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Kritik:
Die drei Musketiere


von Christian Mester

THE THREE MUSKETEERS (2011)
Regie: Paul W.S. Anderson
Cast: Logan Lerman, Milla Jovovich, Christoph Waltz

Story:
Frankreich, 1625. Der Bauernsohn D'artagnan (Logan Lerman) verlässt seine Heimat, um in Paris einer der berühmten Musketiere zu werden. Jener verwegener Kriegerschaft, die einst im Dienste des Königs standen und gemeinsam große Heldentaten vollbrachten. Deren galante Zeiten sind jedoch vorbei - es gibt nur noch drei der ihren, und ihr amtierender Auftraggeber, König Louis, ist ein naiver Teenager mit fatalen Fashionproblemen. Regiert wird das Land insgeheim vom kühnen Kardinal Richelieu (Christoph Waltz), der seine untätigen alten Widersacher fast vergessen hat.

Als eine listige Diebin (Milla Jovovich) allerdings eines Tages für große Querulanz sorgt, indem sie dem arroganten Kardinal die Armeen des britischen Lord Buckinghams (Orlando Bloom) auf den klerischen Leib hetzen will, liegt es an D'artagnan und der alten Garde, Frankreich vor dem Untergang zu bewahren...

Kritik:
Als Paul W.S. Anderson grinsend verkündete, mit seiner Frau Milla Jovovich eine Neuauflage des alten Alexandre Dumás Klassikers inszenieren zu wollen, durfte man sich zurecht fragend an der Hutkrempe kratzen. Der Mann, der bisher einen Horrorfilm (Event Horizon) und sonst ausschließlich Actionstoff (Mortal Kombat, Death Race, Resident Evil, Starforce Soldier) gemacht hatte, wollte also plötzlich einen opulenten Kostümfilm mit Korsetts und Ballsälen drehen. Ein Thema, das Genrekollegen nicht umsonst wie die Pest zu meiden wissen. Wie sollte sein genialer Take demnach aussehen, der ihn so begeisterte, dass er alles andere Geplante auf Eis legte? Wie Der Mann in der eisernen Maske mit Leonardo DiCaprio? Wie die alte 90er Verfilmung mit Kiefer Sutherland? Wie Roland Emmerichs kommendes Kostümdrama Anonymous?

Amüsanterweise genau so, wie man es höchstwahrscheinlich unlängst bescherzt hatte: mit hanebüchenen Hightech-Gadgets, massiver Zerstörung, aufgesetztem Coolness-Schneid und einem Style, der meinen lässt, Anderson habe die Rechte an der Assassin's Creed Spielereihe nicht bekommen und nun was ähnliches fabriziert. Der erste Trailer zur deutschen Produktion (der Film ist dem dt., vor kurzem verstorbenen Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger gewidmet) erwirkte jedoch zunächst keinen guten Ersteindruck: Milla Jovovich in zahllosen Zeitlupenszenen, immense Explosionen und endlose 3D-Gimmickszenen drohten einen Barock-Versatz des letzten Andersons, des grottigen Resident Evil Teil 4: Afterlife, der bis auf 1A-3D-Technik, einige wenige Money Shots und angenehmen Soundtrack kompletter Schuss in den Ofen bedeutete: langatmig, schlecht geskriptet, flach gedreht. Ein selbes Schicksal für die fechtenden Husaren?

Andersons 3D Musketiere machen es einem zu Beginn wahrlich nicht leicht, sie gern zu haben, denn in einer überdrehten Actionsequenz in Venedig, die einem mäßige CGI-Fontäne, eine käsige Reminiszenz an eine der Resident Evil Szenen, Orlando Blooms ungeheuer testosteron-offensive Frisur und dann auch noch Till Schweiger in einem Cameo vorsetzen, ist man sich fast ertappt, den Saal umgehend verlassen zu wollen. Kopfschüttelnd, erbost, entsetzt. Anderson erdolchend, oder ihm zumindest den umgehenden Duellier-Handschuh ins Gesicht pfeffern wollend. 1 1/2 Ritter auf der Suche nach den mangelhaften Musketieren?

Kommt Zeit, kommt Gewohnheit, denn Andersons Film baut eine sehr unübliche, zuweilen sehr alberne Gangart auf, die man erst einmal verdauen muss. Während der Film in vielerlei Hinsicht versucht, den schelmischen Zorro/Robin Hood/Jack Sparrow Slapstick-Humor zu fahren, was ihm teilweise miss-, dann gelingt, schafft man es, die Epoche der Korsetts und Rüschen gewitzt auf' Korn zu nehmen, ohne es zu verspoofen. So wird sich ein Heidenspaß daraus gemacht, dass der junge König Louis ein naiver Bursche ist, der sich mehr für eine anmutende Adelskleidung als für die wichtige Politik seines Landes interessiert; der Prunk der Reichen wird belächelt, ebenso mit subtiler Abfälligkeit, die Inkompetenz der Kirche. Ob es nun die alten Musketiere, die Diebin oder auch Richelieu sind - jeder von ihnen betrachtet sich und sein Dasein unverblümt als selbstironischen Bullshit, der in der Musketiere-Welt immer wieder auf ernste Elemente stößt. So will Richelieus einäugiger Handlanger (amüsant: einäugig war Mads Mikkelsen bereits im knallharten Walhalla Rising und in seiner Star-Rolle als LeChiffre in Casino Royale) eiskalt D'artagnans Tod, während dieser hingegen wagemutig ein aufregendes Abenteuer erleben will und nicht darauf achtet, was um ihn herum gekaspert wird.

Irreführend im Trailer war die Überpräsenz von Resident Evil Leading Lady Milla Jovovich, die zwar auch hier wieder als akrobatisches Faustweib auftritt (übrigens: besagte Lasergitter-Szene aus den Resident Evil Filmen wird, wie in den Resident Evil Filmen, hier gleich mehrfach wieder in Erinnerung geholt (hier sind es Selbstschussanlagen und tödliche Klaviersaiten)), insgesamt aber eine nur kleine Rolle einnimmt; Jovovich ist wie immer überzeugend und solide, überlässt aber wie Bloom, der ebenfalls nur kurz vorkommt, die meisten Szenen den Helden und Neu-Hollywood-Liebling Christoph Waltz. Die Helden, gespielt von 'Percy Jackson' Logan Lerman, 'Punisher' Ray Stevenson, Matthew MacFayden und Luke Evans sind amüsant und toll gewählt, haben offensichtlichen Fun an ihrem Tun, während Waltz entgegen möglicher Erwartungen keinen rein bösen Bösen abgibt- wie sein Blutnofsky aus The Green Hornet ist er ein eher dudehafter, legerer Bösewicht, der sich in diesem Fall lieber verschelmt den Bart krault, als zur Waffe zu greifen.

Womit man auch nicht rechnen mag - Anderson scheint Jason Stathams Motto "Gebt mir eure 10 Euro und ich garantiere euch, ich f#### eine Explosion während Slayer läuft, damit sich garantiert niemand langweilt" verfolgt zu haben, denn Kurzweil ist der Kern: obwohl es Polit-Komplotte, Verschwörungen, Love-Story und Charaktermomente gibt, bremst nichts je das Tempo. Alles wird beschwingt präsentiert, dann zur Hälfte immer wieder mit Actionszenen garniert, die bis zum Showdown hin immer größer werden. Wahnwitziges Highlight ist ein Dogfight über Notre Dame, in dem sich zwei Galeonen mit angehängten Zeppelinen und Da Vinci Schusswaffen gegenseitig bekriegen. Ein Irrsinn, wie man ihn noch nie gesehen hat, der zwar bezüglich der Zeit, egal welcher Zeit, völliger Nonsens, aber tolles Fantasy-Spektakel ist.

Während das 3D, wie schon bei Resident Evil 4, erneut Referenz darstellt, da James Camerons Avatar-Technik, ist der restliche Film rundum 'gut' gemacht. Gut, nicht sehr gut, da zuweilen das Geld zu fielen schien und manchmal knapp geframte Szenen und Greenscreenaufnahmen zu bemerken sind, die es im Detail schmälern. Der Soundtrack ist solide, aber es darf durchaus etwas aufdringlich wirken, dass die im Abspann singenden Take That... in der Kinofassung auch vor dem Hauptfilm kurz hallo sagen und darauf hinweisen. Kurzum: sofern man keine zeitenakkurate, werksgetreue Umsetzung der alten Schinken erwartet, ist es eine zwar oberflächliche und aufgedreht abgedrehte Mega-Actionfassung mit cartoonhaften Figuren - aber wenn man das mag, darf man zustechen.


Fazit:
Man, höre, man staune - Die drei Musketiere 3D ist in diesem Jahr der bessere Pirates of the Caribbean. Zwar fehlt ein Sparrow als Zugpferd, aber während dessen viertes Abenteuer langatmiges 'viel Lärm um nichts war, macht Andersons leicht dämliche Dumas-Verfilmung auf gesenktem Niveau durchweg Spaß und bietet ausgefallene Action.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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