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Kritik:
Männersache


von Christian Mester

Maennersache
(2009)
Regie: Gernot Toll
Darsteller: Mario Barth, Paul Panzer

Story:
Der erfolglose Comedian Paul (Mario Barth) und der Gerüstbauer Hotte (Paul Panzer) sind seit über zwanzig Jahren beste Freunde, doch ihre Freundschaft wird jäh auf die Probe gestellt, als Paul Privatgeschichten über Hotte und seine strenge Freundin mit in sein Programm aufnimmt…

Kritik:
Wenn ein Spielfilm schon von Anfang an mit lustigen Outtakes vom Dreh beworben wird, darf man schon in etwa erahnen, was das wohl zu bedeuten hat.

Zwei Sachen fallen direkt von Anfang an ins Auge: erstens, Mario Barths Figur hat im Film keine Freundin und bekommt auch bis Abspann keine. Eine gewaltige Überraschung, besteht der Gesamtinhalt all seiner Bühnenauftritte doch in der Regel nur aus „Kennste, weßte, mene Freundin sacht imma“. Der Slang ist zwar da, der Inhalt jedoch nicht. Wer also das beliebte Bühnenprogramm in Filmform erwartet, wird regelrecht enttäuscht. Als "Get Rich or Die Tryin" damals in die Kinos kam, waren alle der Meinung, dass 50 Cent als Schauspieler nichts taugen würde, in den aus dem echten Leben gegriffenen Rapszenen aber wie gewohnt hervorstach. In "Männersache" gibt es nun dementsprechend Stand-Up Comedyszenen für den guten Mario, doch in diesen erzählt er jedes Mal nur platt Filmszenen nach, die man kurz zuvor selbst gesehen hat (sein Im-Film-Programm funktioniert nur, indem er von der Beziehung seines besten Freundes Hotte erzählt). Zumal diese nicht mal besonders lustig sind und man sich fragt, wie er ausgerechnet mit diesen lahmen Zoten zum Megastar werden soll.

Die zweite Überraschung ist ähnlich hart, denn für eine Komödie ist Männersache wirklich ausgesprochen arm an Gags. Nicht wie bei Til Schweigers "1 ½ Ritter auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde", in dem zwar unzählige Gags vorkamen, diese aber nie funktionierten; nein, es gibt einfach quantitativ gesehen kaum Witze. Nun gibt es Sachen wie "Herr Lehmann" und "Vollidiot" mit Comedy-Stars wie Pocher und Ulmen, die zur Abwechslung ernst sein wollen und dafür gute Dialoge bieten, das gibt’s hier aber auch nicht zu finden. Gespräche über kaputte Elternhäuser, Blutsbrüderschaft und Lebensträume sind so lieblos und platt inszeniert, dass man sich als Publikum lieber mit kollektivem Gähnen unterhält.

Cameos von Uwe Ochsenknecht, Sido und Jürgen Vogel sind annehmbar, sind aber kaum der Rede wert. Die meiste Zeit über dreht sich die Handlung um Paul Panzer und Mario Barth, die ja für gewöhnlich ein Heidengeld damit verdienen, andere Leute zum Lachen zu bringen, es hier aber einfach nicht tun.

Da fragt man sich: wie konnte das passieren? Hat sich das niemand nach dem Dreh angesehen? Mario hat zwar die ganze Zeit über sein typisch kumpelhaftes Grinsen im Gesicht – und mal ehrlich, wer würde mit ihm kein Bier trinken gehen wollen - erzählt aber durchweg nichts wirklich Lustiges. Radiomatador Panzer bekommt sogar keinen einzigen lustigen Moment spendiert, da er die meiste Zeit über deprimiert + betrunken spielen muss – wobei man sich echt fragen kann, ob er nicht tatsächlich deprimiert + betrunken am Set war, um das ganze irgendwie ertragen zu können. Spätestens wenn in der Geschichte dann noch ein schmieriger Kitsch-Klischee Manager mit Gelfrisur auftaucht der Mario hintergehen will, zieht es einen schon fast schreiend in den Nachbarsaal zu "Die wilden Kerle Part 32".

Um dem Ding noch die Krone aufzusetzen, sind die zwei bekannten Gesichter teils auch noch Eddie Murphy-mäßig in weiteren Rollen zu sehen, als Mafiapate, als alte Frau (wobei Barth gruseligerweise an "Texas Chainsaw Massacre 4: The Next Generation erinnert"), als dusseliger Gerüstbauer und als Auftragskiller, wobei Barth aber selbst für einen vierten "Erkan & Stefan" als Auftragskiller wohl noch zu schlecht gewesen wäre. Diese eingestreuten Szenen sind insgesamt so schlecht und amateurhaft, dass man sich eher "Norbit 2" antun würde. Es ist unfassbar, dass Deutschlands Top-Comedian Nr. 1 (nach Verkaufszahlen) und Guinessbuch-Rekordhalter Barth mit "Männersache" solch einen maroden und staubtrockenen Film abliefert. Selbst Thomas Gottschalk und Mike Krüger haben das vor Äonen mal halbwegs hinbekommen.

Schade, dabei hätte Mario nur sein eigenes Programm verfilmen müssen.

Fazit:
Allet wat de Marjo Barth ma im Fernseen macht hat, ist bessa als dat hier, und sollte er ma bei „Ik bin en Star, holt mich hier ras“ oder bei „Ras ausse Schulde“ mit Peter Zwegat landen, dann wär auch dat unterhalsammer. Man muss san, dat get aners, Marjo, sorry.

2 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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