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Kritik:
MONSTERS


von Christian Mester

MONSTERS (2010)
Regie: Gareth Edwards
Cast: Scoot McNairy, Whitney Able

Story:
Nachdem eine Raumkapsel mit gesammelten Proben fremder Planetenoberflächen in Mexiko abstürzt, entwickelt sich in der Nähe der Absturzstelle außerirdisches Leben. Gigantische Monster tauchen auf, die fortan von der amerikanischen und mexikanischen Armee gejagt werden. Gemeinsam versuchen die beiden Regierungen, eine Ausbreitung der unerwünschten Besucher einzudämmen. Hindurch kämpfen muss sich ein Photojournalist namens Andrew (Scoot McNairy), der die verletzte Tochter (Whitney Able) seines Arbeitgebers zurück in die Staaten bringen soll...

Kritik:
Wer in der Weihnachtszeit ins Kino geht, der erwartet in der Regel das übliche Programm: lustige Familienkomödien und Event-Filme von der Größe eines "Herr der Ringe". Mit Ben Stillers neuen Duell mit Film-Schwiegervater Robert DeNiro ("Meine Braut, ihr Vater und ich") und dem dritten Teil der farbenfrohen "Chroniken von Narnia" Saga ist der Anteil dessen nun bereits gedeckt, doch wie in jedem Jahr gibt es auch in diesem Jahr interessante Randprojekte, die manch einer vielleicht übersieht.

Mit "Monsters" und "Skyline" laufen gleich zwei Effektfilme im Dezember an, die der typischen Weihnachtskost trotzen wollen. Beides sind kleine Independent-Projekte, in denen gewaltige Aliens flächendeckend die Erde angreifen, und das, obwohl die Macher verglichen mit thematisch ähnlichen Hollywood-Produktionen wie "Alvin and th... Moment, "Independence Day" nur relativ wenig Geld zur Verfügung hatten. Während der später kommende US-Film "Skyline" von den Machern von "Aliens vs. Predator 2: Requiem" (nicht jugendfrei!) zumindest 10 Millionen Dollar Budget zusammen bekommen konnte, versucht es der britische "Monsters" jetzt mit gerade einmal 500.000 Dollar. Und FSK 12. Ob der Herausforderer mit seinen geringeren Mitteln gut vorlegen kann?

"Monsters" ist trotz des Titels und der angedeuteten Invasionshandlung kein gewöhnlicher Horror- oder Actionfilm. Die Aliens sind zwar gefährlich und liefern sich harte Kämpfe mit der Army, doch der junge Regisseur des Films interessiert sich nicht für typische Genremomente. Bleihaltige Kämpfe gegen die Eindringlinge oder plötzliche Attacken sind kurz und ohne größeres Spektakel inszeniert (Frust für jeden, der sich bei "Krieg der Welten" aufregte, dass Spielberg nicht hinter den Hügel blicken ließ), echter Grusel oder Aufregung bleiben außen vor (keine solch spukigen Tentakeltakeleien wie in "The Mist - Der Nebel"). Das spielt aber auch keine Rolle, da sich Macher Gareth Edwards insgeheim lieber für seine beiden Hauptfiguren und ihre aufblühenden Liebe zueinander interessiert.

Eine turbulente Romanze im Terrain der Tentakel?

Auch das wäre sicherlich eine falsche Beschreibung, da die aufkommende Beziehung der beiden zwar im Vordergrund steht, aufgrund der Umstände aber sehr unüblich ausfällt. Im Gegensatz zu typischen Jennifer-Aniston-Romanzen ist die Stimmung in "Monsters" eher melancholisch und still angelegt. Die Hauptfiguren reden nur wenig miteinander und finden auch nur schwerlich zueinander, da sie beide persönliche Probleme mit sich herum tragen. Er sorgt sich um sein entfremdetes Kind, sie steht eigentlich kurz vor einer Hochzeit. Die Auswirkungen der Monsterepidemie in Form ständiger Militärpräsenz und verwüsteter Umgebungen schlägt ebenfalls auf ihre Stimmung, sodass sie beide still und verhalten bleiben. Einzig die atemberaubende Naturkulisse sorgt für beruhigende Umgebungsbilder.

Als Beziehungsdrama fällt "Monsters" wirkungsvoll aus, da die beiden Hauptdarsteller sehr überzeugen und gut zueinander passen – dass ihre Zuneigung authentisch ist, fällt spätestens dann auf, erfährt man, dass sie auch im wahren Leben ein Paar sind. Aufgrund der Stille und der Melancholie des Ganzen erinnert es ein wenig an Sofia Coppolas "Lost in Translation", wobei "Monsters" leider nicht mit einem Bill Murray Kaliber aufwarten kann. Weitere Darsteller gibt es nicht, da der Rest der Darsteller aus Komparsen und Einheimischen bestehen, die als unwichtige Nebenfiguren im Hintergrund agieren. Darüber hinaus versucht sich Edwards teilweise an sozialkritischen Motiven. So wird kritisiert, dass Zeitungen nur die Fotos gut bezahlen, die Tentakel Leid und Elend darstellen, es wird Angst vor möglichen Epidemien in Erste-Welt-Ländern gemacht und wenn dann noch ausgerechnet zwischen Amerika und Mexiko harte Grenzschutzmaßnahmen aufkommen um die ansteckenden und gefährlichen "Ausländer" aus dem Weltall fernzuhalten, spricht es Bände. Ähnliches gab es erst neulich in der schwarzhumorigen Action-Klamotte "Machete" zu sehen - hier wird es ernster verarbeitet.

Dafür, dass der Film nur das gekostet hat, was in Nicolas Cage Filmen schon für das Catering berechnet wird, ist "Monsters" für Indie-Filmerverhältnisse eine Wucht. Einen Großteil der tollen Optik verdankt Edwards der Wahl der Drehorte: die Sümpfe und Dschungellandschaften Puerto Ricos und Mexikos schaffen einen außerweltlichen, geheimnisvollen Eindruck. Untermalt wird dies von einem hervorragenden Soundtrack, der in erster Linie als Ambientkulisse wirkt und die gelassene Verlorenheit und emotionale Unsicherheit der Charaktere unterstützt. Beeindruckend ist Edwards Effektarbeit: die meisten der Kreaturen hat der junge Regisseur, der zuvor professioneller Effektdesigner war, an seinem heimischen PC erstellt.

Da die Kreaturen nur selten vorkommen und meistens in der Nacht angreifen, gibt es nicht viele Effektszenen zu sehen, doch die, die es gibt sind überzeugend umgesetzt. Ein Vorbild für viele andere Produktionen: so galten schon "District 9" und "Cloverfield" als Schnäppchenprojekte, doch auch diese kosteten noch wesentlich mehr als "Monsters". Jetzt darf der zwanzig Mal so teure "Skyline" erstmal beweisen, Besseres abzuliefern.

Fazit:
"Monsters" sieht toll aus, doch fehlende Action- und Horrorelemente dürfte alle die enttäuschen, die sich einen neuen "Cloverfield" oder "District 9" erwarten (wobei das hier nicht wertend gemeint ist) - dann wartet man auf "Battle: Los Angeles", "Super 8" und "Battleship", die knalliger, actionreicher und "unterhaltsamer" werden. Wer damit klar kommt, dass "Monsters" in erster Linie ein Beziehungs-drama ist, wird mit stimmiger Atmosphäre belohnt. Dass er nur einen Bruchteil der Konkurrenz gekostet hat, sieht man übrigens nicht; eine beachtliche Leistung für ein so kleines Projekt.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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