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Kritik:
Macbeth


von Manuel Föhl

MACBETH
(2015)
Regie: Justin Kurzel
Cast: Michael Fassbender, Marion Cotillard, David Thewlis, Paddy Considine, Sean Harris

Story:
Macbeth erhält von drei Hexen die Prophezeiung, dass er bald als König über Schottland herrschen wird. Zusammen mit Lady Macbeth beschließt er den König zu ermorden. Nach dem Mord wird Macbeth zum König gekrönt und unter dem Verlust der eigenen Menschlichkeit und Furcht vor weiteren Prophezeiungen beginnt er mit dem Aufbau seiner Tyrannenherrschaft.

Macbeth Reloaded. Michael Fassbender als einem von Shakespeare ikonischsten Antihelden. Will das Publikum ihn als König, nun, mag ihn das Publikum krönen?

Kritik:
Verfilmungen von Williams Shakespeare Tragödie „Macbeth“ aus dem 17.Jahrhundert gibt es eigentlich schon seit es die ersten bewegten Bilder gibt. Bereits aus dem Jahr 1908 ist die erste Verfilmung des Stoffes datiert und keine geringeren Regisseure wie Orson Welles (1948), Akira Kurosawa (1957) oder Roman Polanski (1971) machten sich bereits den Stoff als Vorlage zu Eigen. Und doch wird der Stoff des bekannten Barden immer wieder für Neuverfilmungen aus den Schubladen geholt. Der Australier Jed Kurzel war es diesmal, der sich nach seinem Achtungserfolg SNOWTOWN (AUS, 2011) dem Stoff annahm. Er holte sich dafür den Deutsch-Iren Michael Fassbender und die Französin Marion Cotillard an Bord und bewies damit schon beim Casting, dass er gewillt ist trotz der Bürde dieser geschichtsträchtigen Vorlage seinen eigenen Weg zu gehen.

Die Geschichte mag hinlänglich bekannt sein, seziert in Englisch-LKs an den Schulen oder verarbeitet in anderen Medien und Adaptionen. Und doch wählt Justin Kurzel den Weg die Geschichte mit den Worten Shakespeares zu inszenieren. Eine OmU-Vorstellung des Films sei daher wärmstens empfohlen. Probleme hat der Film aber trotz allem genau dann, wenn er sich zu sklavisch an seine Vorlage hält. Worte, die beim Lesen genügen, sind auf der Leinwand, indem wir Bilder zur Unterstützung bekommen vielleicht etwas wenig. Auch wenn sie wohl ihre Kraft entfalten und nichts gegen ihre Übernahme im Film einzuwenden ist. Nicht das der falsche Eindruck erweckt wird, dass der Film nur das Buch vorträgt ohne sich viel um die Inszenierung zu kümmern. Keineswegs. Sehr intensiv und teilweise hypnotisch lässt Justin Kurzel einen poetischen Bilderreigen los, dem es aber manchmal einfach etwas an Substanz fehlt. Man geht mehr von Bild zu Bild, wie in einem Museum, aber hat das Gefühl, dass ein Teil der Vorstellung schon abgehängt wurde oder man doch noch etwas mehr in eine bestimmte Richtung gesehen hätte, bevor man zur nächsten Station weiter muss. Die 113 Minuten Laufzeit haben auf ihre Weise schon Längen und doch geht alles dann doch etwas schnell, was die Entwicklung der Figuren betrifft. Trotz FSK 12 geht es übrigens nicht gerade zimperlich zur Sache. Auch wenn sich das Blutvergießen auf drei, vier Szenen beschränkt.

Es geht vielleicht mit dem Gedanken einher, dass man nicht immer alles erklären muss. Muss daher der Film mehr tun als seine Vorlage? Das muss wohl jeder für sich entscheiden. Doch in diesem Fall stellt sich die Frage, bei einer Geschichte, die sich großer Beliebtheit und vor allem Bekanntheit erfreut, wieso man nicht versucht der Geschichte etwas Neues abzugewinnen. Nicht im Sinne von den Inhalt komplett zu verändern, aber vielleicht die Perspektive zu ändern.

Mit dem Casting von Michael Fassbender und Marion Cotillard bewiss Jed Kurzel, dass ihm weniger ein korrekter Akzent, als die gewünschte Ausstrahlung und Performance im Vordergrund steht. Dazu sei gesagt, dass aber trotz allem Marion Cotillard nicht die erste Wahl, sondern Natalie Portman. Sie hätte wohl als Lady Macbeth ähnliche Kontroversen ausgelöst. Weniger wegen ihrer Herkunft (Amerika), als durch ihr Alter. Selbstverständlich brilliert Michael Fassbender in seiner Rolle. Macbeth als Figur ist quasi eine Steilvorlage und ein Traum für jeden Schauspieler, ist er denn gewillt und fähig die Rolle auch zu mimen. Woran Fassbender und die Figur im Film aber kranken, und das ist vielleicht auch mehr ein Problem der Vorlage, ist die Charakterisierung und der Wandel vom treuen Ritter zum blutmordenden Tyrannen. Die Einflüsse von Lady Macbeths und die Hoffnungen und Ängste, die durch die Prophezeiungen geschürt werden zeigen den Einfluss, doch die Figur des Macbeth, scheint sich vom Zuschauer mehr und mehr zu distanzieren. Marion Cotillards Lady Macbeth fehlt es da etwas auch an Kraft und Ausdruck. Der Akzent, da kaum merklich, vermag da gar nicht zu stören. Bei all der Kritik sei aber nicht vergessen, dass das immer noch sehr gute Darbietungen sind, aber in Zusammenspiel mit Vorlage und dem Medium Film etwas das Feingefühl fehlt. Bei den Nebenfiguren fällt das nicht so ins Gewicht. Paddy Considines (HOT FUZZ, THE WORLD’S END) Banquo ist der tragische Held in der Geschichte ohne den Platz zu bekommen, während man der Figur seines Sohnes am Ende der Geschichte noch einen kleinen Kniff spendiert. Sean Harris, der kürzlich erst als Ethan Hunts Gegenspieler in MISSION:IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (USA, 2015) auf der Leinwand zu sehen war, gibt den rachsüchtigen MacDuff. Er bekommt Szenen um sich vom Rest abzuheben und darf sich die Seele aus dem Leib spielen.

Das Produktionsdesign des Films ist zweifellos über allen Zweifeln erhaben und was der australische Kameramann Adam Arkapaw von Schottland einfängt ist gewaltig ohne sich zu sehr in den Bildern zu ergötzen. Er spielt mit vielen Farbpaletten und geht von erdigen, dunklen Brauntönen über zu einem rot, dass die Leinwand tränkt, wie das Blut die Felder vor den Hügeln von Dunsinane. Nur der häufige Einsatz der Handkamera fordert eine Erklärung. Auch der Einsatz von Zeitlupen zu Beginn des Films und später noch einmal wirkt etwas unmotiviert, auch wenn es mehr als innehalten genutzt wird, denn einem beschleunigten, effektsuchenden Ausbrechen wie in 300 (USA, 2007). Der Score von Justin Kurzels Bruder Jed, der dieses Jahr auch schon die Musik zu dem Horror-Drama THE BABADOOK (USA, 2015) beisteuern durfte, bewegt sich mehr auf dem Terrain des hypnotischen Ambiente. Auf dieser Ebene nähert sich der Film wohl am ehesten an Werke von Nicolas Winding Refn wie VALHALLA RISING (DNK, UK, 2009) an.
Als nächstes geht Justin Kurzel gemeinsam mit Michael Fassbender die Verfilmung des Videspiels ASSASSIN’S CREED an. Man darf hoffen, dass er zumindest etwas von der Poesie und Geduld mit in dieses Blockbuster-Projekt übertragen kann. Wünschenswert wäre es.

Fazit:
Bildgewaltig, poetisch und hypnotisierend. Angesichts der Vorlage und den Landschaften Schottlands aber kein Kunststück. Werktreue bei Adaptionen steht erneut zur Diskussion. Justin Kurzels MACBETH folgt Shakespeare ohne weitere, filmische Zutaten dazuzugeben. Angesichts der x-ten Verfilmung des Stoffes etwas unterwältigend.

6 / 10

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