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Kritik:
New Kids 2:
New Kids Nitro


von Christian Mester

NEW KIDS NITRO (2012)
Regie: Steffen Haars
Darsteller: Steffen Haars, Huub Smit

Story:

Jetzt wird's atomar, Junge! New Kids gegen Schijndel-M#schis - und Zombies. Im niederländischen Kleinstadtkaff Maaskantje steht Krieg an, denn eine Proletengang aus dem verhassten Nachbardorf Schijndel macht Stress. Das lassen sich die Vollidioten Rikkert, Richard, Barrie, Gerrie und Robbie nicht gefallen. 90er-Techno-Mucke auf Anschlag, im knallgrünen Manta den zweiten Gang eingelegt und ab dafür! Während vor allem Richard auf gefühlten 2000 ist, weil Schijndel-Gangchef Dave droht seiner Mutter an die Wäsche zu gehen, zieht im nordischen Friesland ein unverhoffter Feind auf. Ein Meteorit macht die Friesen zu Zombies, die der Regierung rasch ein Dorn im Auge werden. Sie greifen zu ihrem letzten Mittel: den New Kids.

Kritik:
Der Hollandhit hört nicht auf: schon am Startwochenende des ersten Teils New Kids Turbo war klar, dass ein zweiter folgen würde. Zu laut klingelten die Kassen, zu groß der Andrang, zu treu die Fans, die in Scharen, größtenteils sogar mit moppigen Perücken, knalligen Jogginghosen und mit Goldkettchen verkleidet in die Kinos stürmten. Und so sehr randalierten, dass in vielen Kinos Security platziert werden musste. Junge, jetzt ist Teil 2 da, und wie es die Trailer bereits versprechen, steht er dem ersten F#ckschnitzel in nichts nach.

Nitro richtet sich in erster Linie an alle Fans, die die Serie oder den ersten Film bereits kennen. Jeder bekannte Gag, nahezu jede prägnante Nebenfigur (der Imbissbudenbesitzer, der geistig Behinderte, die umtriebenen Minister, der Reporter, der inkompetente Polizist) kommt vor, jedes Zitat wird gebracht oder referenziert, womit der Film sich und seine Fans wie ein Best-Of-Konzert zelebriert. Die Vokuhilas sind erneut mit vollstem Einsatz dabei: wieder bekommt Gerrie die besten Szenen, wieder markiert Richard lauthals den cholerischen Supermacho und dominiert die meisten Momente, wieder blamiert sich der schüchterne Zweisekundenlover Rikkert, wieder halten sich die beiden Regisseure, die Robbie und Barrie spielen, fast wortlos im Hintergrund.

Zum einen stehen wieder einmal die überdrehten fünf im Mittelpunkt, die sich nach wie vor höchst asozial verhalten, Vandalismus leben, Dosenbier anzischen und ihre Unterschichtenplätze feiern. Gelungen ist die Idee, sie gegen ein gleichwertiges Team von Spaten ins Rennen zu schicken. Deren Anführer Daves Daueraggressionen gegenüber Richard führen zu großartigen Auseinandersetzungen, die vom Kaliber her an The Rock vs. Vin Diesel in Fast Five erinnern... wenn auch auf ihre ganz eigene Weise. Es gibt ein Wetttanzen (zu trashigem 90er Eurodance) und eine Schlägerei, die die finale Schlacht aus Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs fast an Epik übertrifft. Es wird sich angespuckt, Sextapes gemacht und die geliebte Imbissbude des Gegners flambiert. Und der Don Juan der New Kids, Rikkert, darf sich erneut in eine hochschwangere Frau verlieben - dieses Mal Alkoholikerin und ständiges Bukakke-Opfer.

Was wären die New Kids ohne regelmäßig eingestreuten, ebenso unberechenbaren wie geschmacklosen Unsinn? Selbstredend werden also auch hier wieder krudeste Nebenspäße gemacht, die vor nichts Halt machen: Frauen, Kinder, Schwangere, Invalide, selbst Haustiere haben keine Chance und werden für Zoten gnadenlos niedergemäht, fast immer am Rande der eigentlichen Handlung. Prinzipiell kann in Maaskantje anscheinend jeder jederzeit, überall von einem Lastwagen überfahren werden. Derartige Szenen passieren ständig, sodass die Handlung dementsprechend unentwegt Überraschungen bietet und man weiß, dass nichts und niemand je sicher ist. Man muss nur jegliches Moralverständnis am Eingang zurücklassen und alles nur als schwarzen Cartoonhumor sehen, dem man alles erlauben kann, sonst schafft man nicht einmal die ersten fünf Minuten. Die Macher bemühen sich, die Grenzen der Respektlosigkeit und des Ertragbaren auszuloten und es ist leichtes, sich über die gewagten Witze zu pikieren und es den Machern übel zu nehmen, dass man darüber lachen soll.

Zum Absurden gehört zudem die Nebenhandlung, denn mit Zombies kommt dieses Mal ein übernatürliches Element hinzu, das zu einem bleilastigen Finale führt. Wahrscheinlich wollte man die Auseinandersetzung aus dem ersten Teil nachahmen, jedoch die New Kids nicht schon wieder gegen die Polizei antreten lassen. Actionreich wird es also, vor allem wenn ein nackter Richard einer ganzen Armada von Zombies (Splatter-Einlage) die Köpfe abhaut, doch der damit abrupt endende, eigentlich wesentlich lustigere Abschnitt des Maaskantje/Schijndel Duells bleibt vermisst. Das bleibt auch nicht die einzige Schwäche des Sequels, denn so sehr Flip van der Kuil und Steffen Haars alles bisher dagewesene abfeiern, übersehen sie es, dem Film neue kultige Sprüche oder Szenen zu verpassen. Es gibt zwar gegen Ende eine Art neue Hymne, doch abgesehen davon wird man als Fans in Zukunft keine Schote, kein Zitat bringen, das explizit aus diesem Film stammt. Eine vom ersten Teil wiederholte Schwäche ist es darüber hinaus, den fraglos lustigsten Charakter, den Vollchaoten Gerrie, nicht häufiger aufkommen zu lassen. Er ist zwar in nahezu jeder Szene mit dabei, bleibt jedoch zu oft stumm.

Fazit:
"New Kids Turbo" ist Anarcho-Proll-Idiotenhumor unterster Schublade, der je nach Empfinden als schlimmste Verunglimpfung des Kinos - oder auch als grenzgeniales Kultkino gesehen werden kann. Für sich stehend keine allzu gute Komödie (3/10), Junge, ist es gefühltes Freibier für Fans.

(Ja, das ist das exakt gleiche Fazit wie beim ersten Teil, denn 1 und 2 sind nahezu identisch. Was 2 zuweilen besser macht als 1 (weniger Leerlauf, stärkere ersten 2/3), fehlt ihm wiederum an neuen Ideen. Dazu hätten sie es besser beim Dorfduell belassen und die Zombies rauslassen sollen.)

Richard / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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