BG Kritik:

Mad Max - The Game


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Mad Max - The Game (US 2015)
Entwicklungsstudio: Avalanche Studios
Publisher: Warner Bros Games

Story: Irgendwann kurz vor oder nach den Ereignissen von Mad Max: Fury Road. Max gerät in einen Hinterhalt des Tyrannen Scabrous Scrotus, eines Sohnes von Immortan Joe. Scrotus stiehlt ihm seinen geliebten Ford Falcon Interceptor und lässt ihn halbtot in der Wüste zurück. Doch Max überlebt, und sieht natürlich vor, sich seinen Wagen zurück zu holen…

Die Fury Road geht noch viel weiter.

Kein Rollenspiel, aber Open World


Mad Max: Fury Road ist vermutlich der beste Film des Jahres 2015, und erst jetzt kommt das Spiel dazu heraus. Ein gutes, unübliches Zeichen, denn für gewöhnlich kommen Spiele zeitgleich mit Kinofilmen heraus. Selbstredend heißt das in der Regel, dass es oft lieblos zusammenklamüserte Spiele sind, die als Spiel selbst kaum funktionieren und bloß Werbemittel sein sollen. Bei diesem war der Prozess leicht anders. Avalanche Studios, die hinter der Just Cause Reihe stecken, wollten es eigentlich schon 2014 veröffentlichen, als generelles Spiel im Mad Max Universum ohne Verbindungen zu den Filmen. Als dann jedoch mal in den fertigen Fury Road Film reingesehen wurde, war klar, dass das Spiel Verknüpfungen haben sollte. Also wurde es um ein ganzes Jahr verschoben, und die Warterei hat sich tatsächlich gelohnt.

Im Film kommt einer der Helfer Immortan Joes aus einer Stadt namens Gastown. In eben dieser Gegend ist man im Spiel unterwegs und die Anleihen an Fury Road könnten nicht größer sein. Der Antagonist hat eine Streitmacht, die Immortan Joes nachempfunden ist. Weiß bemalte War Boys hängen an umgebauten Fahrzeugen und haben menschliche Blutbeutel. Einige der Anhänger haben sich Farbe ins Gesicht gesprüht, es hängen religiöse Lenkradsymbole herum, es wird buntes Signalpulver in die Luft geschossen, es gibt die gezackten Dünenautos der verrückten Buzzards. In Sandstürmen schlagen Blitze ein und die Designs sämtlicher Autos erinnern an die des Films. Doch Fury Road ist nicht der einzige verwiesene Film. Man kann Lord Humungus‘ Maske als Kühlerfigur finden, man kämpft in einer Donnerkuppel, eine weibliche Anführerin hat ein Hauptzelt wie Aunty Entity, und die Handlung nutzt gewisse Versatzstücke des ersten Films. Verpasst man seiner Figur das passende Aussehen, sieht sie zudem glatt aus wie Mel Gibson.

Für Fans von Need for Speed Underground


Keine Frage also: mag man die Mad Max Filmreihe, darf man völlig begeistert von der Umsetzung der Spielwelt sein. Selten wurde eine Filmwelt derart treffend in eine Spielwelt übertragen, ohne dass man das Gefühl bekommt, durch ein reines Museum zu laufen. Selbige Begeisterung darf man von der Haupthandlung erwarten. Die abwechslungsreiche Story führt würdige neue Figuren ein, bietet jede Menge spektakuläre Action und sorgt für authentisches Mad Max Feeling. Technisch ist die Spielgrafik kein Referenzmaterial, aber durchgehend gut und dafür exzellent designt. Trotz der vermeintlich kargen Postapokalyptikwelt gibt es nicht nur Sand und Wellblechbauten zu sehen. Ein vergrabener Flughafen, alte U-Bahnanlagen, Schwefelsümpfe und ein gewaltiger Schrottplatz beispielsweise sorgen dafür, dass das Entdecken der Welt Spaß bereitet.

Die Haupthandlung an sich nimmt etwa zehn Stunden Spielzeit in Anspruch, und wird dank Nebenmissionen sogar noch verdoppelt. Diese sind kleinere Aufträge, die diverse NPCs in den verschiedenen Basen anbieten. Man muss sie nicht machen, doch sie erleichtern den Kampf ungemein. The Witcher 3 ist ein großartiges Spiel mit einer rollenspielbedingt weitaus besseren Handlung, doch worin Max Geralt schlägt, ist das Feld der Verbesserungen. Im Spiel gibt es die Möglichkeit, Max‘ Fähigkeiten auf zwei verschiedene Weisen auszubauen, sowie sein Auto aufzurüsten. Wer zufällig die Need for Speed Underground Reihe mochte, bekommt hier leuchtende Augen. Zahlreiche Upgrades machen den eigenen Wagen schneller, robuster und seine Waffen stärker. Demzufolge nimmt man es gern hin, dass viele der kleineren Aufgaben eher simpler ausfallen. Meistens wird man gebeten, Autos zu stehlen, gewisse War Boys zu erledigen oder Dinge aus schwer bewachneten Festungen zu besorgen. Im Gegensatz zu den Aufwertungen des Hexers spürt man hier jedoch jede einzelne Verbesserung, was das Streben danach erhöht.

Als Open World Spiel nimmt Mad Max nicht linear an die Hand. Stattdessen hat man eine gewaltig große Gegend, die glücklicherweise nicht authentisch ist, da es sonst meilenweit immer wieder Nichts geben dürfte. Nein, Scrotus‘ Gebiet ist gespickt mit Feindes- und Freundesbasen, mit Wachtürmen, zerstörbaren Götzenstatuen, durstenden Wanderern, Patrouillen, und schier unzählbar vielen Plätzen mit wertvollem Loot. Wenn man will, braucht man nur die Haupthandlung spielen und bloß wenige erfragte Open World Aktionen erledigen, doch wenn man die Spielwelt mag, kann man endlose Stunden darin verbringen. Viele Kritiken nennen das Spiel speziell deswegen langweilig. Hat man aber Haupt- und Nebenmissionen erledigt, ist das Spiel schon doppelt so lang wie viele andere. Alles weitere darüber hinaus ist optional, und auch das greift auf Kernelemente zurück, die bereits das gesamte Spiel bestimmen.

Tipp: Musik runterdrehen und im Hintergrund den Fury Road Soundtrack laufen lassen


Kampf besteht aus zwei Varianten. Zum einen ist man selbstredend mit dem Auto unterwegs und liefert sich unerbittliche Kämpfe mit anderen, mit Harpune, Raketenwerfer, Shotgun und gezielten Rammattacken. Anfangs landet man im Zuge dessen meistens schnell brennend im Graben, doch mit Hilfe der vielen Updates wird die Hatz rasch einfacher. Zum anderen betritt man Feindeslager immer zu Fuß. Hier hat sich Avalanche faul des Kampfsystems der Batman Arkham bedient. Allein geht es im Nahkampf gegen Gegnergruppen von bis zu dreißig auf einmal. Max hat nicht ganz so viele Moves oder Gadgets wie Batman auf Lager, doch die Kämpfe sind schön knifflig und gehen mit etwas Übung leicht von Hand.

Gewisse Spielprinzipien wiederholen sich oft, haben aber letztendlich dieselbe Wiederholungsquote wie die Tierjagd in Far Cry, wie die Lagerräumungen in Just Cause, wie das Turmklettern in Assassin’s Creed, wie das Sammeln von Riddlertrophäen, wie die Besuche generierter Dungeons in Skyrim, wie die Lautsprechersprengungen in The Saboteur oder wie die Monsteraufträge in The Witcher 3. Entweder fasst man das positiv als unterhaltsame Erweiterung der Spielzeit auf, oder man empfindet alles abseits der Haupt- und Nebenhandlung als unnütze Beschäftigung. Entscheidend ist sicherlich auch, wie interessant man Mad Max' Spielwelt generell findet. Letztendlich darf man nicht vergessen, dass Mad Max kein Rollenspiel ist und all das jenseits einer mehr als zufriedenstellenden Spiellänge bietet. Wer sich mehr Dialoge und Gesprächsmöglichkeiten ersehnt, ist vielleicht im falschen Franchise.

Natürlich gibt es Sand im Getriebe. So ist das Spiel teilweise reichlich schwierig, vor allem, wenn man keinerlei Zeit in das Auftreiben von Upgrades steckt. Die Spielmotivation ist fragwürdig: nur um ein besseres Auto zu kriegen, erschlägt Max über tausend War Boys und plündert und brandschatzt wie die Wikinger. Lebensenergie bekommt man hauptsächlich, indem man Wasser trinkt. Wasserspender sind aber selten, und sowohl das Trinken als auch das Auffüllen der Flasche dauert nervig lange. Bei manchen Toden respawnt man nicht vor Ort, sondern direkt in einer entfernten Freundesbasis. Im Test gab es zudem zwei markante Bugs: bei der Mission Klassiker des Ödlands ist die Anforderung falsch ausgeschrieben (man muss zunächst Chumbuckets Hund retten), einer der Ausguck-Heißluftballons ließ sich nicht tanken und eine getriggerte Lagertür wollte nicht aufspringen. Das ist nicht spielentscheidend wie Arkham Knights PC Performance-Probleme, sollte aber besser schleunigst gefixt werden. Auch kann der minimale Soundtrack mit dem des Films nicht mithalten.

Fazit:

Mad Max ist prinzipiell ein großartiges Spiel für alle Enthusiasten der Filmreihe geworden. Wie sehr man es jedoch im Detail mögen kann, liegt daran, wie verwöhnt man bereits von anderen Open World Spielen ist. In vielerlei Hinsicht ist es Titeln wie Batman Arkham Knight oder Far Cry 4 sehr ähnlich, und wer die Spiele der Assassin’s Creed oder Just Cause Reihe mag, dürfte sich auch hier sehr wohl fühlen. Verglichen mit dem Film ist es sicherlich kein Meisterstück, aber eine lohnende Ergänzung für jeden, der weiß, wie viele in eine Doppelkuppel rein- und wieder rausgehen.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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