BG Kritik:

Nebraska


von Christian Westhus

Nebraska (USA, 2014)
Regisseur: Alexander Payne
Cast: Bruce Dern, Will Forte, June Squibb

Story:
Der alternde, trinkfeste und kauzige Woody Grant (Dern) glaubt, beim Lotto 1 Million Dollar gewonnen zu haben, die er sich in Nebraska abholen soll. Sein Sohn David (Forte) durchschaut sofort, dass sein alter Herr auf Trickbetrüger reingefallen ist, entschließt sich aber dennoch, Woody in seinen Heimatstadt zu begleiten. In der Provinz des mittleren Westens treffen Vater und Sohn Grant auf Woodys Verwandtschaft, die den plötzlichen Millionär sofort als Superstar umlagert.



Alexander Paynes Kino beschäftigt sich mit Menschen. Es sind einfache und doch besondere Menschen, manchmal auch Familien, mit verschrobenen Ticks und Spleens, mit Neurosen, Problemen oder bestimmten Hobbys, die Payne aus einer meist tragikomischen, manchmal auch latent bissigen Distanz beobachtet. „Nebraska“, nach einem Drehbuch von Bob Nelson, ist da keine Ausnahme, nur weil Payne zur Abwechslung mal nicht selbst auch Autor der Geschichte ist. Payne ist selbst in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska geboren, ließ schon „About Schmidt“ mit Jack Nicholson dort spielen und drückt der Geschichte seinen persönlichen Stempel auf. Mit allem, was dazu gehört.

Forte (r.) ist eigentlich Comedian, war u.a. in MacGruber


„Nebraska“ ist die Geschichte der Beziehung zwischen Vater und Sohn, die nicht das beste Verhältnis haben. Sohn David will dem eigenwilligen, gefährlich trinkfesten und nicht immer freundlichen Vater entgegenkommen. Er sagt seinem Vater, was es mit dem angeblichen Lottogewinn wirklich auf sich hat, spielt dann jedoch mit, als sich der alte Woody uneinsichtig zeigt. Auf dem Weg nach Lincoln, Nebraska kommen Vater und Sohn durch Woodys alte Heimatstadt Hawthorne, wo Verwandtschaft und alte Bekannte warten, die bald Wind vom Lottogewinn kriegen, den Woody noch immer als Tatsache präsentiert. Für David öffnet sich ein Blick in die Vergangenheit seines Vaters, auf eine Zeit vor seiner eigenen Geburt. Die Menschen in Hawthorne sind Zeitzeugen eines anderen und doch nicht so unterschiedlichen Woodys.

So ist „Nebraska“ auch eine Payne-typische Geschichte über Familien. In diesem Fall mal wieder eine Familie, die zu gleichen Teilen Verbundenheit und extreme Zerrissenheit verkörpert. Im Generationssprung geraten Woodys Söhne und seine Neffen aneinander, bis schließlich auch Woodys Frau Kate zum ungeplanten Familientreffen eingeladen wird. Hawthorne, Nebraska ist ein Katalysator für Nostalgie, für eine persönliche Rückschau und das unvermeidliche Lebensfazit. Hawthorne, Nebraska ist aber auch eine provinzielle Kleinstadt im generell eher kleinweltlich gesehenen Bundesstaat im mittleren Westen.

Payne war zuletzt dreimal in Folge für den Oscar nominiert


„Nebraska“ ist daher auch ein Film über die kleinen, verschrobenen, ländlichen Kommunen und Bewohner des mittleren Westens. Und Payne, der häufig als Menschenfreund und Humanist beschrieben wird, obwohl er regelmäßig auch ein wenig spöttisch auf seine Figuren blickt, lässt es sich nicht entgehen, die insularen Hinterwäldler des mittleren Westens ein wenig bloßzustellen und durch den Kakao zu ziehen. Payne schickt schon Woody auf eine kleine Odyssee und konfrontiert ihn mit diversen Schlamasseln, in die sich der sture, alte Kerl regelmäßig selbst bringt. Und doch wächst uns Woody ein Stück weit ans Herz. Das liegt nicht zuletzt auch an Bruce Dern, der nicht viel tun braucht, der aber die passende Balance zwischen spöttischem Slapstick und sympathisch-bedauernswertem Eigenbrödler findet. Auch Saturday Night Live Comedian Will Forte kann meistens – nicht immer – überzeugen. Die Zusammenführung von Vater und Sohn führt zu mindestens einer zu Herzen gehenden Szene und das gelingt Alexander Payne in seiner gewollt klassizistischen, oftmals distanziert unbeteiligten Art nicht immer.
Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die liebe Verwandtschaft in Hawthorne, Nebraska in einem besonderen Licht steht, stehen die Onkel, Tanten, Neffen und Ex-Arbeitskollegen doch Woodys falscher Hoffnung auf Geld und der Annäherung von Vater und Sohn mehr als einmal im Weg. Als wären die mitunter ein wenig aufdringlichen Sticheleien gegen die unehrliche Natur der modernen Gesellschaft noch nicht genug, sind auch die Bewohner Hawthornes wahlweise fies und geldgeil oder schlicht dümmlich-naiv. Das kann man mitunter schrullig, niedlich oder gar sympathisch finden, aber hier und da kommt Paynes Blick doch auffällig von oben herab. Auch kann man sich fragen, ob der Film durch die elegante, aber nicht besonders außergewöhnliche Schwarz-Weiß Fotografie sonderlich viel gewinnt, außer – richtig – Distanz.

Fazit:

Ruhige, überwiegend unkitschige Vater-Sohn-Zusammenführung mit viel Lokalkolorit des amerikanischen mittleren Westens. Über die schrulligen Figuren lädt Alexander Payne mal zum Mitlachen ein, häufig aber auch zum Auslachen.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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