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Kritik:
Meine Frau, unsere Kinder
und ich


von Christian Mester

LITTLE FOCKERS (2010)
Regie: Paul Weitz
Cast: Robert De Niro, Ben Stiller

Story:
Der pensionierte Ex-CIA-Agent Jack Byrnes (Robert De Niro) hüllt sich in Zweifeln. Sein Schwiegersohn Gaylord Focker (Ben Stiller) ist mittlerweile in der ehrwürdigen Position angelangt, das nächste rechtmäßige Oberhaupt beider Familien zu werden, doch ist er der richtige? Wieder einmal wird der ständig Pech habende Focker auf die Probe gestellt.

Kritik:
Man könnte jetzt lange darüber lamentieren, dass Robert De Niro mal überragend passionierte Filme wie „Taxi Driver“ und „Goodfellas“ gemacht hat und mittlerweile nur noch allenfalls mittelmäßige Thriller und banale Komödien wie "Showtime" aus dem Ärmel schüttelt, aber man kann wohl davon ausgehen, dass jemand, der ernsthaft an diesem speziellen Film interessiert ist und Titel wie „Wie ein wilder Stier“ oder „Kap der Angst“ wahrscheinlich so wieso nicht einmal kennt, ohnehin nichts darauf geben würde, hauptsache, die Lacher stimmen.

Also darf man gleich zum Dessert kommen. Fockers Drei kostete 100 Millionen Dollar und war schon seit 2007 angekündigt. De Niro ist einer der Hauptproducer (= Hauptverdiener) der Reihe, also sollte man, wenn man überhaupt irgendwelche Ansprüche oder Hoffnungen an Filme wie diesen hegt, durchaus gedacht haben, dass man sich nach den eher durchwachsenen Kritiken zum zweiten Film endlich mehr Mühe geben würde. Von wegen. Warum auch, zuckt De Niro mit den Schultern, spielte der letzte Teil 2005 doch über 500 Millionen Dollar (!) ein. Kritiken braucht schließlich kein Mensch, bewiesen hat er doch längst alles und sein go-to-guy Scorsese arbeitet ja scheinbar eh nur noch mit dem „Aviator“ zusammen. Wie Bob der Presse selbst sagte, kommen die Leute doch schon alleine, wenn sie ihn und Stiller auf den Postern sehen, ganz gleich, was man draus gemacht hat. Bescheidene Floskeln oder die traurige Wahrheit? Was wird aus so einer gleichgültigen "Fock you!" Einstellung?

De Niro gibt einmal mehr den paranoiden Gallenspucker, der den anscheinend testikellosen Schwiegersohn am liebsten am nächsten Baum aufknöpfen würde. Obwohl sie eigentlich schon zweimal Frieden miteinander geschlossen hatten und als Familie zusammenkamen, sind sie hier schon wieder entzweit – natürlich, denn das ist ja der Hamster im Rad: ohne Konflikt keine Komödie. Einen liebenswerten Großvater und Happy Life will keiner sehen, siehe „Wall Street 2: Geld schläft nicht“, der sich nebenbei wenigstens noch um einen alternativen Plot kümmerte. Beim neuen Stiller/De Niro Treffen geht’s wieder nur um die selben ausgelatschten Maschen. Stiller tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste Missverständnis, wodurch Vater Byrnes schnell wieder auf Kriegsfuß mit ihm steht. Witze gibt es nur wenige, dafür sind es dieses Mal dann recht drastische. Da werden leidenschaftlich Einläufe verpasst, da wird ungeniert mit De Niros steifem Penis herumhantiert, sich angekotzt und der Thanksgiving-Truthahn schreiend mit Blut besudelt. Die Jackass-Variante von „Schöne Bescherung“.

Eine ernstzunehmende Handlung gab es schon vorher nicht, aber im ersten Film war es zumindest noch lustig zu sehen, wie Gaylord (welch ein Name) den seltsamen, aber nicht unrealistisch wirkenden Schwiegervater erzürnte und dann besänftigte. Im zweiten war es dann dasselbe, aber wenigstens kamen da noch Fockers Eltern hinzu (die nicht einmal ansatzweise so lustig waren, wie es die Produktion selbst meinte). Im dritten gibt es nur einen Neuzugang: Jessica Alba. So wie Jessica Biel in „Chuck & Larry“ darf sie bis auf ihre Unterwäsche strippen und Augenzucker sein, nur dass jener Film noch tatsächlich lustiger war. Als Charakter ist sie nichts als eine kleine Distraktion Fockers und nicht der Rede werde. Dustin Hoffman flamencot sich in der wohl undankbarsten Rolle seines Lebens durch nachträglich gedrehte Szenen, die nur peinlich sind (Hoffman, der mal sagte, er würde für genügend Geld auch einen Toaster spielen, kommt seinem Versprechen hier verdächtig nahe). Die Streisand wiederholt sich wieder als Sextherapeutin, ist dabei aber wieder so zurückhaltend, dass der Kontrast ihrer Offenheit kaum mit den eher strengen Ansichten der Byrnes kontrastieren. Wenn, dann muss ihre Wortwahl so explizit sein wie in „Closer“ und „Magnolia“, aber das gäbe dann ja Probleme mit der Freigabe. In weiteren Nebenrollen tauchen Harvey Keitel und Owen Wilson auf, die jedoch besser abgetaucht geblieben wären, da sie nichts dazu tun. Teri Polo, anfangs mal Augenweide Stillers und wichtige Figur des Erstlings, verkommt im Sequel zur Figur im Hintergrund. Sie ist da, weil sie nicht weg sein kann (wieso sonst sollte Byrnes mit Focker in Kontakt bleiben?), erfüllt ansonsten aber keinen Sinn und zeigt null Bindung zu ihrem Ehemann. Größere Leinwandpräsenz haben Stiller und Alba zusammen, die sich offensichtlich gut mögen. Wahrscheinlich war Polo nur da, weil das Catering dieser Filme für gewöhnlich toll ausfällt. Vor allem bei 100 Millionen Dollar Produktionen.

Und Stiller? Der gute Ben, der die großen Filme eigentlich mittlerweile satt hat und lieber in Filmen wie „Greenberg“ auffallen würde, wirkt müde. Er zeigt weniger Elan als sein älteres Gegenüber und macht den Eindruck, als sei er über möglichst wenige Takes pro Szene dankbar. Es schnell hinter sich zu bringen. Dass er 20 Millionen Dollar dafür bekommt, mit einer halbnackten Jessica Alba herumzuturteln und er all das sogar freiwillig annahm, sieht man nicht. Er wirkt genötigt, übermüdet.. aber vielleicht will er damit auch bloß zeigen, wie ausgetrunken die bereits zweifach kopierte Handlung des ersten Teils ist.

Fazit:
„Meine Frau, unsere Kinder und ich“ ist eine halbwegs okaye Familienkomödie, der jedoch mittlerweile keine wirklich guten Witze mehr einfallen. Demzufolge wird altes neu genutzt und krampfhaft mit Sex- und Ekelwitzen versucht, krass zu sein. Ein Film, der nur davon leben kann, dass einem Stiller und DeNiro sympathisch sind.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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