BG Kritik:

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1


von Daniel Schmitt

The Hunger Games: Mockingjay Part 1 (USA 2014)
Regisseur: Francis Lawrence
Cast: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth

Story:
Katniss hat die Arenenkämpfe ein für alle mal beendet und flüchtet, nach der Zerstörung ihrer Heimat, nach Distrikt 13. Die Revolution beginnt und sie ist ihr Symbol, so wie der gefangene Peeta das Aushängeschild des verhassten Systems wird. Ein Propagandakrieg entbrennt.

Jennifer Lawrence greift erneut zum Bogen und zielt dieses Mal direkt auf Donald Sutherland. Fraglich ist nur, ob sie dabei einen Volltreffer landet oder es ein Schuss in den Ofen wird.

Der letzte Teil startet am 19. November 2015.


„Mockingjay Teil 1" schließt direkt an die Ereignisse von „Catching Fire“ an. Katniss (Jennifer Lawrence) ist traumatisiert, verletzt und erholt sich in Distrikt 13. Dieser ist keineswegs vernichtet worden, sondern hat sich selbst unter die Erde verlegt. Der Plan der Revolution, angeführt von President Coin (Julianne Moore) ist simpel. Sie möchte einen Propagandakrieg um die Herzen der Bewohner der anderen Distrikte führen und braucht dazu Katniss, denn diese versteht es unbewusst wie keine andere, die Massen zu bewegen. Sie wollen sie inszenieren, doch diese weigert sich. Peeta (Josh Hutcherson) wurde in der Arena zurück gelassen, was sie nur schwer erträgt und erst als sie sieht, wie Präsident Snow (Donald Sutherland) Peeta als Symbol für das verhasste System des Kapitols übernimmt, entschließt sich Katniss zu helfen.

Zuerst einmal, wer hier einen Actionfilm erwartet, wird enttäuscht. Der erste "Mockingjay" bricht dem bisherigen Verlauf der Hunger Games Reihe. Die Spiele sind eindeutig vorbei, ab jetzt herrscht Krieg - aber mit der Kamera und nicht der Knarre. Ein Propagandakrieg entbrennt. Katniss erwacht in Distrikt 13, welches kein Nuclear Winter Wonder Land ist, sondern ein hochorganisierter Untergrundkomplex. Hier beginnt es interessant zu werden, denn für gewöhnlich springen Filme mit einer Revolutionsthematik sofort in die Schlacht. Hier benötigen die Menschen aus Distrikt 13 aber zuerst die Herzen der Menschen aus den anderen Distrikten. Wir sind gleich, wir sind motiviert, gemeinsam sind wir stark und kämpfen für die Freiheit. Die grau in braun gestaltete Unterwelt von Distrikt 13 hat sich gänzlich der Revolution verschrieben. Alles ist auf Effizienz getrimmt. Strenge Kleiderordnung herrscht, es gibt keinen Alkohol, jeder hat einen Job. Insgesamt erinnert es an einen sozialistischen Staat der Einfachheit. Diese simple Art der Dinge scheint aus der Not entstanden zu sein, jedoch sind die Parallelen eindeutig. Aber auf noch eine Art hebt sich der Film hervor. Beide Seiten nennen das Kind beim Namen. Sie betreiben Propaganda. Sowohl das Kapitol, wie auch Distrikt 13 inszenieren ihre Schaufiguren und biegen dabei Fakten zurecht. Wie Plutarch (Philip Seymour Hoffman) es schon sagt. Wenn man die hohen Werte anstrebt, muss man sie manchmal etwas beugen.

Mit knapp über zwei Stunden der bisher kürzeste "Panem" Film.


Leider hört der Film hier aber auch schon auf besonders zu sein und geht dann noch 90 Minuten. Erst ist Katniss bereit zu helfen, dann ist sie es wieder nicht. Sie ist schockiert, sie ist motiviert, sie ist es wieder nicht. Zwar spielt Jennifer Lawrence ihre Rolle angemessen und überzeugend aber ihre Charakterentwicklung dreht sich mehrmals im Kreis. Auch die Neuzugänge wie Cressida (Natalie Dormer) oder Julianne Moore spielen ihre Rollen gut, aber wo nicht viel vorhanden ist, kann man auch nicht viel falsch machen. Auch das mittlerweile breite Sammelsurium an Nebendarstellern wie Liam Hemsworth, Woody Harrelson oder Elizabeth Banks erhalten zwar ihre kurzen Auftritte und kleinen Momente, aber insgesamt fühlt sich der gesamte Film mit all seinen Längen wie ein Wartezimmer an. Warten auf die Entwicklung des Plots, warten auf die eigentliche Revolution oder warten auf den Abspann, denn ab der Mitte des Films ist endgültig die Luft raus. Zwar war die Propagandaschlacht und die dadurch entstandenen Folgen interessant mitanzusehen, aber eigentlich verlaufen sie sehr generisch und wirken schlichtweg kitschig. Auch das angepeilte Liebesdreieck zwischen Katniss, Peeta und Gale geht gänzlich unter und funktioniert überhaupt nicht, was vielleicht auch an dem Fehlen jeglicher Chemie zwischen den Darstellern liegt.

Das war ein Schuss in den Ofen. Dabei ist der Plot eigentlich nicht schlecht, er wird nur vollkommen falsch erzählt. „Mockingjay Teil 1“ ist so kein vollständiger Film. Die Geschehnisse hätte man wunderbar und fesselnd in einer Stunde erzählen können aber die Teilung in zwei Filme haben dem ersten Teil jegliche Spannung geraubt und unterminierte jegliches vorhandenes Potential. Man wartet auf etwas, das nicht kommt und selbst das dramatische Ende ist so langsam und vorhersehbar, dass man lieber auf die Uhr schaut, als auf die Leinwand.

Fazit:

Der Bogen wurde überspannt. Und zwar so sehr, dass die Sehne gerissen ist und in den Finger geschnitten hat. Nach einer annehmbaren ersten Hälfte verwandelt sich der dritte Teil der Hunger Games Reihe in eine langweilige, langatmige, langsame und vorhersehbare Einöde. „Mockingjay Teil 1" ist der schlechteste Teil der Reihe, obwohl er eine durchaus sehenswerte Grundidee bietet. Leider weiß er sie nicht zu inszenieren. Der einzige Lichtblick ist Jennifer Lawrences gewohnt gute Performance. Insgesamt kann man den Film aber getrost auslassen.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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