. Natürlich ist es in ihrem Fall ein Extrem, aber obwohl Lucy nie akut albern inszeniert ist, will der Film in erster Linie unterhalten - und das macht er. Als wir Lucy kennenlernen, könnte sie eine Tochter von Peggy Bundy sein. Leopardenjacke, kaugummikauend, schlecht gewählter Freund. Nur dass diese kleine Peggy statt bei einem Schuhverkäufer an "Oldboy" Min-sik Choi gerät, einem ultracoolen, glatt gegelten Kartellboss mit einer Armada Anzug tragender Killer. Bis dahin ist der Film noch realistisch, denn Lucy kriegt eine Heidenangst und zittert um ihr Leben. Dann platzt der Beutel und damit schaltet der Film direkt vom ersten in den vierten Gang. Die ziellose Lucy ist plötzlich klüger als alle anderen und flieht, so schon bereits allen überlegen. Viel Plot bleibt dann nicht mehr, denn Oldboys Killer jagen sie und sie sucht später mehr von der Wunderdroge, aber hey - mehr Plot braucht Bessons Vision auch nicht.

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Enttäuschen kann vermutlich, dass trotz Leon der Profi Regisseur und Taken Producer Luc Besson bei einer jungen Frau mit Superkräften gegen Anzug tragende asiatische Killer wenig Fokus auf Kämpfe oder physischen Auseinandersetzungen bleibt. Es gibt verschiedene kleine Actionszenen, und eine Verfolgungsjagd durch Paris könnte sogar eins der Jahreshighlights des Genres sein, aber Besson konzentriert sich lieber auf Lucys kontinuierliche metaphysische Evolution, und da liegt der Spaß. Nach etwa Filmhälfte ist Lucy bereits mächtiger als die meisten X-Men und würde er noch leben, würde Stanley Kubrick über die letzten 20 Minuten gar grinsen - es wird sehr abgefahren. Besson inszeniert all dies mit einem sehr trockenen Humor, sodass es viel zu lachen gibt, wenn zum Beispiel ein nichtsahnender Polizist immer wieder darüber erstaunt ist, was die kleine Blonde als nächstes krasses macht.

Dass Scarlett Johansson in Action überzeugt, zeigte sie bereits Anfang des Jahres in Captain America 2, hier kommt ihr noch eine neue Schwierigkeit hinzu. Desto mächtiger Lucy wird, desto gefühlsloser und neutraler wird sie, was Besson jedoch mit viel Situationskomik wieder aufwiegelt. Inszenatorisch ist "Lucy" schnelles 89 Minuten Actionkino mit einem Schuss Spring Breakers Farben und vielen Einschiebungen (beispielsweise wird ihr Auftauchen beim Kartell mit Bildern von Antilopen jagenden Geparden gemixt) und fällt dank der vielen visuellen Darstellungen von Lucys Empfinden durchweg interessant aus, da sie die Welt ständig mit neuen Augen sieht. Die Pluspunkte liegen also generell im visuell nett umgesetzten "Was wäre wenn" Szenario, Lucys konstanter Weiterentwicklung und die Reaktionen ihrer Umgebung darauf. Schwächen finden sich im dünnen Plot und dem vielleicht zu wenig genutzten Gegnern, allerdings muss man berücksichtigen, dass der Film nur ein Budget von 40 Millionen Dollar hatte. 160 weniger als X-Men: Zukunft ist Vergangenheit, und Lucy könnte es mit allen X-Men auf einmal aufnehmen...

Fazit:

Alberne Prämisse, aber "Lucy" ist ein kinetischer, fantasievoller Actionfilm mit ansehnlichen Bildern. Luc Besson hat zwei Schubladen: eine, in der Leon der Profi, Das fünfte Element, Nikita und Im Rausch der Tiefe liegen, und dann noch eine mit Arthur und den Minimoys, Adele, Malavita usw. - Lucy gehört in die erste. Sollte mehr als 10% eurer Aufmerksamkeit verdienen.

7,0 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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