BG Kritik:

Mysterious Skin - Unter die Haut


von Christian Westhus

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

Mysterious Skin (USA, 2004)
Regisseur: Gregg Araki
Cast: Joseph Gordon-Levitt, Brady Corbet, Elisabeth Shue, Michelle Trachtenberg

Story:
Als sich die Wege eines jugendlichen Strichers und eines von Alienentführungen besessenen Jungen kreuzen, entdecken sie die grausame Vergangenheit die beide verbindet.

Zwei junge Männer, die ein gemeinsames Schicksal verbindet. Einer von ihnen kann sich nicht erinnern, der andere kann nicht vergessen. Diese Kurzbeschreibung trifft den Kern von „Mysterious Skin“ und kratzt gleichzeitig kaum an der Oberfläche.

Emile Hirsch war für die Neil Rolle im Gespräch.


Basierend auf dem Roman von Scott Heim beleuchtet „Mysterious Skin“ auf zwei separaten und doch untrennbar miteinander verbundenen Handlungssträngen, wie negative Erfahrungen das Leben danach auf unterschiedlichste Art beeinflussen. Die Wahrheit zu kennen oder sie zu vergessen sind nur zwei Arten von Fesseln. Es ist ein Film der die Frage stellt, ob geteilte Erfahrungen die Hilflosigkeit und Einsamkeit des erlittenen Leids abmildern können. „Fünf Stunden verschwanden aus meinem Leben“, beschreibt Brian (Brady Corbet) den Sommer vor einigen Jahren, wo er, damals achtjährig, einen traumatischen Blackout erleidet. Bald ist er davon überzeugt, dass es sich um Aliens handelt, die ihn entführten und Experimente mit ihm anstellten. Diese auf den ersten Blick absurde Vorstellung ist, sobald die Wahrheit ans Licht kommt, ein Schutzmechanismus. Brians Gehirn blockiert die wahren Erinnerungen und weil sein Körper reagiert, sucht er nach Antworten. Die sucht er bei Avalyn (Mary Lynn Rajskub), die ebenfalls von Alienentführungen spricht. Doch finden wird Brian seine Antworten bei Neil (Joseph Gordon-Levitt).

Jordon Gordon-Levitt stand seit früher Kindheit vor der Kamera, insbesondere durch die langlebige TV-Serie „Hinterm Mond gleich links“. Mit „Mysterious Skin“ und dem ein Jahr darauf erscheinendem „Brick“ begann eine neue Phase in der Karriere des späteren „Inception“ und „Looper“ Darstellers. Als Neil liefert Gordon-Levitt eine mutige und bemerkenswerte Performance ab. Neil ist ein minderjähriger Stricher, der mit kaum versteckter Gleichgültigkeit Männern an dubiosen Orten zur Verfügung steht. Neil weiß, was damals passiert ist. Ihn hat das erfahrene Leid und das Trauma kalt und zuweilen aggressiv gemacht, auch wenn er in Gegenwart seiner Mutter (Elisabeth Shue) und seiner Freunde Wendy (Michelle Trachtenberg) und Eric (Jeffrey Licon) auch authentisch sensibel und fröhlich ist. Neil zieht es in die große Stadt, wo er am eigenen Leib erfährt, in welch finstere Abgründe ihn seine selbstzerstörerische Teilnahmslosigkeit treibt.

Ein Drehort wurde für auch "Kill Bill" genutzt.


Für Regisseur Gregg Araki ist „Mysterious Skin“ ein ungewöhnlicher Film. Nicht nur ist es eine Adaption, wohingegen die meisten Araki Filme ohne Vorlage auskommen, es ist auch ein bedeutend ernsteres Anliegen. Für gewöhnlich beleuchtet Araki schrill und gut gelaunt jung-erwachsene Gefühlswelten zum Thema Drogen, Sex und Liebe, ohne sich durch Schubladen wie Monogamie, Hetero- oder Homosexualität beschränken zu lassen. „Mysterious Skin“ ist zuweilen ein schwer zu verdauender Brocken, der physisch und psychisch zu schaffen macht. Nicht nur werden Neils Eskapaden ungeschönt realistisch präsentiert, Araki öffnet den Vorhang zur finsteren Vergangenheit mit ungewöhnlichen Bildern, spätestens wenn er die eigentümliche kindliche Wahrnehmung aufgreift, mit der die jungen Neil und Brian damals ihr verbindendes Schicksal wahrgenommen haben.

In Nebenfiguren wie Wendy und Eric kommt Arakis Hang zu unangepassten Quasi-Punk Außenseitern der Gesellschaft weiterhin durch. Insbesondere „Buffy“ Darstellerin Michelle Trachtenberg gibt als Neils schwesterliche Freundin Wendy eine auffällige Leistung ab. Dass die Freundschaft zwischen Wendy und Neil ohne die obligatorischen sexuellen Fragezeichen auskommt, wie auch Neils Homosexualität trotz Dasein als Stricher und der zugrundeliegenden Kindheitserfahrung authentisch und vorurteilsfrei daherkommt, ist ein großer Verdienst von Regisseur Araki. Er weiß, wann er die Geschichte und die ausdrucksstarken Gesichter seiner Darsteller nutzen und seine visuelle Spleens zurückhalten muss. Ehrlich hart und doch sensibel erzählt, bis uns die isländische Musiker Sigur Rós zum tieftraurigen Ende begleiten.

Fazit:

Zuweilen heftiges und an die Nieren gehendes Drama. Eine hochemotionale Geschichte, originell erzählt und stark gespielt, allen voran vom jungen Joseph Gordon-Levitt.

8 / 10
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