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KRITIK:

MACHETE


von Christian Mester

Machete (2010)
Regie: Robert Rodriguez
Cast: Danny Trejo, Steven Seagal, Jessica Alba

Story:
Machete (Danny Trejo) ist ein von der Sonne gegerbter, ehemaliger Polizist aus Mexiko, der mit ansehen musste, wie Drogenbaron Torrez (Steven Seagal) seine Familie tötete. Seitdem zieht der Todgeglaubte als Tagelöhner und Landstreicher umher, bis er eines Tages von dem schmierigen Gangster Booth (Jeff Fahey) aufgegabelt wird. Dieser hat einen zwielichtigen Job für ihn: Er soll den rassistischen Senator McLaughlin (Robert DeNiro) umnieten, dessen aktuellen Pläne seine neuesten Lieferungen gefährden.

Machete nimmt sich der Sache an, sieht sich jedoch alsbald abermals verraten. Zusammen mit einer jungen Polizistin (Jessica Alba) und einer ehrgeizigen Freiheitskämpferin (Michelle Rodriguez) zieht er fortan mit Minigun, Lowrider und seinen zahlreichen Macheten in den Kampf.

Robert Rodriguez drehte MACHETE mit dem Geld,
das er von PREDATORS über hatte

Kritik:
Da steckt Pfeffer im Burrito: Spätestens wenn der vernarbte Held des Films aus einem Fenster springt und den Dünndarm eines Feindes als Liane nimmt, wird klar - "Machete" ist ein blutiger und völlig abgedrehter Actionspaß.

Als Quentin Tarantino und Robert Rodriguez 2007 gemeinsam "Death Proof" und "Planet Terror" ins Kino brachten, sollten die Filme eine Hommage an trashiges Genrekino der 70er Jahre darstellen. Eher unbekannte B-Movies wie "Fluchtpunkt San Francisco" hatten sie in ihrer Jugend maßgeblich inspiriert, weswegen sie die Ideen und Machart dieser Filme unbedingt einem neuen Publikum vorstellen wollten. Das Konzept begeisterte sie sogar so sehr, dass sie schon vor Kinostart von vielen weiteren Hommagen träumten. Eine der abstruseren Ideen beinhaltete Werwolffrauen in einem Nazigefängnis, die Nicolas Cage als Dr. Fu Manchu jagen. 

Daraus wurde jedoch erst einmal nichts, da ihre beiden ersten Feldversuche spektakulär floppten. Es waren zwar nicht unbedingt ihre schlechtesten Filme, doch die wenigsten konnten etwas damit anfangen, dass Tarantino und Rodriguez anscheinend gezielt schlechte Filme machen wollten. Was die beiden als charmante Trash-Note sahen, sahen andere als zu Recht unbekannten Nischenschund. Trotz aller Umstände ließ sich Robert Rodriguez jedoch nicht aufhalten und legt mit "Machete" einen zweiten Versuch vor. Ob er dieses Mal etwas Zugänglicheres geschafft hat?

Wegen des guten Drehbuchs
spielten fast alle Darsteller für ein Bruchteil ihrer normalen Gage mit

Schon die ersten Minuten machen deutlich, was "Machete" für ein außergewöhnlicher Film ist. In cartoonhaften, aber schonungslos blutigen Actionszenen zersäbelt der unzerstörbare Held seine Kontrahenten, trifft auf nackte Frauen und einen übergewichtigen mexikanischen Samurai-Drogenbaron. Wer nun handelsübliche Action ala "Stirb Langsam" 1 sucht, ist hier an der falschen Adresse. Misst man ihn an ernst gemeinten Actionfilmen fällt er deutlich ab, da er nur einen ganz speziellen Nerv sucht, den aber grandios trifft. "Machete" ist das Übertriebene aus "Stirb Langsam 4.0" gekoppelt mit dem Blutgehalt eines "Rambo 4" und dem Irrsinn aus "Rambo 3", dazu kommt der perfekte stumpfe Humor eines "Phantom Commando". In der Mischung ist es einer der absurdesten, aber lustigsten Filme des ganzen Jahres. Dass Rodriguez Action drehen kann, hat er mit seiner "Mariachi" Trilogie längst bewiesen und so inszeniert er sie auch hier wieder wie im Schlaf (vorbildlich: im Gegensatz zum Kampf der "Expendables" ist stets alles übersichtlich zu erkennen).

Ähnlich rasant sind Soundtrack und Schnitt, die "Machete" zum flotten Kurzweilspaß machen. Hochglanz verwöhnte Blu-Ray Fans ärgern sich möglicherweise über den Look des Bildmaterials. Rodriguez will einmal mehr zwanghaft den Eindruck hinterlassen, der Film sei schon mehrere Dekaden alt und lässt ihn dafür künstlich abgenutzt erscheinen. Hat man falsche Erwartungen, kann das frusten, doch wer schon "Planet Terror" kennt oder den "Machete" Trailer von 2007 gesehen hat, weiß ohnehin, was ihn erwartet. Es schadet dem Film auch nicht, da es stilistisch zum Texas-/Mexiko-Ambiente passt und man Trejos Furchengesicht nicht unbedingt hoch aufgelöst sehen muss. Die beste Änderung zum Vorgänger betrifft indes die Figuren, denn die sind nun allesamt charismatischer.

Gab es in Rodriguez’ Zombie-Splatterstreifen eine nur eher durchwachsene Besetzung, ist seine neue wesentlich gelungener. Danny Trejo, der meistens nur als Nebenfigur in Filmen anderer auftaucht (darunter in "Con Air", "Anaconda", "Predators", "xXx" und "From Dusk Till Dawn") überzeugt in seiner ersten Mainstream-Hauptrolle als moderner mexikanischer Clint Eastwood, der in dieser Version halt einen Lowrider fährt. Da Rodriguez auf Tempo setzt und keine Leone Hommage drehen will, überlässt er die meisten Gespräche den vielen anderen Darstellern, die sich abwechselnd die Klinke in die Hand drücken und für beste Abwechslung sorgen. Fans von Steven Seagal freuen sich über einen gut gelaunten Sensai, der nach 23 DVD-Filmen endlich mal wieder im Kino zu sehen ist und trotz recht runder Figur eine relativ gute als Bösewicht abgibt. Fantastisch ist, dass es noch drei weitere gibt, die alle auf ihre Kosten kommen: Jeff Fahey, Don Johnson und vor allem Robert De Niro als rückratloser Politiker haben hervorragende Rollen und werten den Film immer wieder auf. Auf Machetes Seite verleihen Jessica Alba, Michelle Rodriguez und Uzi ballernde Krankenschwestern dem Ganzen den nötigen Sex-Appeal. Als Schmankerl gibt es noch Cheech Marin, der als Priester mit Shotguns einen guten Oneliner nach dem anderen von sich gibt.

In der Besetzung gibt es nur einen wirklich auffälligen Makel, der aucgh eigentlich schon von vornherein absehbar war. Lindsay Lohan, die für gerade mal drei Tage am Set auflief, scheint als einzige nicht verstanden zu haben, was für eine Art Film es ist. Davon ab, dass sich die in Zeitungen immer so offenherzige Darstellerin im Film offensichtlich doublen lässt, ist ihr Auftreten als geläuterte Nonnensoldatin der schlechteste des Films. Bei allem Irrsinn lässt sich nicht übersehen, dass die eigentliche Handlung tatsächlich nicht schlecht ist. Der Plan der Bösen braucht sich in seinem Aufbau vor keinem Genretitel verstecken, dazu kommt, dass er zwar oberflächliche, aber zutreffende Sozialkritik auffährt. Es fällt vor allem leicht, so manche typische Republikanerfigur in De Niros übertriebener Rolle wiederzuerkennen. Echte Spannung kommt zwar nie auf, doch das muss sie auch nicht. Machete zielt auf besten Spaß ab und bringt diesen bis zum Abspann. Dass "Machete 2: Machete Kills" und "Machete 3: Machete Kills Again" bereits angekündigt sind, schürt Freude.

Fazit:
Die "Expendables" waren neulich nette Action-Nostalgie und "Piranha 3D" ein unterhaltsamer Splatterspaß, doch "Machete" ist beides zugleich und als Paket sogar noch besser. Sofern man den absurden schwarzen Humor mag und nichts Falsches erwartet, schlägt die Skovilla-Skala Alarm: "Machete" ist der vermutlich beste Actionfilm des Jahres.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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