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Kritik:
Michael Kohlhaas


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

Michael Kohlhaas
(2013)
Regisseur: Arnaud des Pallières
Cast: Mads Mikkelsen, Bruno Ganz, Paul Bartel, Mélusine Mayance, David Bennent, David Kross, Denis Lavant, Sergi López, Amira Casar, Roxane Duran, Swann Arlaud, Stefano Cassetti

Story:
Michael Kohlhaas (Mikkelsen) ist ein ehrlicher und angesehener Rosshändler im 16. Jahrhundert. Zusammen mit seiner Frau Judith (Delphine Chuillot) und seiner Tochter Lisbeth (Mayance) führt er ein glückliches Leben auf dem familieneigenen Bauernhof. Auf dem Weg zum nächsten Markt wird Kohlhaas eines Tages an der Grenze aufgehalten. Ohne rechtliche Grundlage wird ein Passier-schein von ihm gefordert, den der ahnungslose Händler natürlich nicht mit sich hat. Um die Grenze dennoch passieren zu können, hinterlässt Kohlhaas zwei gesunde und stattliche Rappen als Pfand.

Doch als er Tage nach Ende des Markts seine Tiere wieder abholen möchte, befinden die sich in einem fürchterlichen und kränklichen Zustand. Kohlhaas verlangt es nach Wiedergutmachung und als seine Klage bei Gericht keinen Erfolg zeigt und seine Frau bei einem Gerechtigkeitsgesuch bei der Prinzessin tödlich verletzt wird, schwört Michael Kohlhaas blutige Rache. Mit wenigen Getreuen begibt er sich auf einen unerbittlichen Feldzug gegen die ungerechte Obrigkeit.

Kritik:
Viele Abiturienten mussten sich mal mit Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ beschäftigen, dem bekanntesten Wutbürger der deutschen Literaturgeschichte. Nun läuft eine neue Verfilmung in den deutschen Kinos. Frei nach der Novelle spielt sie in Frankreich und der Skandinavier Mads Mikkelsen mimt den titelgebenden (Anti-) Helden.

„Michael Kohlhaas“ bietet natürlich perfekten Filmstoff. Der normale Bürger, der sich am Staat zu rächen versucht und ab einem gewissen Punkt nicht vor Gewalt zurückschreckt und am Ende doch Recht bekommt, aber auch mit den Konsequenzen seines Handelns konfrontiert wird. Schon fünf andere Verfilmungen gab es bisher. Die bekannteste ist wohl Volker Schlöndorffs Adaption, die pünktlich zur 68er-Bewegung 1969 in die Kinos kam. Die vorletzte kam auch erst dieses Jahr ins Kino, „Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“, wobei es da aber mehr oder weniger um einen Film im Film ging, indem ein Filmteam versucht die Novelle in einem bayrischen Dorf zu verfilmen und plötzlich ohne Geld da steht und daraufhin versucht, mit kleinsten Mitteln das Projekt zu realisieren. Hier nun handelt es sich um eine sehr freie Verfilmung des Stoffes. Ob gelungen oder nicht, ist dabei sehr schwer festzulegen.

Dass der Film nicht in Deutschland spielt, ist mehr oder weniger zu akzeptieren. Kleist hat ja auch damals keine deutsche Geschichte erzählen wollen, sondern es geht mehr um u.a. solche Themen wie Gerechtigkeit, Selbstjustiz etc.. Universelle Themen also, die genauso hier wie in Frankreich funktionieren und Geltung haben. Allgemein hat Regisseur Arnaud des Pallières besonders das politische Geflecht sehr entschlackt und vereinfacht dargestellt, was aber dem ganzen erstmal keinen Abbruch tut. Probleme ergeben sich eher dadurch, wie er die nun sehr vereinfachte Handlung präsentiert. Da wäre zum einen sein sehr sprunghafter Schnitt. Er schneidet oft ziemlich hart und auch mal größere Zeitspannen, was man nicht so erwartet. Oft kann man sich als Zuschauer erst wieder nach ein paar Minuten in einer neuen Szenen orientieren und diese zeitlich und inhaltlich einordnen. Das mag kein negativer Aspekt sein, zwingt er einen doch sich Szene für Szene aufs neue zu konzentrieren und mit dem Inhalt zu beschäftigen, doch gerade durch diese Sprunghaftigkeit, verliert Arnaud des Pallières eigentlich schon ziemlich früh die Sympathien und vor allem das Verständnis der Zuschauer gegenüber Kohlhaas. Durch das Fehlen des ganzen bürokratischen Durcheinanders und der Vetternwirtschaft mit der Kohlhaas in der Novelle zu kämpfen hat, scheint sein Schritt zur Gewalt im Film eher weniger nachvollziehbar zu sein und auch viel zu schnell als einzige Möglichkeit übrig zu bleiben.

Neben diesem Schnitt, wählt Arnaud des Pallières aber auch einen sehr eigenen Weg für die Inszenierung und Präsentation des Ganzen. Er vermeidet jegliche Hektik oder Aufregung in seiner Geschichte. Noch nie waren Szenen des Kampfes so ruhig und unterkühlt. Kommt dann noch die Filmmusik dazu, mag der ein oder andere vielleicht an Nicolas Winding Refns „Walhalla Rising“, ebenfalls mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle, denken, da es Arnaud des Pallières auch teilweise schafft, eine Sogwirkung seiner Bilder zu entfalten und oft auf längere Dialoge verzichtet. Leider verpufft dieser Effekt aber mit fortlaufender Laufzeit immer mehr. Hier stolpert er dann ein wenig über seine eigene Inszenierung. Mikkelsens Kohlhaas wirkt lange gegenüber dem Zuschauer sehr passiv und belanglos, nur durch die Präsenz Mikkelsen, wird die Figur nicht abgestempelt. Er rettet hier merklich viel, denn wie bereits erwähnt kommt es von Anfang an so rüber, dass er immer den Kampf Mann zu Mann dem Gesetz vorziehen würde und eigentlich nicht der pflichtbewusste und gesetztes-treue Bürger ist, der erst wenn alle Dämme reißen zum Schwert greifen würde.   

Mads Mikkelsen ist ein Segen für Arnaud des Pallières. Locker trägt er den Film und hat keine Probleme mit seiner wortkargen Figur in einer wortkargen Welt. Anders sieht es da bei David Kross aus, der einen befreundeten Prediger spielt. Kross hat manchmal sichtlich Probleme die Stille mitzuspielen und die Worte mit Bedacht auszusprechen. Mag vielleicht auch an der Sprachbarriere gelegen haben (der Film wurde schließlich auf Französisch gedreht) und im Laufe des Films fängt er sich, aber er hat eben auch das unglückliche Los, nur Szenen mit Mikkelsen zu haben und da würden wohl viele Schauspieler den Kürzeren ziehen. Bruno Ganz hat eher die hie kleinere Rolle des Gouverneurs. Er wird nur sehr stiefmütterlich behandelt, hat dabei auch wichtige Szenen und ist Teil einer der wichtigsten Szenen überhaupt, vermag aber auch da keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es ist und bleibt eine Mikkelsen-Show.

Fazit:
Langsame, verkopfte Adaption des bekannten Stoffs von Heinrich von Kleist. Kann man nicht wirklich als vollkommen gelungen bezeichnen, doch sie schlecht abzustempeln, wäre völlig falsch. Wer Interesse an dem Stoff hat und eine gute Ladung Geduld parat, sollte gerne mal einen Blick auf den Film werfen. Arnaud des Pallières Inszenierungsstil ist zu eigen und lahm um eine größere Masse oder eine neue Generation für den Stoff zu begeistern, doch vermag zumindest fast eine Stunde lang zu faszinieren.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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