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Kritik:
Mission Impossible: 

Phantom Protokoll


von Christian Mester

MISSION IMPOSSIBLE: GHOST PROTOCOL (2011)
Regie: Brad Bird
Cast: Tom Cruise, Jeremy Renner, Paula Patton, Simon Pegg

Story:
Agent Ethan Hunt trifft in Russland auf alte und neue Bekannte vom IMF. Ein Auftrag führt sie in den Kreml, wo sich plötzlich ein Anschlag ereignet. Russland sucht die Schuld bei amerikanischen Spionageaktionen und IMF wird durch das US „Phantom Protokoll“ stillgelegt. Hunt und sein Team sind auf sich gestellt und kommen dahinter, dass ein Mann den nuklearen Weltkrieg auszulösen plant. Ihre unmögliche Mission führt das IMF Team quer über den Globus.

Kritik:
Rund anderthalb Jahre ist es her, dass Tom Cruise das letzte Mal in einem Actionfilm zu sehen war. In Knight & Day, seiner Action-Komödie über einen vermeintlich verrückten Geheimagenten, ging es zuletzt im Sommer 2010 turbulent zur Sache. Wie in fast jedem seiner Filme zeigte Cruise als Darsteller vollsten Einsatz, doch blieb das Einspielergebnis weit hinter den Erwartungen zurück. Weil daraufhin vermutet wurde, dass man Cruise offensichtlich nur in ernsten Actionfilmen sehen wollte, bot man ihm zunächst den Agentenfilm Salt an. Cruise aber lehnte ab und entschied, lieber seine bisherige Agentenreihe fortzusetzen. Während Salt für Angelina Jolie umgeschrieben wurde, suchte Cruise sich ein neues Team zusammen. Aus dem dritten Teil holte er sich den Briten Simon Pegg (Shaun of the Dead) zurück, der hier eine größere Rolle einnehmen sollte. Hinzu kamen Shooting-Star Jeremy Renner (The Hurt Locker), Tom Wilkinson, Michael Nyqvist aus der Verblendung-Trilogie und Paula Patton aus dem Horrorfilm Mirrors. Für die Regie wählte er Brad Bird von Pixar, der zuvor Die Unglaublichen und Ratatouille gedreht hatte. Die Trailer sahen fraglos gut aus, doch jetzt im Dezember droht Cruise fraglos große Konkurrenz. Der neue Sherlock Holmes startet nur eine Woche später. Kann sein Neuer dem sicheren Hit die Stirn bieten und zudem die Zahlen von Knight & Day überbieten?

Schon die Anfangsminuten machen klar, dass dieser Mission: Impossible ein neues Kapitel ist. Hunt befindet sich in einem russischen Gefängnis und lässt sich von Peggs Hacker Benji die Türen öffnen. Anstatt jedoch brav Benjis Plan zu befolgen, dreht Hunt um und will zu einer Meute von Mördern und Vergewaltigern. Benji sagt frech „Nö“ und weigert sich inständig, Hunts lebensmüden Irrsinn nachzukommen. Erst als Hunt ihm Prügel androht, gehen die Türen auf. Eine völlig neue Tonart, die sich so durch den gesamten Film zieht. Als Hunt bleibt Cruise nach wie vor ein ernster Vollprofi, doch dieses Mal ist er mit weit weniger Glück gesegnet. Futuristische Hightech-Gadgets geben im Einsatz ihren Dienst auf. Feindliche Wachen agieren anderes als geplant, Informanten tauchen zu früh auf und waghalsige Sprünge sind plötzlich viel zu hoch. Der Film wird zwar nie albern, lässt aber unentwegt schmunzeln, da Hunt einen neuen Erzfeind hat: Murphys Gesetz. Was schief gehen kann, geht schief. Das führt zu vielen lustigen, wiederum auch zu spannenden Momenten. Im 120sten Stock des Burj Khalifa aus dem Fenster zu klettern ist eine Sache, aber eine umso packendere, funktioniert die Ausrüstung dafür nicht, oder nur manchmal. Oder kommt ausgerechnet dann ein Sandsturm auf.

Trotz des Fokus auf guter Laune hat Bird den eigentlichen Kern der Reihe nicht vergessen. Trotz Spaß und Action liegt das Hauptaugenmerk weiterhin auf der Spionagearbeit. Was Fans der Vorlage „Kobra, übernehmen Sie“ gefallen wird: stärker noch als im dritten geht es hier um Teamwork. Waren die ersten beiden Filme fast reine Soloauftritte für Cruise, steht er hier nicht mehr primär im Mittelpunkt. Cruise brilliert zwar einmal mehr als vollends glaubwürdiger Extremsportler, doch die anderen sind dieses Mal ebenso wichtig. Simon Pegg spielt den lustigen Benji, der erst seit kurzem im Außeneinsatz arbeitet und Hunt vergöttert. Er ist jedoch nicht bloß Witzfigur, sondern spürbar nervös, da es für ihn die erste große Mission ist. Kollegin Jane (Paula Patton) ist attraktiv, darf aber mehr sein als nur gut auszusehen. Sie bekommt die emotionale Mitte des Films, da ihr Freund erschossen wurde und sie nun auf Rache sinnt. Übrig bleibt Brandt (Jeremy Renner), der als undurchsichtiger Neuzugang ein Risiko darstellt. Bis zu einer entscheidenden Szene weiß man nicht, auf welcher Seite er steht. Für Hunt reichlich zu tun, denn er muss somit auf Benji aufpassen, Jane bei Vernunft und Brandt im Auge halten. 

Murphys Gesetz ist ein amüsanter Gegner, doch leider sind es die menschlichen nur eingeschränkt. Nyqvist, der einen ähnlichen Bösen 2011 schon in Atemlos – Tödliche Wahrheit gab, bekommt zu wenige Szenen. Er läuft davon, brüllt Befehle ins Funkgerät und sieht grimmig drein, ist aber zu unterpräsent. Nach einer langen, phänomenalen Sequenz in Dubai fällt auch das Finale mit ihm überraschend schwach aus. Für sich ist stehend es eine gute Actionszene, doch sie ist kleiner als viele davor und unvorteilhaft gesetzt. In Teil 3 kämpfte Hunt gegen einen älteren Mann mit Plauze, hatte da aber eine Bombe im Kopf. Hendricks sieht im neuen ähnlich gemütlich aus, verdrischt den fitten Hunt aber scheinbar mit Leichtigkeit (dass Cruise nur zwei Jahre jünger ist als Nyqvist, sieht man ihm nicht an). Fragwürdig ist auch, wieso in den Eröffnungstiteln bereits Szenen des ganzen späteren Films gezeigt werden. Nur halb gelungen ist es, Hunts Hochzeit vom Ende des dritten Teils aufzugreifen. Filmisch gibt es nichts zu bemängeln. Wie schon die ersten drei Teile ist auch dieser vortrefflich gemacht. Die Action ist sauber und übersichtlich eingefangen, Sets und Effekte sind gelungen. Rätselhaft ist, dass Teil 4 keinen eigenen visuellen Stil hat. Die ersten drei Filme von Brian De Palma, John Woo und JJ Abrams sehen jeweils unterschiedlich aus, 4 aber genau so wie der von Abrams. Es ist ein gutes Realfilm-Debüt für Bird, aber eins, das noch keine Handschrift erkennen lässt. Wer sich anhand der Vorschauen übrigens Hip-Hop oder andere auf jung getrimmte Musikelemente erwartet, irrt. Auch wenn Cruise auf dem Poster wie Eminem auf dem Weg zur 8 Mile aussehen mag und dieser im Trailer rappte, setzt Bird lieber auf klassische Filmmusik.

Fazit:
Auftrag erfüllt - auch der vierte Mission: Impossible ist ein hervorragender Actionfilm geworden. Tom Cruise zeigt sich wieder einmal in Bestform und liefert genau das, was man sich erwünscht: neue unmögliche Einbruchssequenzen, Spionage mit modernster Hightech und gut gemachte Action. Teil 4 übertrifft den dritten dabei in jeder Hinsicht und überrascht im gewählten Ton. Waren die ersten drei Teile fast ausschließlich ernst, will der neue hauptsächlich Spaß machen. Gelingt ihm gut.

8,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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