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KRITIK:
Männertrip
von
Christian Mester
GET HIM TO THE GREEK (2010)
Regie: Nicholas Stoller
Cast: Russell Brand, Jonah Hill
Story:
Aaron (Jonah Hill) wird von seinem Boss (P Diddy)
nach London geschickt, um den berühmten Rockstar und
Troublemaker Aldous Snow (Russell Brand) für einen
Auftritt nach Los Angeles zu holen. Sex, Drugs and
Rock'n Roll machen es jedoch schwierig, den
unzähmbaren Megastar mitzunehmen...
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MÄNNERTRIP ist ein Spin-Off zu
NIE WIEDER SEX MIT DER EX |
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Kritik:
Als "Forgetting Sarah Marshall" 2008 mit seinem
grausig schlechten dt. Titel "Nie wieder Sex mit der
Ex" in die Kinos kam, war es eine locker-flockige,
leichte Romcom mit "How I Met Your Mother"-Star
Jason Segel. Marshall aus der Erfolgsserie versuchte
in seiner Rolle als gern mal nackt weinender
Puppenspielmusiker, eine zuckersüße Kristen Bell
zurückzuerobern. Bell war mit dem fiktiven Rockstar
Aldous Snow (Russell Brand) zusammen, der
seinerseits einen großen Fan hatte, einen Kellner
(Jonah Hill).
Irgendjemand fand den britischen Moderator und
Comedian Brand in seiner kleinen Rolle nun so gut,
dass man ihm kurzerhand ein eigenes Spin-Off
schrieb. Wieder dabei: Jonah Hill, der es dieses Mal
vorzog, eine gänzlich andere Rolle zu spielen. Die
Idee schrieb sich nahezu selbst. Hill spielt einen
bescheidenen Aktendrücker, der auf den schrillen
britischen Mick Jagger-Verschnitt angesetzt wird und
mit ihm rauschende Parties diesseits und jenseits
des großen Teichs feiert, Sex, Drugs, Rock'n Roll
und haufenweise Peinlichkeiten vorprogrammiert. Das
ist das Mantra des Films, der im Grunde von einer
wilden Party zur nächsten randaliert. Snow ist ein
extrovertierter Drogen- und Alkoholabhängiger, der
sich von einem Fest ins nächste wirft und seine
Bestürztheit darüber ertränkt, dass sein letzter
großer Hit lang her ist und er sich mit seiner
Traumfrau (nicht Sarah Marshall, wird gespielt von
Rose Byrne aus "Knowing" und "Sunshine") verkracht
hat. Für Brand bekannte Ufer, denn dieselben
Probleme durchlebte der zottelige Big Brother
Moderator vor zehn Jahren selbst - wenn auch ohne
vergleichbare Weltpopularität. Brand ist somit
glaubwürdig, schon, weil er sich quasi selbst
spielt, aber der Film beweist leider, dass
Rollenauthentizität keine Rolle spielt, ist das
Ergebnis selbst nichts Besonders. Der Film büßt im
Deutschen auch sehr durch seine Synchronisation da,
ein Brand normalerweise durch seinen extremen
Brit-Slang auffällt; im Deutschen klingt er glatt
und gewöhnlich.
Fehlende Exzentrik ist eine Sache; Snow liebt es,
high zu sein und nervt den pfundigen Stubenhocker,
wo er nur kann, aber es fehlen echte Hingucker,
wirklich abgefahrene Ideen; die andere, dass seine
Popularität übertrieben wird. Seine Figur wird als
der letzte große Welt-Kultstar beschrieben, doch
weder sein öffentliches Auftreten, noch seine
Bühnenperformances lassen einen wirklich allseits
beliebten Star erahnen. Ganz im Gegenteil, er wirkt
wie einer von vielen, ein Retortenmusiker,
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Obwohl Jonah Hill auch schon im Vorgänger zu
sehen war,
spielt er im Spin-Off eine andere Figur |
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Absehbar sind die lustigen
Momente, beispielsweise wenn Snow seinen Diener um
unmoralische Gefallen bittet, doch wirklich
denkwürdige Gags dürfen vermisst werden. Hill, der
fülligere Freund des ehemals fülligen, mittlerweile
recht populären Seth Rogens ("Beim ersten Mal",
"Zack and Miri make a Porno", 2011 spielt er "Green
Hornet"), fiel in ebenfalls von Judd Apatow
produzierten "Superbad" auf und kontrastiert in
seiner leichten Rolle als gequälter Langweiler,
fällt wie Regisseur Nicholas Stoller aber mit den
Abstechern der zweiten Filmhälfte voll gedröhnt ins
volle Pissoir.
Wie schon in "Sarah Marshall"
versucht man zum Ende hin angestrengt, neben den
Parties, dem ungewollten Sex und in Hintern
versteckten Drogen eine ernstere Note einzubringen.
Für Snow bedeutet das in erster Linie, reumütig auf
sein unreifes Bad Boy-Verhalten zu blicken, für
seinen Begleiter, obligatorischerweise wieder zu
seiner treuen Liebe zurück zu finden, einer daheim
gebliebenen, lieben Krankenschwester; für Zuschauer,
dass der Spaß somit abnimmt und Kitsch kommt.
Weniger lohnenswert als im Vorfilm, da die beiden
Hauptfiguren nur dünn beschmierte Brote sind und vor
allem Snows Erlösung kaum vorhersehbarer sein
könnte. Der Film knickt besonders beim ernst
gemeinten Kontakt mit Snows Vater (Colm Meaney) ein.
Ein Nebenplot mit Byrne als Sex sellendes
Popsternchen ist schon amüsanter, aber die Handlung
beschäftigt sich leider nur wenig damit, das
Star-Dasein allgemein unter die Lupe und dann durch
den Kakao zu ziehen.
Es überrascht jedoch, dass sich Rapmogul P. Diddy
alias Sean Combs als echtes Talent offenbart. Diddy
hat nur kleinere Auftritte als Hills Boss, drängt
sich aber stets mit großem Erfolg ins Licht. Nachdem
er schon Kurzauftritte in "Monster's Ball" und "Carlito's
Way: Rise of Power" hatte, zeigt der ansonsten als
arrogant verschriene Zahnstocherfetischist, der sich
damals vor Daniel Craig eifrigst um die Rolle des
nächsten Bonds bewarb, dass er durchaus bestens über
sich selbst lachen kann und alles andere als
selbstverliebt ist - nahezu jeder einzelne Spruch
seinerseits sitzt. Sein Timing ist passgenau, er
lässt ausschweifend über sich und sein Business
lachen und bewirbt sich damit hoffentlich gleich für
weitere Auftritte. Sollten sie ein "Spin-off" zum "Spin-off"
planen, lassen sie Aldous Snow besser auf der
Strecken und konzentrieren sich auf seinen
Plattenproduzenten.
Fazit:
"Männertrip" ist eine Durchschnittskomödie ohne
größere Stärken und Schwächen. Nach Möglichkeit
besser im O-Ton sehen, denn in der deutschen Fassung
geht Brands unterhaltsamer Ausnahmeslang vollkommen
flöten.
4,5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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