BG Kritik:

Die Mumie


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

The Mummy (US 2017)
Regisseur: Alex Kurtzman
Cast: Tom Cruise, Sofia Boutella

Story: Als der Söldner und männliche Tomb Raider Nick Morton die Grabkammer der legendären ägyptischen Kriegerin Ahmanet findet, ahnt er nicht, dass der staubige Fund sein Leben verändern soll. Vor allem, als Ahmanet plötzlich wieder lebendig wird und die Welt erobern will…

Der erste von vermutlich keinen weiteren.

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Es war schon überaus überraschend, als Universal, die ihre klassischen Filmmonster Dracula, Frankensteins Kreatur, den Fischmenschen, den Wolfsmenschen, den Unsichtbaren und eben die Mumie ohnehin schon länger mal neu auflegen wollten (wir erinnern uns: The Wolfman mit Benicio del Toro und Dracula Untold mit Luke Evans waren beides bereits Versuche, spielten dem Studio aber jeweils zu wenig ein) ausgerechnet Tom Cruise für die Hauptrolle besetzte.

Cruise ist der letzte große Filmstar, und jeder seiner Filme wird fraglos zum Cruise Film. Was meist sehenswert wird, da Cruise irre unterhaltsam sein kann. Dementsprechend ist es seltsam, dass der neue Die Mumie mal so gar nicht auf Mavericks gewohnte Coolness zugeschnitten ist. Gut, nicht jede seiner Filmcharaktere kann wie Ethan Hunt mit knochenbrechenden Stunts haushalten, doch die Rolle des naiven Tölpels Morton, der hier mehr oder weniger zufällig ins Abenteuer gerät und für besagte Mumie unverzichtbar wird, will nicht zum bekannten Cruise passen. Das ist auch schon das erste große Problem des Films, denn es wirkt, als wollte man Brendan Frasers Figur aus dem großartigen 1999er Abenteuerfilm imitieren, nur, dass die Skarabäen hier nahezu kaum was an Humor vorfinden. Cruise ist es, der hier zwischen den Mullbinden gefangen bleibt. Versagte er in Jack Reacher 2 aufgrund der zu engen Regie, muss er sich hier einem mauen Drehbuch geschlagen geben, das offensichtlich eher einen Endzwanziger im Sinn hatte - und Humor hätte erlauben müssen.

Obwohl es lang und breit im Vorfeld versprochen worden war, hat man sich dann doch nicht getraut, den Reboot als echten Horrorfilm aufzuziehen - geschweige denn als ruhiges Horror-Mystery-Charakterdrama, das damals mit Boris Karloff Geschichte schrieb. Was sich aus dem Sand erhebt, ist ein durchweg actionbetonter, sehr seichter Popcorn-Film fern jeglicher Atmosphäre, der sich mit seinem fehlenden Spaß pyramidal waghalsig auf drei andere Aspekte stützt: Story, Effekte, Regie. In Sachen Handlung liefert Kurtzman, der aufgrund von Transformers 1-2, The Amazing Spider-Man 2 und Star Trek 11-12 jahrelang einer der bestbezahltesten (und am heftigsten kritisierten) Drehbuchautoren war zwar wenig Dummes, allerdings auch wenig Originelles ab, mit einem 0815 drohenden Weltuntergangsszenario, das Dank Spannungsirrelevanz kaum Aufmerksamkeit verlangt. Cruise rennt, schwimmt, ballert und rast vor einer Effekte schleudernden Sofia Boutella davon, deren Geschlecht jedoch unkommentiert bleibt, deren Getose visuell nichts Visionäres offeriert. Mit Cruise und einem Start im Juni will man dickes Sommerkino sein, doch dafür erblasst man schon tricktechnisch gegen Nazi-Bumblebee, Spider-Boy und Wonderfrau.

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Die 90er Mumie verschrieb sich ganz der Wüstenfarbe Gelb und kam mit tollen prächtigen Sets daher; der Wolfman zelebrierte ein großartiges altes England mit stimmigen Nebelbänken, in denen sich Sherlock Holmes, Jack the Ripper und die Piraten aus The Fog wohlgefühlt hätten, und selbst das Dracula Prequel hinterließ gute Farbklekse im kargen Transsilvanien. Der neue Mumie hingegen darf zu den hässlicheren Blockbustern der letzten Zeit gezählt werden, mit einer elendig matschbraun-gerümpelgrauen Farbpalette, mit der Kurtzman nichtmal ansatzweise bobrossen kann. Der kürzlich erschienende Alien: Covenant malte zwar mit recht vergleichbaren Farbeimern, doch wenn man die zwei vergleicht, ist Covenant ein künstlerisch studierwürdiges Meisterwerk, Kurtzmans Mumie ein generisches Produkt Marke RIPD, Duell der Magier oder The Last Witch Hunter.

Über Miss Boutella lässt sich leider nicht viel sagen. Aus der dialogarmen, schlecht geschriebenen Rolle macht sie das bestmögliche, doch weder bekommt sie je ordentlich Präsenz, noch kann sie die Körperlichkeit ihres Tänzerinnenbackgrounds einbringen, wie in Star Trek Beyond und Kingsman zuvor. Arnold Vosloo ist also schmerzlich vermisst; selbst Jet Li, der ausschließlich untertitelt sprach. Einziger Lichtblick ist Russell Crowe als Dr Jekyll, der ohnehin jeden seiner Filme aufwertet und Cruise hier kurz als Teamleiter/älterer Mentor (obwohl jünger als Cruise!) von Prodigium darauf aufmerksam macht, dass es Pläne für ein Shared Universe gibt. Das passiert ähnlich plump wie in Batman v Superman: Dawn of Justice. Anstatt den Film direkt inhaltlich darauf vorzubereiten, dass es Vernetzungen zu anderen berühmten Wesen geben wird – oder aber, den Film zu einem offensichtlichen Standalone-Abenteuer von Cruises oder Crowes Figur zu machen – erscheinen die Verbindungen hier wie ein separater, wenig eleganter später Einschub ins Script. Crowe macht nichts wirklich Interessantes, und natürlich fällt auch seine erwartbare Verwandlung in Mr Hyde kreativ witzlos aus (Van Helsing mit Hugh Jackman und Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen rollen derb mit den Augen), doch zumindest schwingt mit ihm etwas potenzielle Vorfreude mit, dass vielleicht ein anderer als Kurtzman aus zukünftigen Filmen dieser Reihe etwas mehr herausbalsamieren kann.

Wenn es überhaupt zu einer Reihe kommen sollte, die bereits großkotzig mit gefühlten 17 Filmen angekündigt ist. Fakt ist, dass die Dark Universe Reihe nun leider flach beginnt. Mit geringen Erwartungen ist diese neu ausgebuddelte Mumie ein passabler Film für zwischendurch, doch als Nachfolge der Fraser Filme – die alle drei (!) so viel besser sind – als Nachfolge des anständigen Duos The Wolfman und Dracula Untold, als Nachfolger der berühmten Hammer Nachproduktionen, und generell als Nachfolge der zurecht ikonischen Universal Monsterfilme der 30er und 40er ist die Cruise Mumie eine deutliche Enttäuschung. Für Cruise, für Universal, für uns.

Fazit:

Was Kurtzman aus dem Sand geholt hat, hätte so besser verbuddelt bleiben sollen. Ein Cruise Actioner mit schwach geschriebener Hauptrolle, banaler Action und mäßigen Effekten, der leider kaum Vorfreude auf weitere Farben dieses Shared Universes macht. Wird filmhistorisch schnell mumifiziert und so schnell nicht wieder hervorgeholt werden.

3 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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