Kritik:
Haben Sie das von den Morgans gehört?
von
Christian Mester
DID YOU HEAR
ABOUT THE MORGANS?
(2010)
Regie: Marc Lawrence
Cast: Sarah Jessica Parker, Hugh Grant
Story:
Als ein Anwalt (Hugh Grant) und seine Frau (Sarah
Jessica Parker) in New York zufällig Zeugen eines
Mordes werden, verlegt man sie per
Zeugenschutzprogramm ins verschlafene Wyoming. Dort
angekommen, kontrastieren die zuvor getrennt
lebenden Großstädter (da er sie kurz zuvor betrogen
hatte) mit
der wilden Natur und finden romantisch wieder
zueinander...
Kritik:
Wer meint, ein Film wie
dieser habe es in Kritiken schon aus Prinzip immer
schwer, irrt sicherlich. "Haben Sie das von den
Morgans gehört?" gehört zwar zum berüchtigten Typus seichter Romcom, das muss aber nicht automatisch heißen, dass
ein solcher Film direkt schlecht ist. Nehmen wir Hugh
Grant, der schon stapelweise nette Genrebeiträge
gemacht hat: "Notting Hill", "About a Boy", "Bridget
Jones", "Mickey Blue Eyes", "Vier Hochzeiten und ein
Todesfall" oder "Mitten ins Herz - Ein Song für
dich" sind allesamt in Ordnung und problemlos für
manche Stunden zu empfehlen, Manche davon sind etwas
sehr kitschig geraten, die Stories immer
ersichtlich, aber es sind im Grunde immer solide
Romanzen, die gute Laune machen und vor allem durch
passenden Musikeinsatz zum Kuscheln mit der Liebsten
anregen.
Sarah Jessica Parker und Hugh Grant
sind in ihrem gemeinsamen neuen
Streifen grauenhaft. Grau-en-haft.
Parker war ja schon meistens eher
schlecht in ihren Filmen, ist hier
aber am unteren Ende der kurzen
Fahnenstange ihres Talents
angelangt. Uninspiriert spielt sie
eine schwache Kopie ihrer Carrie
Bradshaw, eine City-Frau, die sich
darüber wundert, dass Pullover
tatsächlich auch mal 10 statt 100
und 1000 Dollar kosten können. Die
Prämisse bot ihr eigentlich einiges
mehr: als betrogene Ehefrau könnte
sie emotionale Probleme damit haben,
durch diese Sache wieder mit ihrem
Mann zusammengeschweißt zu werden.
Als Städterin könnte sie ihren Unmut
über die Natur zur Schau stellen,
als Zielscheibe für einen Killer
könnte Angst da sein, Angst, da es
eine ernste Angelegenheit ist.
Stattdessen fühlt sie sich
unbeteiligt auf, als sitze sie im
Wartezimmer ihrer Pediküre.
Gelangweilt eiert sie durch ihre
Szenen, leiert selbst emotional
gedachte Dialoge emotionslos
herunter und akklimatisiert sich
erstaunlich (und damit wenig
unterhaltsam) schnell an ihre neue
Umgebung.
Der sonst immer bessere Grant hat da
selbst nichts zu lachen, da er
ebenfalls nie schlechter war. Er
fährt sich zwar öfters
gedankenverloren durch die Haare
(Frauen lieben seine Haare möglichst
unordentlich) und faselt irgendetwas
von Verzeihung und wie sehr er seine
Frau doch liebe, aber es ist stets
unüberzeugend und ebenso unbemüht.
Man kauft den beiden nicht ab, dass
sie sich wirklich lieben, auch wenn
sie eigentlich gut zueinander
passen, da sie beide langweilig und
nicht allzu helle sind. Letzterer
Punkt soll das ganze humorvoll
machen, doch ihre fahrlässige Art,
unachtsam auf sich aufmerksam zu
machen (damit der Killer sie finden
kann) lässt sie ungeheuer blöde
erscheinen, und das nicht auf
charismatisch chaotische Goldie
Hawn-Art. Die wenigen Gags des Films
sind alle vorhersehbar, da sie immer
lange vorher angekündigt werden - so
wird x-mal auf ein mögliches Treffen
mit einem Bären hingewiesen, bis,
surprise, dann auch mal einer hinter
Grant auftaucht. Die Späße sind rar
gesät und lahm, Romantik gibt es
keine und das absehbare
Killertreffen am Ende wird
spannungsarm heruntertelegrafiert. Es
ist so lahm, dass man sich bald
wünschen könne, "The American"
George Clooney tauche auf und mache
dem Elend ein Ende.
Und sonst? Sam Elliotts
majestätischer Schnurrbart sticht
zwar ein paar Mal ins Bild, aber da
bleibt nichts dran hängen. Es gibt
einen kleinen fast netten Nebenplot
mit Grants Assistenten die sich
ineinander verlieben, jedoch
bekommen die beiden, die wesentlich
amüsanter als die Hauptfiguren sind,
nur wenige, zu wenige Momente.
Regietechnisch ist Lawrences Film
Werksarbeit unterster Schublade -
möglichst charakterlos gehalten,
dazu ein lahmer Soundtrack.
Fazit:

1 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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