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KRITIK:

Die Chroniken von  Narnia 3
Die Reise auf der Morgenröte


von Christian Mester

THE CHRONICLES OF NARNIA: VOYAGE OF THE DAWN TREADER (2010)
Regie: Michael Apted
Cast: Ben Barnes, Georgie Henley

Story:
Bei einem Besuch bei Verwandten kommt es zu einem Zwischenfall, der die beiden jüngsten Pevensie Kinder Lucy (Georgie Henley) und Edmund (Skandar Keynes) wieder nach Narnia führt. Im Schlepptau: Eustachius (Will Poulter), ihr nervtötender Cousin. Während sich die beiden Pevensies über ihre Rückkehr ins Fantasiereich freuen, begegnet der kleine Neuankömmling den Minotauren, sprechenden Riesenmäusen und Zauberwesen mit Arroganz und Angst.

Warum die Pevensies zurück geholt wurden, weiß zunächst keiner so genau, doch schon bald begleiten sie ihren Freund, Ex-Prinz König Kaspian (Ben Barnes) auf eine abenteuerliche Schiffsfahrt durch die Ozeane Narnias. Seeschlangen, Drachen und gefährliche Verlockungen sorgen einmal mehr für aufregende Abenteuer in Aslans Welt.

 

Kritik:
Als "Die Chroniken von Narnia: Der Untertitel von Die Chroniken von Narnia" 2005 in die Kinos kam, suggestierte die Werbung, es werde der neue Fantasy-Pflichttitel für jeden, der schon die "Herr der Ringe" Trilogie mochte. Im Kino folgte dann jedoch die große Ernüchterung, denn trotz aufwendiger Umsetzung entpuppte sich das erste Narnia Abenteuer als wenig aufregender Kinderfilm. Schwache Figuren, ein Fokus auf sprechende Tiere und verharmloste Kämpfe sprachen nur wenige jenseits der Schultüte an. Das Resultat? Der zweite Teil "Prinz Kaspian von Narnia" lockte plötzlich nur noch die Hälfte an Zuschauern ins Kino.

Mit gesenkten Erwartungen kam man also nur noch um die zumindest gut gemachten Effektszenen zu sehen, und weil man vielleicht hoffte, dass die Geschichte wie bei den Potter Filmen erst später so richtig los legen würde. Eine Enttäuschung für die Walt Disney Studios, die sich von C.S. Lewis’ Epos einen neuen Fantasy-Dauerbrenner erhofft hatten. Einen, der sogar noch länger als Tolkiens Reihe gehen würde, da sich die Narnia Buchreihe über sieben Teile erstreckt. Enttäuscht gaben sie also auf und überließen 20th Century Fox den nächsten Teil, die nun einen letzten Versuch starten, Narnia für alle interessanter zu machen.

Bis heute haben die Lizenzinhaber der Die Chroniken von Narnia Bücher eines nicht verstanden: so fantasievoll die Geschichten auch sein mögen, mit all den sprechenden Kreaturen, den Zauberwesen und der Parallelwelt hinter dem Wandschrank - all das bedeutet relativ wenig, ist es nicht Teil einer mitreißenden Geschichte. Im ersten Film gab es wenigstens noch den Aha-Effekt des ersten Besuchs, doch fehlende Spannung, eine dürftige Handlung und langweilige Figuren fesselten einfach nicht lange genug. Auch hier ist es wieder dasselbe. Keinen Moment lang glaubt man, dass irgendeine der Figuren je ernsthaft in Gefahr gerät. Narnia ist ein harmloser Kinderspielplatz, in dem man im schlimmsten Falle mal nass gemacht oder ausgelacht wird. Demzufolge spielt es keine Rolle, ob man in Schwertkämpfe oder Seeschlachten mit gewaltigen Wesen verwickelt wird, da es nie aufregend wird. Was fehlt, ist das Gefühl, dass Schicksale auf dem Spiel stehen, das es um etwas geht, dass es mehr ist als ein spaßiger Urlaub mit sprechenden Mäusen. Narnia will händeringend epischen Charakter haben, versagt aber daran.

Der dritte Narnia versucht, die Pevensie Kinder tiefschichtiger denn je zu gestalten, doch ihre Konflikte sind weiterhin oberflächlich und nicht der Rede wert. Lucy "leidet" darunter, nicht so schön zu sein wie ihre große Schwester (die übrigens entgegen erster Gerüchte sehr wohl im Film ist), Edmund wird einmal mehr von der Eishexe bezirzt und Neuling Eustachius, nun, der nervt einfach nur. Er ist fraglos der interessanteste, da amüsanteste von allen, wird aber schon nach knapp der Hälfte durch eine Verwandlung verstummt. Das ist dann auch schon alles an Charakterisierung und wird dementsprechend öde transportiert, zumal Edmunds Versuchung so schon im ersten Film ausgiebig behandelt wurde.

Ein weiterer Fehlschlag sind die Religionsallegorien. Versuchte sich schon der erste Teil darin, Löwe Aslan mit Jesus gleich zu setzen, der sich für seine Anhänger opfert, geht Teil Drei noch penetranter mit dem Thema um. So wird ständig davon gesprochen, dass man an Aslan glauben müsse, es wird eine Art Himmel erwähnt und er selbst sagt sogar später, dass er unter einem anderen Namen in der echten Welt existiere. Der versteckte Katholizismus wirkt belehrend und stört, zumal er so bedeutungslos serviert wird wie der Rest der Handlung. Da Handlung und Figuren wieder nur mäßig sind, bleiben wohl doch nur wieder die Effektszenen übrig. Obwohl das Budget des dritten Films fast 100 Millionen Dollar geringer ausfällt, sind diese erneut vortrefflich gemacht. Die sprechenden Tiere sind niedlich und die Monster, Erscheinungen und Halluzinationen sehenswert; insbesondere eine Seeschlacht mit einer riesigen Seeschlange sorgt für unterhaltsame zehn Minuten (wobei eine vergleichbare in "Die Legende von Beowulf" unweigerlich besser ausfiel). Da die ersten beiden Filme auch keinen speziellen, denkwürdigen Stil hatten, gelingt es Regisseur Michael Apted problemlos, nahtlos an die beiden Vorgänger anzuschließen. Die 3D Nachbearbeitung ist relativ passabel und gelungener als bei "Kampf der Titanen", bleibt aber natürlich weit hinter der Referenz "Avatar" oder "Resident Evil 4" zurück. Der Aufpreis kann sich also lohnen, ist aber nicht wichtig.

Wie es nun weiter geht? Wahrscheinlich gar nicht. In "Die Chroniken von Narnia Band 4: Der silberne Sessel" wäre Eustachius die neue Hauptfigur, doch ob der Schauspieler dafür genügend Eindruck hinterlassen haben mag? Hinzu kommt, dass dieser dritte Teil in den USA bereits schlechter lief als Prinz Kaspian und der Wandschrank dadurch für lange Zeit geschlossen bleiben könnte. Aber der Hobbit kommt ja schon bald.

Fazit:
Wer den zweiten Teil mochte, freut sich auf einen relativ ähnlich gelagerten Film. Es gibt einige nett gemachte Effekte, ansonsten ist es wieder einmal „nur“ ein spannungsarmer Kinderfilm. Als solcher ist er annehmbare Familienunterhaltung, alle Älteren warten jedoch besser auf Peter Jacksons Rückkehr nach Mittelerde und Potters Finale.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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