BG Kritik:

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1 + 2


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!



The Hunger Games: Mockingjay Part 1 + 2 (USA 2014/15)
Regisseur: Francis Lawrence
Cast: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Julianne Moore, Philip Seymour Hoffman, Donald Sutherland

Story:
Um Panem von der Diktatur durch Präsident Snow zu befreien, muss Katniss als Spotttölpel/Mockingjay die zwölf Distrikte einen, um die Revolution zu erzwingen. Doch das Kapitol wehrt sich bis zum Schluss.

Als sie bei einem Schritt ein Knacken hört, blickt Katniss auf ihren Fuß herab und entdeckt, als sie diesen zur Seite bewegt, den Totenschädel eines Opfers im Napalmangriff, den das Kapitol über Distrikt 12 niederließ. Und aus diesem Stoff will manch windiger Financier einen Vergnügungspark machen.

Ein Hunger Games Freizeitpark ist tatsächlich in Planung.


Eines muss man der „Panem“ Reihe lassen; in dieser zuweilen lästigen Ära der so genannten Young Adult Filmadaptionen, mit ihren zumeist frustrierend mittelmäßigen Filmergebnissen, wühlt niemand so gerne und ausgelassen in meterdickem Leid, Tod und Elend. Das abschließende Doppelkapitel des in Buchform dreiteiligen Revolutionsthrillers, der als Sci-Fi Survivaldrama begann, inszeniert einen Freiheitskampf als finsteres Massensterben in 3D und serviert dazu fröhlich Popcorn. Dass überhaupt ein großer Hollywoodfilm einen Vergleich mit einem so monströsen Konzept wie Japans „Battle Royale“ (in kurz: Kinder töten Kinder) herbeiführt, war schon beim ersten Teil erstaunlicher als die Ähnlichkeiten störend waren. „Mockingjay“ und insbesondere dessen zweiter Teil verlegen das Morden der Hungerspiel-Arena in die zwölf Distrikte und die Straßen des Kapitols. „Panem“ ist ein explizit politisches Gesamtwerk, zumindest in der Hinsicht, dass die Filme wie wild mit Symbolen, Phrasen und aufdringlichen Denkanstößen herumwerfen. Revolution! Propaganda! Tyrannenmord! Dazwischen die üblichen Elemente eines jeden YA-Werkes; ein Liebesdreieck, eine junge Heldin als letzte Hoffnung, ein dystopisches Weltenszenario, politische Intrigen, Kriegstraumata, Gehirnwäsche und, ähm, Massenexekutionen? In Panem tobt ein blutiger Bürgerkrieg und es sind nicht erst die zeitgenössischen Parallelen der realen Welt, die dieses Science-Fiction Szenario erschreckender wirken lassen als die Weltuntergangsvorstellungen sonstiger Blockbuster.

Die brutale Ernsthaftigkeit von „Mockingjay“ führt jedoch das fort, was die Vorgänger begannen: das politische Gepose. Die unheilschwangere Bedeutsamkeit, die sich die Filme als schmucke Robe anlegen, als wären sie zum Kapitoldinner mit Effie Trinket eingeladen, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Zumindest schleppt das Finale ein Ungleichgewicht aus Aufwand und Nutzen mit sich, so dass aus Ernsthaftigkeit oft lähmende Schwere wird. Denn letztendlich ist es noch immer Hollywood und seit dem ersten Film hat sich das Budget – und damit die finanzielle Erwartungshaltung der Studios und Produzenten – fast verdreifacht. Mit aller Macht quetscht Regisseur Francis Lawrence drastische, aber auch arg offensichtliche Aussagen und „Messages“ in seinen Film, betont in jedem einzelnen Moment, um wie viel es hier doch geht. Auf der Bildebene lässt er reihenweise Menschen sterben und Jennifer Lawrence große Augen machen. Da bleiben insbesondere in der ersten Hälfte von „Mockingjay“ Spaß und Unterhaltung auf der Strecke. Dass „Teil 1“ zudem noch die Handlungsarmut und Episodenhaftigkeit ertragen muss, die für solche ersten Hälften eines zum Zweiteiler deformierten Kapitels fast unvermeidbar ist, macht die Sache nicht einfacher. So hat dann aber „Teil 2“ Zeit genug, sein agitatorisches Muskelspiel doppelt und dreifach zu wiederholen und zu einem dramaturgisch schlecht ausbalancierten Chaos zu werden, in dem schlicht zu viel passiert.

Die Szenen unter den Straßen des Kapitols wurden in Berlin gedreht.


Jeder Dialog, der sich nicht um das Liebesleben von Katniss Everdeen dreht (und selbst da häufig genug) hat eine interessante Idee, die plump und mit wenig Pfiff präsentiert wird und an die im entscheidenden Moment erneut erinnert wird, damit uns auch ja kein cleverer Gedanke entwischt. Immerhin gibt es hier aber clevere Gedanken; tatsächlich ist die Gefahrenlage in den „Panem“ Filmen und in „Mockingjay“ im Speziellen nicht ohne Wirkung. Obwohl nahezu jede zwischenmenschliche Beziehung komplett vergeigt (Gale, Prim) oder unterentwickelt (Peeta, Haymitch) bleibt, verfehlt insbesondere der wesentlich agilere, weil inhaltlich zum Bersten volle „Teil 2“ nicht seine Wirkung. Momente rund um ein Bürgerkriegslazarett sind beschämenswert distanziert und unbeteiligt abgehakt, doch das ist nicht immer so. Die Denkanstöße, mögen sie noch so plump, polemisch und oberflächlich sein, finden tatsächlich immer mal wieder ihr Ziel. Und wie die leidvolle Eskalation um Präsident Snow schließlich aufgelöst wird ist so wunderbar ambivalent und in seiner Uneindeutigkeit spannend, dass es den meisten übrigen YA-Filmen (oder vielen Comicverfilmungen) die Schamesröte in die Wangen treiben sollte. Gepose hin oder her, aber die wenigsten Revolutionsactiondramen, deren Hauptzielgruppe überwiegend junge (und nicht zuletzt weibliche) Teenager ausmacht, entlassen uns mit einem solch widerborstigen Endpunkt zurück in die Realität.

Schade nur, dass Francis Lawrence und seine Drehbuchschreiber das Potential ihres Mediums nicht auskosten. Die Bücher, durch die Katniss als stetig widerwillige und unentschlossene Ich-Erzählerin führt, klingen bereits so, als hätte es Autorin Suzanne Collins nur auf eine Filmadaption abgesehen. Bei all dem Gerede um Propaganda, um die Macht von Symbolen und Menschen als Verkörperung einer abstrakten Idee, als träfe hier Christopher Nolans Batman auf „Starship Troopers“, sind die „Panem“ Filme visuell erschreckend bieder. Lawrence, der nach Gary Ross ab „Catching Fire“ hinter der Kamera saß, verhalf der Reihe zwar zu visueller Klarheit und einer passend überhöhten Quasi-Eleganz, doch obwohl wir aktiv sehen, wie Katniss Everdeen vor einer Computerwand aufrührerische Reden schwingen soll, um die Bewohner von Panem zum Putsch gegen Präsident Snow zu bewegen, bleibt der Film in seiner Bildsprache bescheiden. Das Werbematerial und dabei insbesondere die Poster, zwischen Riefenstahl-Ästhetik und Kommunismus-Chique, waren darin wesentlich erfolgreicher. Verkörperung dieser verpassten Chance ist „Game of Thrones“ Darstellerin Natalie Dormer, die als Propo-Regisseurin an Katniss‘ Seite weilt, um im Revolutionskampf die besten Bilder abzugreifen. Nicht nur bekommt Dormer quasi nichts zu tun, sowohl verbal als auch in ihren Bildern bekommen wir durch sie nur denselben tristen Ausschnitt serviert. Am besten funktioniert da fast der erfreulich geduldig ausformulierte Epilog, dessen Farbdramaturgie so auffällig und ungewöhnlich ist, dass er sich gut in eine Filmreihe einfügt, die nach Höhen und Tiefen zumindest thematisch mutig zu einem Ende kommt.

Fazit:

Wie nicht anders zu erwarten trägt der Mockingjay Zweiteiler die Spuren seiner erzwungenen Teilung und zeigt insgesamt mehr Bemühen als zählbaren Erfolg. Doch die „Panem“ Reihe setzt sich mit ihrer hin und wieder plumpen Ernsthaftigkeit oft genug positiv über so manch anderen Franchise hinweg. Dafür drei von fünf Fingern in die Luft gestreckt.

#1: 5 / 10
#2: 6 / 10

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