Kritik:
MEGAMIND
von
Christian Mester
Megamind
(2010)
Regie: Tom McGrath
Cast: Bastian Pastewka, Oliver Kalkofe
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Story:
Er ist blau, superintelligent, ultraschusselig und
nicht von der Erde: Megamind (Stimme: Bastian
Pastewka). Als außerirdischer Superbösewicht ist es
sein Alltag, seinen ebenfalls überstarken Gegner
Metroman (Oliver Welke) zur Strecke zu bringen.
Eines Tages klappt’s dann sogar, und Megamind weiß
plötzlich nicht mehr, was er tun soll. Er erschafft
sich einen neuen Helden...
Kritik:
Böses Mastermind mit Herz klingt
bekannt? Wahrscheinlich weil
Universals „Ich – Einfach
unverbesserlich“ vor ein paar Wochen
noch denselben Ausgangspunkt hatte.
Da ging es ebenfalls um einen
Superbösewicht mit geheimer
High-Tech-Basis und bizarren, aber
niedlichen Helfern (hier sind es ein
Fisch in einem Roboterkörper und
fliegende Kameras, im anderen Film
waren es lebende Knicklichter und
ein Monsterhund), der im Grunde aber
ein herzensguter Kerl ist und erst
durch andere geoutet wird.
Die vergleichbaren Grundideen sind
jedoch schon das einzige, was die
Ein-Mann-Blue-Man-Group und der
unförmige Gru gemeinsam haben.
Stilistisch, technisch, formell und
humoristisch sind sie zwei Paar
Schuhe, die unterschiedlicher nicht
sein könnten. Um direkt beim
Schuhvergleich zu bleiben:
„Megamind“ kostete doppelt soviel,
und das sieht man ihm auch an. Da
glänzt und funkelt es, der 3D-Effekt
ist besser und die vielen Details
machen was her, doch letzten Endes
gibt man dann doch den anderen
Tretern den Vorzug: die passen
einfach besser. Trotz der
ausgefeilteren Grafik wirkt
DreamWorks’ Film optisch langweilig,
da sich interessante Designs und
Eigenheiten bis auf die wuseligen
Helferchen stark in Grenzen halten.
Langweilig sind vor allem die
Figuren, denn während Gru in seinem
Film eine merkliche Entwicklung vom
tatsächlich Bösen zum geliebten
Guten durchmacht, ist Megamind schon
von Beginn an ein Waschlappen, der
eigentlich nur geknuddelt und
gewuddelt werden will und sich bis
dato vom Leben ausgewrungen fühlt.
Man muss sich natürlich nichts
vormachen; Filme wie dieser sind für
Kids gemacht, doch was, wenn schon
die Figuren relativ „uncool“ sind?
Dann bleiben noch Action und Humor,
doch beides läuft hier blau an. Die
Actionsequenzen sind flach; zwar
geht teilweise viel zu Bruch, doch
aufregende Momente wie in
„Drachenzähmen leicht gemacht“ sind
leider Fehlanzeige. Noch schwächer
ist der Humor, der (abgesehen von
einer kleinen Donkey Kong Hommage,
dessen 2D-Bild wohl kein heutiges
Kind erkennt) ausschließlich
kindisch ausfällt und einfach
mega-unlustig ist. So soll es lustig
sein, dass Megamind ständig Wörter
falsch betont. Regelmäßig spricht er
seine Stadt Metro City
Mäh-tross-Sittie aus und wird
ständig von seinem Fischroboter
(Oliver Kalkofe) korrigiert. Ein
Gag, der nicht ein einziges Mal Pepp
hat. Ein still stehender Running
Gag. Ein Nichtgag. Ähnlich schlecht
sind witzig gemeinte Oneliner; so
wirft Megamind Metroman einen Bus
ins Gesicht, worauf dieser im
Lehrton entgegnet: „Ein bisschen
mehr Respekt vor den öffentlichen
Verkehrsmitteln, bitte“. An anderer
Stelle tanzt Megamind zu Michael
Jacksons "Bad". Nichtwitze, die den
gesamten Film bevölkern und
Comedy-Genozid begehen.
Den Untergang des geschmacklichen
Abendlands findet sich dann gegen
Ende, als Megaminds Freundin ihm
rät, den Bösen „Soprano mäßig eine
reinzugangstern“. (Wäre es eine
deutsche Produktion, wäre Metroman
sicherlich auch noch metrosexuell.
Und Rick Kavanian der Fischkopf mit
griechischem Akzent). Möglich, dass
der Film im O-Ton lustiger ist – da
laufen Will Ferrell, Brad Pitt und
„30 Rocks“ Sternchen Tina Fey auf.
Pastewka, Kalkofe und Co. sind in
ihrer Textkabine solide, doch da die meisten
Wortwitze daneben gehen, darf man vermuten, dass sie
entweder schlecht übersetzt wurden oder, wie es so
oft bei Humor ist, einfach schlecht zu übersetzen
waren.
Kids dürften in der ersten
Dreiviertelstunde noch halbwegs gut
bei Laune sein, doch dann schlägt
der Film in elendige Gefühlsduselei
um, denn das Megamind (hieß zu
Beginn der Produktion übrigens erst
Master Mind, dann Oobermind) ist
heimlich in eine Lois-Lane-artige
Reporterin verliebt und trauert
darunter, kein geliebter Superstar
zu sein. Dieser Emotionskompost ist
dröge, öde, fad inszeniert und
enttäuscht sicherlich viele, die
sich von der Ausgangshandlung eher
erwartet hätten, Megamind kämpfe
schon ab Filmhälfte gegen seinen
neuen Gegner. Pustekuchen: das
kleine Duell am Ende bleibt...
klein.
Schade bezüglich der kleinen
Zielzuschauer ist die grundlegende
Message des Films. Megamind will
aussagen, dass man stets ehrlich zu
anderen und man immer man selbst
sein soll, doch um sein größtes
Problem am Ende zu lösen, ist er es
nicht. Dazu kommt ein seltsames
Vergessen der Allgemeinheit, die in
Extremen denkt; erst hassen sie
Weltverbrecher und den scheinbaren
Mörder Megamind, dann lieben sie ihn
plötzlich bedingungslos, weil er
sich durch eine Aktion als dufter
Kerl behauptet.
Fazit:
Megamist? Nicht ganz, dafür sieht
der blaue Mr. Proper noch zu schick
aus, doch DreamWorks’ animierter
Superheldenklamauk ist superunlustig
und megaeinfallslos. Megamauer
Abklatsch von Pixars grandiosem „Die
Unglaublichen“, der im Schatten fast
aller diesjährigen Animationsfilme
steht und sich nur so gerade mit der
„Konferenz der Tiere“ messen kann.
4 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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