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Kritik:
Madagascar 3: Flucht durch Europa


von Christian Westhus

MADAGASCAR: EUROPE'S MOST WANTED
(2012)
Regie: Eric Darnell, Tom McGrath, Conrad Vernon
US-Sprecher: Ben Stiller, Chris Rock, Jada Pinkett Smith, David Schwimmer, Sacha Baron Cohen
D-Sprecher: Jan-Josef Liefers, Bastian Pastewka, Rick Kavanian, Susanne Pätzold, Die fantastischen Vier   

Story:
Löwe Alex, Zebra Marty, Hippo Gloria und Giraffe Melman hatten sich eigentlich schon an Afrika gewöhnt, doch das Heimweh ist zu groß. Als sie den gen Monte Carlo entflogenen Pinguinen nachkommen wollen, geraten sie ins Visier der eiskalten Tierjägerin Capitaine DuBois und suchen bei einem Zirkus Unterschlupf. Chaos vorprogrammiert…

Kritik:
Im Gegensatz zu manch anderer Produktionsfirma und Animationsfilmreihe hat Dreamworks mit den „Madagaskar“ Filmen weitaus weniger Druck. Nette und dadurch erfolgreiche Unterhaltung soll es sein, für ein eher jüngeres, aber nicht ausschließlich junges Publikum. So gesehen ist auch der dritte Teil, „Flucht durch Europa“, eine erfolgreiche Fortführung der etablierten Formel. Und man kann nicht mal behaupten, man würde es sich mit den Fortsetzungen leicht machen. Auch wenn Teil 2 über weite Strecken mehr als offensichtlich, in Teilen sogar bewusst herausgestellt Elemente aus „König der Löwen“ übernahm, waren die nicht zu tiefen, aber ausreichenden Bemühungen um die Charakterentwicklungen der Hauptfiguren durchaus angenehm. Dazu reduzierte der zweite Teil die im ersten Film mitunter arg platten Popkultur-Anspielungen und ist damit unterm Strich sogar leicht überlegen. Nach dem doppelten „Aus dem Dschungel, in den Dschungel“ Szenario der beiden Vorgänger, geht „Flucht durch Europa“ nun gänzlich andere Wege und bleibt doch unverkennbar ein neues Madagaskar Abenteuer (das inzwischen beinahe gar nichts mehr mit der berühmten Insel zu tun hat). 

Alex, Marty, Gloria und Melman kehren nun unmittelbar in die menschliche Zivilisation zurück und machen mit einem erweiterten Arsenal an menschlichen und tierischen Nebenfiguren eine Reise, die zwar aus logistisch zweifelhaften Gründen von Monte Carlo, über Rom nach London führt, so aber ständig für Abwechslung sorgt. Dass dabei manches Mal der erzählerische rote Faden abhandenkommt oder wissentlich ignoriert wird, muss man wohl in Kauf nehmen. Am meisten stört dabei der Einstieg. Eine Traumsequenz führt schon einmal den „Es kommt direkt auf dich zu“ 3D –Stil des Films vor, ehe Löwe Alex beschließt Heimweh zu haben. Dass die Eltern des ‚Königs von New York‘ nicht mal erwähnt werden und unsere Freunde eine gewaltige Distanz mit einem Fingerschnippen und ohne Probleme hinter sich bringen, irritiert und stört gleichermaßen, untergräbt dabei sogar die emotionale Entwicklung, die Teil 2 voran trieb.

Normalerweise lässt sich der Begriff „Realismus“ eh nur äußerst selten auf Animationsfilme übertragen und „Madagaskar“ hatte durchaus klar gemacht, seine Comic-Freiheiten auszunutzen. „Flucht durch Europa“ geht dennoch einen deutlichen Schritt weiter und dabei vielleicht sogar einen guten Schritt zu weit. Ein Löwe, ein Nilpferd, ein Zebra und eine Giraffe turnen relativ lange ungesehen in einer dicht besiedelten Stadt herum, passen durch kleinste Rohre und profitieren davon, dass die technisch versierten Pinguine irgendwie technische Meisterleistungen zusammengebastelt haben, die wahlweise das A-Team oder den Cirque du Soleil mit den Ohren schlackern ließen. Der Film gibt sich nun ganz ungenierten den grenzenlosen Möglichkeiten seines Mediums hin und sorgt mit der gewohnten Mischung aus ein paar richtigen Gags, kindgerechten Albernheiten und viel Slapstick für Kurzweil und Unterhaltung. Dass sich bei den Witzen unter anderem ein Simpsons-Insider versteckt hat, ist eine positive Überraschung. Die Pinguine sind zumindest bis zur Halbzeitmarke wieder die heimlichen Helden, König Julien bekommt einen ausgedehnten Nebenhandlungsstrang verpasst, und da die Hauptfiguren in den Vorgängerfilmen bereits sich selbst gefunden haben, werden wortwörtlich ganz Wagenladungen an neuen Figuren herangekarrt, die auf solidem Niveau und nie zu ernst ihre Standard-Problemchen zu lösen haben, ehe alles endet, wie es in so einem Film eben zu enden hat. 

Mit der Zirkuswelt erschafft man immerhin eine mehr als abwechslungsreiche Umgebung, deren Tanz-, Sprung- und Trapez-Nummern die dreidimensionale Animationsmaschine auf Hochtouren bringt. Das ist wild, schnell, bunt und mit peppig-poppiger Musik unterlegt, die in den bisherigen beiden Filmen ja auch schon eine überdurchschnittliche Rolle gespielt hat. Die deutschen Synchronsprecher machen ihre Sache indes erneut ziemlich gut. Liefers, Pastewka, Kavanian und die Fanta4 konnten sich bereits beweisen. Der auffälligste Neuzugang ist Switch-Darstellerin Susanne Pätzold, die hierzulande Frances McDormand als Sprecherin der erwartungsgemäß gnadenlos überzeichneten, aber durchaus amüsanten Gegenspielerin Capitaine DuBois ersetzt. Und auch wenn falsche Akzente (und davon gibt es mehrere) nicht immer funktionieren, ist das hier durchaus eine runde Sache. Wer bisher nichts mit dem tierischen Madagaskar-Trupp oder der eigenwillig kantigen Animation anfangen konnte, wird auch Teil 3 nicht plötzlich ins Her schließen. Für alle Fans ist diese Reise durch Europa mehr vom unterhaltsamen Gleichen, mit genügend Neuerungen, um nicht zu sehr wie ein simpler Neuaufguss zu wirken. Das reicht für einen netten Tag im Kino, jedoch nicht für einen wirklich guten (Animations-)Film.

Fazit:
Mehr vom Gleichen, nur anders. „Madagaskar 3“ ist cartooniger, wilder, bunter als seine Vorgänger und schickt seine Helden durch ungewöhnliches, durchaus interessantes Terrain, ist im Herzen aber dennoch ein Madagaskar-Film. An denen kann man seinen lauen Spaß haben, bis man sie nach ein paar Tagen beinahe komplett wieder vergessen hat.

5,5 / 10

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