BG Kritik:

Money Monster


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Money Monster (US 2016)
Regisseur: Jodie Foster
Cast: George Clooney, Julia Roberts, Jack O`Connell, Dominic West, Giancarlo Esposito

Story: TV-Moderator Lee Gates (George Clooney) bekommt in seiner showlastigen Finanzsendung Money Monster Besuch von einem Überraschungsgast, und der hat eine Sprengstoffweste mit Totmannschalter und eine Schusswaffe dabei, um seinem Auftritt in der Live-Sendung den nötigen Nachdruck zu verleihen. Von Jodie Foster in (überwiegend) Echtzeit inszeniert.

Hochkarätige Darsteller in spannender Finanzsatire?

Fosters erste neue Regie seit 5 Jahren


Nachdem ihre letzte Kino Regiearbeit, die Tragikomödie Der Bieber - in dem Mel Gibson mit einer Bieber-Handpuppe sprach und diverse Probleme zu bewältigen hatte - nicht den sicherlich gewünschten Erfolg bei Publikum und Kritikern fand, wählte Jodie Foster für ihr Money Monster ein deutlich zugängigeres, und auch näher am Puls der Zeit einzuordnendes Thema. Eines, welches in jüngerer Vergangenheit des Kinos bereits u.a. Der große Crash – Margin Call und zuletzt der letztjährige The Big Short für sich vereinnahmten. Banker, Investmentbanken und geldgierige Wirtschaftsmagnaten, die mit ihren für den Durchschnittsbürger unsichtbaren Machenschaften in der Finanzwelt, dem kleinen Mann sein sauer verdientes Erspartes aus der Tasche ziehen. So sieht das zumindest Kleinanleger Kyle Budwell (Jack O'Connell aus Angelina Jolies Unbroken), welcher sich betrogen fühlt und eine zufriedenstellende Antwort sucht, weshalb seine in Ibis Clear Capital Aktien investierten Ersparnisse alle verloren sind. Und nicht nur seine, ganze 800 Millionen verschwanden wortwörtlich über Nacht, als Folge eines Computerfehlers, wie es von offizieller Seite heißt. Also bewaffnet sich der Mann und dringt in das Fernsehstudio der Finanz- und Börsenfernsehsendung Money Monster ein und nimmt dessen Moderator Lee Gates sowie die anwesenden Verantwortlichen hinter den Kulissen der Show als Geisel. Schließlich wurde die Aktie dem Kleinanleger von dort aus ans Herz gelegt und wärmstens empfohlen. Weshalb er die Show wohl als greifbares verantwortliches Mittel, und Weg seine Situation in die Welt hinaus zu tragen, ansieht.

Logischerweise bleibt die Polizei nicht lange fern und umstellt das Studiogebäude. Inszenatorisch erinnert das Geschehen dabei recht deutlich an Spike Lees Inside Man - in dem Jodie Foster ja interessanterweise seinerzeit mitgespielt hat - sowie einer Prise aus F. Gary Grays Verhandlungssache. Wie schon dort wechselt die Szenerie auch hier stetig zwischen einer Geiselnahme im Inneren eines Gebäudes und der Polizei vor den Türen, während im Laufe der Handlung immer mehr aufgedeckt wird. Die Parallelen zu speziell Inside Man sind teilweise frappierend, allerdings verschafft Jodie Foster ihrem Money Monster nicht dessen spielerisch wirkende Leichtigkeit. Sie versucht es eher mit den dramatischeren Tönen, allerdings ohne dabei humorlos zu sein. Speziell anfangs gibt es einige humorvolle Momente, die das Paket durchaus abzurunden vermögen, und auch im späteren Verlauf streut Foster den einen oder anderen potenziellen Schmunzler und gar einige satirische Momente ein. Auch zeigt Foster sehr schön, dass der völlige finanzielle Zusammenbruch der Welt des Geiselnehmers Kyle Budwell für den CEO der Firma offenbar nicht mal ein persönliches Statement wert ist. Denn Walt Camby (Dominic West) jettet weiterhin mittels zweiter Firmenjets irgendwo über der Welt herum, und schickt stattdessen lieber seine Pressesprecherin Diane Lester (Caitriona Balfe aus er Serie Outlander, hier mal dauerhaft angezogen) vor, welche mit Stichworten wie Algorithmus und Synonymen von Panne wie Glitch und Computerfehler um sich wirft. Alles, was Geiselnehmer Kyle Budwell eben nicht mehr hören kann, und auf Antworten drängt. Weshalb es eben zu jener Geiselnahme kommt.

Der Film heißt seine Taten hierbei nicht deutlich gut, verteufelt sie aber auch nicht. Es erscheint eher wie eine bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbare Panik und Kurzschlussreaktion eines Mannes aus der Arbeiterklasse, der sich schlichtweg nicht anders zu helfen weiß, um sich Gehör zu verschaffen und hierfür auch die Konsequenzen zu tragen bereit scheint.

Julia Roberts und George Clooney arbeiten hier zum vierten Mal zusammen


Schauspielerisch gibt sich Money Monster kaum eine Blöße und so brilliert an vorderster Front George Clooney als Showman, der offenkundig an einer bombastischen und überlebensgroßen Persönlichkeit leidet. Ein dauergrinsender TV-Clown und Lebemann der sich selbst und seine Show zelebriert, und für die wirkungsvolle Inszenierung schon mal den einen oder anderen Kostümwechsel, Tanzeinlagen mit Showgirls und per Hot Button aktivierte und eingespielte Videos nutzt, um seinen Börsentipps den entsprechenden Pfiff zu verpassen. Wie schon in Jason Reitmans Up in the Air - in dem Clooney es schaffte, seiner Figur, die beruflich den ganzen Tag Leute feuert, einen sympathischen Kern zu verpassen - gelingt es ihm auch hier, den arroganten, selbstverliebten Selbstdarsteller nicht zum Hassobjekt werden zu lassen. Das hätten vermutlich nicht viele so gekonnt geschafft. Immer in seinem Ohr, seine Regisseurin Patty Fenn (Julia Roberts), welche er allerdings regelmäßig ignoriert und lieber improvisiert, anstatt am Skript des Senders zu kleben. Roberts macht das Beste aus ihrer doch recht eingeschränkten Rolle im Schnittraum und im Ohr von Clooney, und dient vielerorts als emotionaler Anker für die Figur des Gates. Roberts einfühlsames Spiel und Interaktion mit Clooney ist es, die seiner Figur mehr Menschlichkeit und Tiefe verleiht. Anders Geiselnehmer Jack O`Connell. Denn dieser schafft es leider nicht vollends, einen überzeugenden Jedermann aus der Arbeiterklasse zu vermitteln und zum greifbaren Anker des Publikums zu werden und zu jenem eine emotionale Verbundenheit herzustellen. Empathie und Sympathie für den ach so verzweifelten Täter bleiben also eher auf der Strecke und liegen eher bei den Geiseln. Das erscheint ausreichend und ist vielleicht gar so gewollt, aber so kümmert es auch kaum, ob der Jedermann seinen Krieg gegen die Wirtschaftsmächtigen siegreich beendet.

Die Machenschaften des Kapitalismus werden ein wenig angeprangert und dem kleinen Mann wird kurzzeitig eine Stimme geben. Das war es aber auch, denn viel weiter wagt sich das Money Monster nicht vor, und statt auf final durchgezogener Systemkritik, ist der Film deutlich mehr auf Unterhaltungslastigkeit ausgelegt worden. Das ist auch gar nicht schlimm, denn wenn ein Film als gute Unterhaltung konzipiert, ein aktuelles Thema für sich zu nutzen weiß, dann kann das völlig ausreichen. Hier sollte man nur nichts anderes erwarten, als einen massentauglichen Film, der sich kaum aus seiner Komfortzone heraus bewegt. Denn das größte Problem bei der Sache dürfte sicherlich die Vorhersehbarkeit des Plots sein, denn sobald mit dem Beginn der Geiselnahme Punkt A des Films erreicht wurde, geht es relativ geradlinig und schnörkellos zu auf Punkt Z, den Abspann. Das ist äußerst schade und die weitere Entwicklung der Story nach der Übernahme des Studios, bis zur finalen Enthüllung hätte ruhig kreativer sein dürfen. So wie hier, scheint man das bereits von früher und anderswo her zu kennen. Hinzu kommt das absolut unrealistisch erscheinende Aufdecken der Fakten. Wie wenn in der Live-Sendung des Films – welcher wie angemerkt in Echtzeit abläuft und dabei nur kurzweilige 95 Minuten läuft – mit der Dekonstruktion des Falles und mit dem Aufdecken von Unstimmigkeiten begonnen wird. Ja, spätestens dann wird es abenteuerlich unglaubwürdig. Was nicht gerade förderlich erscheint, wenn man mit diesem Fall des verzweifelten Jedermanns aus einem realen Leben mitfühlen und - zumindest bis zu einem gewissen Punkt seiner Taten - sympathisieren soll. Sehr gekonnt und angenehm gelingt Jodie Foster dann noch die Integration von Twitter, Online-Shows und Sozialen Medien, was noch mehr den Eindruck einer aktuellen Geschichte vermittelt und den Echtzeit-Thriller zusätzlich aufwertet. Auch die Schnelllebigkeit und das Vergessen von gestern noch brisanten Storys, werden wunderbar veranschaulicht. Etwas, was ironischerweise auch auf Fosters Money Monster zutrifft, welcher wohl auch eher früher als später mehrheitlich in Vergessenheit geraten sein dürfte.

Fazit:

Jodie Fosters Money Monster ist ein kurzweiliger Thriller mit einer Portion Satire der Kategorie "ganz ok spannend", und dabei sehr auf bekannten Pfaden wandelnd und recht vorhersehbar aufgezogen. Allerdings mit einem sehr gutem George Clooney ausgestattet und ausreichend unterhaltsam für einen Sonntagabend oder dergleichen. Die Money Monster Aktie eignet sich also eher weniger für langfristig planende Anleger, und erscheint eher für eine kurzweilige Rendite und Unterhaltung geeignet.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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