hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
The Man with the Iron Fists


von Christian Mester

THE MAN WITH THE IRON FISTS
(2012)
Regie: RZA
Cast: RZA, Russell Crowe, Lucy Liu

Story:
Bäm macht es, als der fuchsige Bandenführer Golden Lion (Byron Mann) im alten China auf den Putz haut und anfängt, allen Kampfclans der Nachbarschaft den Krieg zu erklären - und dann, dreist des Kaisers Gold abzuklauben. Opfer der Fehde wird ein stiller Schmied (RZA), der im Gedränge unter Lions Pranken gerät und wegen ihm beide Arme verliert. Gebrochen, aber noch immer mit dem Chi eines Pferdes ausgestattet, rüstet sich dieser zum eisernen Gegenschlag...

Kritik:
Das gewählte Szenario, der leicht trashige 60er/70er Stil, Lucy Liu, "Quentin Tarantino präsentiert" - natürlich muss man unweigerlich annehmen, jemand habe Kill Bill gesehen und wolle das rund 8 Jahre nach Quentins Klassiker verspätet nachahmen. Gar nicht mal so abwegig, allerdings muss man Regisseur, Hauptdarsteller, Autor, Producer und Komponist RZA hoch anrechnen, dass er keineswegs ein klassischer Copycat ist, der ideenlos auf einen Zug aufzuspringen versucht. Wer ihn nur annähernd kennt, den faszinierenden Wu-Tang Clan Frontmann, weiß, dass er bereits seit Jahren begeisterter Themenenthusiast ist und sich mit trashigen Kung-Fu-Filmen zweifellos mindestens genau so gut auskennt wie Mister Tarantino himself. Als älter werdender Rapper, als Musik-Producer, der fast alles erreicht hat, was man erreichen kann, darunter eine Menge auf der hohen Kante, war es folglich nur eine Frage der Zeit, wann RZA sich auf Zelluloid hinterlassen würde. Bemerkbar gemacht hatte er sich schon hier da, mit Scores und kleinen Cameos in Filmen wie Ghost Dog, Kill Bill, Blade Trinity und Tom Yum Goong - jetzt wollte er es also selbst wissen.

Von der Ausstattung und den Konzepten her ist sein Debüt eine wahre Wucht geworden: was hier an Kontrahenten angekarrt wird, ist so fein säuberlich ausgearbeitet, dass man glatt ein eigenes Videogame draus machen könnte: da wäre der besagte Mann mit den Eisenfäusten, der besonders feste draufdreschen kann; ein Unzerstörbarer mit Bronzekörper, ein Mann mit Krallen, ein anderer, der Spikes am ganzen Körper hat; ein Pärchen, das sich gegenseitig als Waffe einsetzt, ein Mann mit einem rotierenden Revolvermesser, eine Frau mit tödlichem Frisbee-Fächer, ein Giftpfeile-spucker, und, und, und. Jeder von ihnen mit liebevoll ausgesuchten Kostümen und Waffen, eigenen Gadgets und Spezial-Moves. Allein das macht konzeptionell schon Spaß, und ist in liebevoll ausgestatteten Genre-Locations (Bordell, Tempel, Schmiede, kunstvolle Gärten) mit ausfallend blutigen, reichlich abwechslungsreichen Kämpfen bereits die halbe Miete, und besser als so manche tatsächliche Beat Em Up Verfilmung (*hust* Street Fighter: The Legend of Chun-Li, Double Dragon, King of Fighters).

Die Action... ist allerdings eher bronzen als golden. Teilweise cool umgesetzt und das beste aus einem geringen Budget machend, gibt es aber reichlich Fehlschläge. So gibt es relativ viele unterschiedliche Actionszenen im Film, allerdings immer nur recht kurze, manche nur Sekunden lang, die zudem... wer mag es verstehen... meist sehr hektisch geschnitten sind. Als reines Actionfest taugt der Film also nicht, obwohl er mit coolen Kämpfern nur so überquillt. Das liegt ebenso an den ausgesuchten Darstellern, wobei RZA hier mehrfach deutlich daneben gegriffen hat. Als exzentrischer englischer Messerexperte ist Russell Crowe magnetisch, Lucy Liu darf noch mal ihre bekannte O-Ren Ishii stolzieren lassen, und Ex-Wrestler Bautista ist ohne Frage genügend Klump von Kerl, um als stählerner Haudrauf zu überzeugen, aber der Rest der Crew ist zu wenig. Zu wenig kommt vor allem vom Meister selbst, vom RZA, der bis auf eine Szene den ganzen Film über den gleichen stoischen, ausdruckslosen Gesichtsausdruck drauf hat und damit Steven Seagal gefährlich Konkurrenz läuft, nur dass jener mittlerweile seine ganz eigene halb-parodisierende Ausstrahlung hat, während bei RZA in Sachen Ausstrahlung beim besten Willen on screen leider kein Geigerzähler ausschlagen will. Er läuft zwar ständig cool mit Hood herum und versucht den schwer zu lesenden, kühnen Fremden zu geben, aber wenn man von Bautista schauspielerisch an die Wand gehämmert wird, fallen in China zu wenig Säcke Reis um.

Was auch zu wenig ist, ist der Soundtrack. In den ruhigeren Szenen durchaus gemütlich, wie vieles vom Wu-Tang Clan, fehlt es in allen dynamischeren Szenen an eingängigen Themes oder ordentlichen Yeah-Auf-Die-Fresse Songs. Einzig I'm the baddest man im Abspann hat halbwegs Drive, dann aber zu spät. Die Regie ist für ein Debüt passabel, aber ein sehr unausgewogenes Kind. Manchmal erscheint es, als würde jemand anderes kurz übernehmen, da es zu Dreiviertel schlechte Zooms, Übergänge und ungünstig eingefangene Actionszenen gibt (merke: nicht gezielt ala Grindhouse, dafür sieht es stets zu modern aus), die nur vereinzelt richtig gut aussehen können. Was man sich auf gar keinen Fall erwarten darf, ist ein neuer Black Dynamite, und das ist die bronzene Messlatte, an der Der Mann mit den Eisenfäusten schallernd abprallt. Black Dynamite war vieles: eine geniale Hommage, eine urkomische Parodie, und ein sehr amüsanter neuer Beitrag seines Genres. The Man with the Iron Fists ist eine semi-gelungene Hommage, keine Parodie, aber alternativ leider kein ansonsten starker Film, und ein nur semi-gelungener Beitrag zum Genre ohne wirklichen Eigenheiten, oder denkwürdigen Charakteren, mit einigen Darstellern, die das Ausdrucksvermögen eines Toastbrots haben. Darf es weitere Abenteuer des Mannes mit den Eisenpfoten geben? Gewiss, wenn die Luft nach oben das nächste Mal auch geatmet wird.

Fazit:
Wer sich mit wenig, und hektischer Action zufrieden geben kann und dazu ein kleines Faible für alte Asia-Actioner, oder Beat Em Ups hat, darf sich den Mann mit den Eisenfäusten fraglos geben, doch von dem "Quentin Tarantino präsentiert" ist sich nicht fehlzuleiten - an den Herren kommt RZA (noch) nicht heran.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich