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Kritik:
Men in Black 3


von Christian Mester

MEN IN BLACK 3 (2012)
Regie: Barry Sonnenfeld
Cast: Will Smith, Josh Brolin

Story:
Kurz nachdem Alien-Schwerverbrecher Boris die Bestie (Jermaine Clement) aus seinem Mond-Gefängnis entkommen kann, verschwindet auf der Erde der griesgrämige alte Agent K (Tommy Lee Jones). Nicht nur körperlich - auch sonst will ihn keiner seiner Kollegen mehr kennen, denn laut Akten sei er bereits seit 40 Jahren nicht mehr am Leben. Sein Partner J (Will Smith) springt daraufhin kurzerhand in der Zeit zurück, um den jungen K (Josh Brolin) vor dem ebenfalls zeitreisenden Boris zu bewahren - der nebenbei selbstredend auch noch die Welt erobern will.

Kritik:
1997 war Men in Black eine der erfrischendsten Sci-Fi-Komödien: skurril, lustig, actionreich und mit kultverdächtigen Figuren beseelt. Nach dem Mega-Erfolg dann gemäß Edgars prägnanter Forderung nach "mehr" 2002 die erste Fortsetzung, die in vereinzelten Momenten ordentlich bespaßte, insgesamt aber merklich an Saft verloren hatte. Die Partnerschaft zwischen den Agents wirkte im zweiten Anlauf schon weniger lebhaft, die Bösewichtin Serleena banal und deutlich weniger bedrohlich als die als Mensch getarnte Riesenkakerlake, der ausgedehnte Plot um die Prinzessin vom anderen Stern fad. Das erschien trotz solidem Box Office dann anscheinend auch anderen so, da man die Men in Black anschließend frühpensionierte und allmählich in Vergessenheit geraten ließ. 2012 sind sie nun zurück, mit Ambitionen, denn mit einem Budget von 250 Millionen Dollar ist MIB 3 in 3D gar einer der teuersten Filme aller Zeiten geworden. Alle Blicke ruhen zudem auf Ex-Megastar Will Smith, der seit rund 3 Jahren nicht mehr im Kino zu sehen war und mit seinen letzten Action-Beiträgen Hancock und I Am Legend zwar Kassen, nicht aber die Herzen seiner Fans erfüllte (Popcorn-Klassiker wie Independence Day oder Men in Black 1 waren das nicht mehr). Umso bedauerlicher nun, dass sich auf lange Sicht auch Men in Black 3 in die Reihe zweitklassiger Smiths einreihen dürfte.

Dass es Unstimmigkeiten geben könnte, erahnt sich bereits in der Inhaltsangabe: J reist in der Zeit zurück, um auf den jungen K zu stoßen? Das konnte ja nur heißen, dass der Darsteller des alten K - Tommy Lee Jones - kein Enthusiasmus am neuen Projekt hatte. Dennoch hat man ihn im kleineren Umfang besetzt, was sich als Fehler erweist: müde, desinteressiert und offensichtlich gelangweilt nuschelt Jones sich durch seine Szenen, kaum in der Lage, Smith auch nur längere Blicke zu schenken. Selbst Nicht-Mimiker Steven Seagal zeigt in seinen tschechischen DVD-Produktionen für gewöhnlich mehr Einsatz und ehrlichere Spielfreude. Den Tag rettet sein Ersatz Josh Brolin, der den alten K zunächst beachtlich imitiert, jedoch leider nicht, da dieser schnell einen eigenen Charakter entwickelt. Obwohl Brolin es gut meint, verfehlt es an dieser Stelle das Script: der ernste, aber nette und zugänglichere junge K will gar nicht zum ebenfalls netten, wenn auch überdrehteren J passen, da ihnen auf einmal der Kontrast fehlt. Als Team sind sie weniger unterhaltsam als zuvor.

Als Gegner Boris hinterlässt Jermaine Clement mehr Eindruck als Serleena, erhält allerdings nicht genügend Szenen, um sich behaupten zu können. So ist er nur ein weiterer grimmiger Welteroberer, der hin und wieder auftaucht und mit grässlichen Alienkörperteilen herumfuchtelt, um daran zu erinnern, gegen wen es eigentlich zu kämpfen gilt. Fürchterlich ist Michael Stuhlbarg (A Serious Man) als Zeitreise-Guru, der als Mr. Exposition zuviel erklärt und damit nervt, ständig zu erzählen, wie denn die alternative Zukunft des aktuellen Moments wohl gewesen wäre. Bleibt Smith, der zu Zweidrittel gewohnte gute Laune stiftet und sich durchaus amüsant durch skurrile Sets schusselt; dabei als Figur zum einen jedoch unglaubwürdig wirkt, da er nach dreizehn Jahren Job nicht mehr grün hinter den Ohren sein dürfte, es aber noch immer genau so spielt, zum anderen mehrfach merklich aus seinem Rhythmus fällt. Manchmal überhampelt er und droht, in Kinderfilmklamauk überzugehen. Manchmal wirkt er, als parodiere er sich selbst.

Haltlos zu loben ist Rick Baker, der erneut fantastische Creature FX entwickelt und alle (gut gemachten) Monstrositäten im Film irrwitzig, abwechslungsreich und sehenswert inszeniert. Die übrige Arbeit am Film ist solide Kost ohne größere Auffälligkeiten oder stimmigen Momenten - Big Budget Blockbuster-Durchschnitt. Schnitt und Musik sind flott und dynamisch, Regie und Script auf Werksniveau. Schon die Eröffnungsszene veranschaulicht den gesamten restlichen Film: obwohl Boris sich durchkämpft, ist die Action klein und nebensächlich; obwohl er kalauert, halten sich die echten Lacher in Grenzen, Obwohl die Effekte vortrefflich sind, sind sie nur da, kommen kaum zum Einsatz. Auch verfehlt es MIB, in seiner Nostalgie zu baden; Frank, der Mops und die Ameisenaliens werden gezeigt, das MIB Hauptquartier erscheint im typischen Apple-Look: weiß, karg und rund; Agent Zed wird gar begraben, doch sämtliche Erwähnungen bleiben ohne Kraft. Ganz mau wird es gar, wenn auf den Observationsschirmen, auf denen die MIB versteckte Aliens auf der Erde beobachten, eine gewisse exzentrische Sängerin zu sehen ist. An den Prinzessinnen-Plot aus dem zweiten Film setzt eine Bestimmungsgeschichte an, die ähnlich mau und pathetisch erklärt, welche genaue Verbindung K zu J hat, und was eigentlich aus J's Vater wurde. Szenen, die unharmonisch platziert sind und nicht organisch zum Rest passen. Dass der Film mit unfertigem Drehbuch gefilmt wurde, fällt des Öfteren auf; so gibt es beispielsweise eine junge Variante (Alice Eve) einer späteren Chefin (Emma Thompson), mit der der junge K kurz flirtet - doch kleine Nebenplots wie dieser verlaufen ziellos im Sand. Hinsichtlich der Zeitreise-Bestimmungen darf man auch besser bloß keine Minute über eventuelle Logikprobleme sinnieren, da das Zeitreisen im Film keinerlei Sinn ergibt und in reiner Willkür angewandt wird.

Dass Men in Black 3 kostspielig war, lässt sich fraglos im Bild sehen, nicht aber in der 3D Technik - die erzielte Nachkonvertierung hat wie nahezu alle Nachkonvertierungen, abgesehen von Spezialausnahmen wie Titanic, nur wenig Tiefenwirkung, auch Pop-Ups gibt es nur wenige.

Fazit:
Sonnenfeld geht nicht weit genug in der Zeit zurück und liefert einen zwar gut gemachten und kurzweiligen Sci-Fi-Comedyspaß, der allerdings ähnliche Macken wie Teil 2 von 2002 aufweist. Die Erinnerungen an den besseren Ersten vermag er nicht zu neuralisieren und so ist es wieder nur ein Aufguss, kein Film, der solo für sich stehend eine eigene Reihe eröffnen könnte.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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