BG Kritik:

Monsieur Claude und seine Töchter


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu? (FR 2014)
Regisseur: Philippe de Chauveron
Cast: Christian Clavier, Chantal Lauby

Story: Für Patriarch Claude ist der Familientrubel im eigenen Stammbaum kulturell schon mehr als bunt genug. Drei seiner vier Töchter sind mit einem Araber, einem Juden und einem Chinesen verheiratet. Als die letzte ihren Verlobten von der Elfenbeinküste vorstellt, droht das Elternhaus schließlich auseinander zu brechen.

Der in Deutschland beinahe erfolgreichste Film des Jahres.

Besser wäre gewesen Monsieur Jean Claude und seine Tochter


Weltweit und in den USA in keiner Rangliste zu finden, ragt “Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?” in unserer deutschen Liste der erfolgreichsten Filme des Jahres wie ein Eiffelturm hervor. Das französische Kino war zwar schon so einige Male in der deutschen Jahresliste zu finden, insbesondere 2012 mit dem 10 Milliöner Ziemlich beste Freunde, doch es fällt schließlich positiv auf, wenn zwischen all den US und DE Produktionen endlich auch mal andere Länder cineastisch vertreten sind und Beachtung finden können. Wäre es in diesem Fall doch nur ein besserer Film.

„Monsieur Claude und seine Töchter“ ist eine einsilbige Komödie, die ihren kompletten Humor aus kulturellen Differenzen, Vorurteilen und latentem Rassismus zu ziehen versucht. Kuchengabel des ganzen sind kleine und größere Konflikte, die sich aus den unterschiedlichen Ansichten der Schwiegersöhne ergeben. Vater Claude, gespielt vom ehemaligen Asterix Christian Clavier, ist spießig katholisch und kriegt schon Hörner, als einer seiner Schwiegersöhne seinen Enkel beschneiden lassen will. Die zoffen sich untereinander, arbeiten dann aber erstmalig zusammen, um den problematischen, weil schwarzen vierten Schwiegersohn rauszuekeln. Der ist supernett, überaus höflich und katholisch, aber mit seiner Hautfarbe ein zu störender Farbklecks im Familienportrait.

Nein nein nein nein.


Vater Claude trifft dann ruckzuck auf seinen Spiegel, denn der Vater des Elfenbeinküstlers ist sein Ebenbild. Stur, traditionsverbunden und ein klein wenig rassistisch veranlagt, wird die Planung der kommenden Hochzeit zum Spießrutenlauf, da keiner nachgeben will und jeder für den anderen unmögliche Vorstellungen hat. Selbstredend finden die beiden Väter bald gleichen Boden aufgrund gleich hoher Intoleranzen und auch der neue Schwiegersohn wird zur Traumhochzeit noch final akzeptiert, aber Regisseur Philippe de Chauveron lässt ein beunruhigendes Bild zurück. An keiner Stelle wird je deutlich veräußert oder dirigiert, dass Hautfarbe, Religion oder Herkunft egal sein sollten, dass es immer auf den eigentlichen Charakter eines Menschen ankommt. Was jeder Rassist im Film macht, ist seinen Konflikt mit einem anderen irgendwann mit einem brummenden Schulterzucken hinzunehmen.

Das hätte als extreme Farce, als Satire oder Karikatur funktionieren können, doch so übertrieben wird der Film nie. Das Familienbild wird nie beschämend dargestellt, und behält einen realistisch-heiteren Ton. Nur manchmal wird gezwungener Humorschwall eingeschmissen, etwa wenn der Familienhund die Vorhaut des Kindes verschluckt oder Daddy versehentlich das Selbstportrait der depressiven Tochter zerstört. Lustig ist das nicht, und belebt den Film auch nicht.

Menschlichkeit fehlt dem Film. Die beiden rassistischen Väter bekommen keinen Denkzettel zur Erleuchtung, die Schwiegersöhne raufen sich nach etwas Zoff bloß unglücklich zusammen, die Töchter, die im Filmtitel genannt werden, werden nie wichtig. Eine mag depressiv sein, wird aber ignoriert und als Spinnerin abgetan. Die nächste ist die hübsche, sorgenvolle letzte unverheiratete, die anderen zwei sind gleichgültig. Im letzten Teil wird noch völlig unpassender Konflikt entfacht, da Monsieur Claude für zehn Minuten die Idee kommt, seine Frau aus heiterem Himmel zu verlassen, doch passen will das überhaupt nicht. Letztlich ist es ein Film geworden, der einem die Hutkrempe hochgehen lassen kann. Hier haben wir eine reichlich rassistische, reiche Familie aus Bänkern, Notaren und Ärzten, die sich auf ihrem Nobelanwesen über Hautfarben pikieren und Witze reißen, dass Chinesen kleine Genitalien haben und Juden geldgierig sind. Da ist keine Herzlichkeit, Vergebung wird nie nötig, da keiner seinen Rassismus als solchen und als negativ erkennt, und wenn dann süffisant teurer Kuchen gemampft wird, ist klar, dass sich kein Charakter zum Besseren entwickelt hat, oder dass der Regisseur irgendeine Message hätte außer vielleicht, dass Rassismus natürlich, gewöhnlich und gar nicht so schlimm ist. Dass man sich als Opfer halt nicht so anstellen soll. Das ist keine Hochzeit, auf die irgendwer eingeladen werden wollen würde.

Fazit:

Unlustiger, moralisch fragwürdiger Familienklamauk, der in der deutschen Fassung untragbar ist. Vielleicht ist der Witz im Französischen satirischer, derber und das Familienbild dadurch distanzierter betrachtbar, aber als heitere Hochzeitskomödie ist Claudes Familientohuwabohu zum Scheiden schlecht.

1 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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