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KRITIK:
MEGA SHARKS
VS. GIANT OCTOPUS
von
Christian Mester
MEGA SHARK VERSUS GIANT OCTOPUS (2010)
Regie: Jack Perez
Cast: Debbie Gibson, Lorenzo Lamas
Story:
Wissenschaftlerin Emma (Debbie Gibson) erlebt
eines Tages wie zwei im Eis eingefrorene Riesentiere
(Riesenoktopus und Megalodon) durch Zufall auftauen
und die Welt in Angst und Schrecken
versetzen. Zusammen mit zwei Freunden und einem
Verantwortlichen der US-Regierung (Lorenzo Lamas)
versuchen sie darauf hin, dem Superkalamari und
seiner Monsterschillerlocke den Garaus zu machen…
Kritik:
Asylum Produktionen sind Filmfans mittlerweile ein
fester Begriff, da das Ausnahmestudio jedes Jahr
zahllose DVD-Titel auf den Markt wirft, viele davon
billige, dreiste Abkupferungen bekannterer Titel. Zu
"Transformers" gab es "Transmorphers", zu
"Alien vs.
Predator" "Alien vs. Hunter", zu "The Da Vinci Code"
"The Da Vinci Treasure", zu
"Terminator IV"
"The
Terminators" und so weiter und so fort. Das
Zielpublikum dieser günstig produzierten Titel
beschränkt sich in der Regel auf zwei spezielle
Kundenkreise. Zum einen zielt man bewusst darauf ab,
dass weniger Informierte in der Videothek
unglücklich daneben greifen und vermuten, dass
Verunglimpfungen wie Titel X der eine berühmte Titel
Z ist, von dem man mal gehört hat. Auf der anderen
Seite sind es Fans trashiger C-Kost, die bei Corin
Nemec nicken, jedoch nicht zunächst an den "Coolen
aus der Schule" oder "Stargate" denken und sich bei
einem guten Bier gern über die technisch lachhaft
umgesetzten Geschehen amüsieren.
"Mega Shark vs. Giant Octopus" nimmt nun einen
besonderen Status in der Firmenhistorie ein, da er
als erster des Unternehmens in einigen Ländern ins
Kino kam. Zwar nur in abzählbaren Sälen und dort mit
legendär schlechtem Erfolg, doch der Film mit dem
kuriosen Vs-Titel dürfte dadurch einen besonderen
Status im eigenen Hause haben. Zu Recht? Ist "Mega
Shark vs. Giant Octopus" aus Versehen besser als der
Rest, bei dem sich der qualitative Rahmen fast immer
zwischen möglichen 0 und 1 von 10 Punkten bewegt?
Was man dem Studio lassen muss, ist die Tatsache,
dass sie zuweilen auf originell bescheuerte Ideen
und reißerische Titel kommen, die sich große Studios
nie trauen würden. Ein Film über einen riesigen
Urzeitoktopus, der sich mit einem Riesenhai anlegt
als "Freddy vs. Jason" des C-Tierhorrors zu
verkaufen, ist ein Schauspiel, das es weitläufig wohl
so schnell nur im Asylum Wohnzimmerkino zu sehen
gibt.
Bei all den Produktionen der Firma fällt auf, dass
man das Budget stets so gering wie möglich hält, so
auch in ihrem bahnbrechendem "vs." (der bereits
viele ähnliche folgen lässt, geplant sind unter
anderem "Mega Python vs. Gateroid" und "Dinocroc vs.
Gigantosaurus"). Die Kosten werden in der Regel
unpräzise mit "knapp unter einer Million Dollar"
beziffert, doch glaubwürdiger wäre, dass der
finanzielle Aufwand weit niedriger liegt,
schon allein, weil es keine richtigen Sets gibt.
Sterile Räume mit vielen Knöpfen und blauem Licht
werden zu Kriegsschiffen, ein eilig hergerichtetes
Wohnzimmer zum Labor. Jede Aufnahme ist immerzu
überraschend nah am Geschehen, damit man links und
rechts drum herum möglichst wenig herrichten muss
und es wird auf Knopfpanelen herumgeklickt, die
nicht einmal beschriftet sind. Mit geringen
Zugeständnissen erinnern sie an "Star Trek: The
Original Series" oder die spartanischen
Zwischensequenzen zahlreicher Videogame-Sequenzen
der 90er, vor allem die von "Command & Conquer" oder
"Wing Commander", das allerdings, ohne den Charme
dieser Vorlagen zu erreichen.
An alte
Videospiele erinnern auch die Special FX, denn die
kreaturenlastige Action-Geschichte offenbart grausig
schlechte, antik wirkende Effekte, die selbst vor 20
Jahren noch unter mittlerem Hollywoodniveau gelegen
hätten. Schlechte Vertreter des Genres setzen in der
Regel auf häufigen Einsatz von Stock Footage -
bereits verwendetes Filmmaterial anderer Filme, bei
Tierhorrorfilmen meist unharmonisch
zusammengeschnittene Dokumentaraufnahmen. "Mega
Shark" schießt den Vogel ab, da man hier zwar nicht
prinzipiell auf Material externer Filme
zurückgreift, aber auf die
des eigenen Films. Normalerweise kaufen
Firmen Stock Footage von außen wenn man selbst
keine guten Effekte hinbekommt und/oder kein Geld
dafür hat, doch hier greift man noch wesentlich
fauler auf bereits
verwendete zurück. Zig Einstellungen und Szenen werden
demnach immer wieder kopiert. So schwimmt der miese CGI-Mega Hai mindestens sechsmal in derselben
Einstellung an der Kamera vorbei. Manchmal versucht
man den Zuschauer da zumindest zu täuschen, indem
man das Bild spiegelt (um es dann so zu
wiederholen).
Sieht man nun davon ab, dass man die schrecklich
schlecht inszenierten CGI-Kreaturen oftmals in
dreisten Wiederholungen sieht, kommen sie wenigstens
reichlich vor und dürfen neben ihrem obligatorischen
(wenn auch schrecklich unspektakulärem)
Vs.-Schlusskampf auch einige verrückte Sachen
machen. So springt der Hai in die Luft und schnappt
sich Passagiermaschine und die Golden Gate Bridge,
der Oktopus eine Ölbohrinsel und einen Kampfjet. Ob
man für diese "amüsanten" Momente 90 Minuten seines
Lebens opfern sollte oder sich die Highlights besser
bloß bei Youtube ansieht (ein fragwürdiges Interesse
am Titel liegt offenbar beim Lesen dieser Zeilen
vor), ist eine gute Frage.
Letztlich bleibt eine Meeres-Tierhorrorschote, wie
man sie schon endlose Mal gesehen und endlose Male
besser gesehen hat: Forscher/in (in diesem Fall:
80er Jahre Kurzzeitpopstar Debbie Gibson) entdeckt
eine anscheinend ausgestorbene Spezies, niemand
glaubt ihr und jemand Dummes mit Verantwortung (Ex-"Renegade"
Lorenzo Lamas) begeht (beinahe) Fehler, da man die
Gefahr unterschätzt. Die erste Stunde verläuft noch
relativ kurzweilig, doch dann geht dem Film der Saft
aus und man quält sich elendig durch die letzte
halbe Stunde. Jetzt könnte man mit den
Schultern zucken und all diese Filme wie "Eye of the
Beast", "Komodo vs Python", "Sabretooth",
"Der Killer-Alligator" und "Die Prophezeihung"
gleichermaßen über
den schlechten, unprofessionellen Kamm scheren, doch
selbst in den Untiefen des B-/C-Tierhorrors gibt es
ein Oben und Unten. Ganz unten wäre beispielsweise Asylums "100 Million BC", der noch weitaus
schlechter gemacht ist und dazu unerträglich zäh
ausfällt. Debbie Gibson ist nun keine Meryl Streep,
ist aber wenigstens okay und im Kontakt mit Zotte
Lorenzo Lamas erträglich (was daran liegen mag, dass
beide mal ein Paar waren). Sie ist aber gewiss kein
Martin Kove (Bösewicht aus den "Karate Kid" Filmen)
in "Crocodile 2" oder David Hasselhoff in "Anaconda
3". Ihren Dialogen fehlt es an eigener Note, man
strengt sich nicht einmal an, sie bewusst albern,
überzogen oder gezielt dämlich zu halten (etwaige
Fehlaussagen wie "Der Hai steigt auf" - wenn er
längst an der Oberfläche geradeaus schwimmt, wirken
nur inkompetent). Es fehlt Selbstironie.
Fakt ist aber auch, dass es viele bessere gibt.
Beispiele für schaubare, trashige B-/C- Klotten
wären "Der Monsterhai" (mit einem Hai-Oktopus Mix),
"Beast" mit "CSI"-Star William Peterson, "Creature"
vom Autor von "Der weiße Hai" und "Red Water" mit
Rapper Coolio. Für eine Empfehlung müsste es
entweder schaubarere Plots geben, öftere verrücktere Einfälle
(die "kuriosen" Szenen des Films machen weniger als
eine Minute aus), auffälligere Figuren, größere
Ernsthaftigkeiten oder charmante, echte praktische
Effekte. Trash mag Trash sein, doch wie jedes
Untergenre hat auch Trash seine messbaren Qualitäten
und dass "Mega Shark vs. Giant Octopus" nicht
besser ist, liegt
hauptsächlich daran, dass es ein gerushtes, lieblos
beeiltes Schundprojekt ist, dessen Bemühungen nach
Titel und Cover bereits offensichtlich aufhörten.
Fazit:
Man gebe
einer Gruppe 12jähriger 1000 Euro, ein paar
Spielfiguren, eine Kamera und vier Wochen Zeit. Das
Ergebnis wird schaubarer als "Mega Shark vs. Giant
Octopus" sein, ganz einfach weil das
Allerwichtigste, das immer budgetungebunden ist,
fehlt: Liebe für die Umsetzung. Bei Asylum scheint
nur eines wichtig zu sein: das schnelle Geld. Hier
sitzt niemand Augen zwinkernd und versucht
unterhaltsamen Schrott zu machen, Cover und Titel
sollen das Portmonee zücken lassen, was danach
passiert, ist egal.
1 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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