hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
New Kids Turbo


von Christian Mester

NEW KIDS TURBO (2011)
Regie: Steffen Haars
Darsteller: Steffen Haars, Huub Smit

Story:

Waas?!? Film, Junge, das geht jetzt richtig los, Junge! Das niederländische Kleinstadtkaff Maaskantje ist ihr Revier: die tumbdummen Provinz-Vollspaten Rikkert, Richard, Barrie, Gerrie und Robert haben die gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen der letzten 15 Jahre schlichtweg verpasst und zelebrieren ihr asoziales Dasein mit Eurodance, Campingplätzen, Mantas und palettenweise Dosenbier: sie sind am Drücker, alle anderen sind Mu#####, Ho###, Fo#### und F###schnitzel. Terror kommt auf, als die Gruppe arbeitslos wird und sich durch politische Umstände auch kein Arbeitslosengeld mehr abzweigen lässt. Die New Kids greifen zum Dosenbier und sagen dem System verdammt noch mal den Kampf an...

Kritik:
"New Kids" ist eine holländische Comedyserie, die 2007 mit kurzen Sketchen begann und seit einiger Zeit echten Kultstatus erlangt hat. Das Konzept: Völlig verpeilte Vorstadtproleten, die zumeist betrunken lallend losrandalieren und ihre Mitmenschen in ärgste Mitleidenschaft ziehen, der Humor: brachial und garantiert niveaulos, unberechenbar und schonunglos. Mal taumeln Gerrie, Barry und Co. in ihren grellen Trainingsanzügen und Vokuhilas nur verkorkst durch die Gegend und klettern unerlaubt durch Gartenanlagen anderer, mal sorgen sie ohne mit dem Schnurrbart zu zucken absurd für Tod und Explosionen.

Da die Comedytruppe, die in ihrer Art nicht von ungefähr an den anderen Hollandexport der "Flodders" erinnert, mit ihrer Masche zahlreiche Fans für sich gewinnen konnte ("Ich mach ihm kaputt!!" - Quotes der Idioten überwuchern Facebook, StudiVZ, Foren und Blogs) und hier schon "Werner", "Manta Manta" und das Prollinferno "Voll Normaaal" einschlagen konnten (Teil 3: "Die Superbullen" lief erst vor kurzem, mit großem Erfolg), ist nun also der erste Kinofilm der Jungs in den Kinos, Junge: "New Kids Turbo". Das Mikrowellen-Bounty des guten Geschmacks.

Einen Film wie diesen zu kritisieren ist wohl in etwa so sinnvoll, wie zahlungsunwillig mit ganzen Paletten Dosenbier aus dem heimischen Supermarkt zu türmen zu versuchen - die New Kids machen's, kratzen sich danach gepflegt zwischen den Beinen, lassen den Eurotrash stampfen und hauen sich das Pils in den Hals. Wie bei vielen Comedy-Filmen kommt es letztendlich darauf an, ob man den schrägen Humor der Jungs erfasst und teilt oder stattdessen einfach nur "homo" ist, wie sie es wohl bezeichnen würden. Sinnlos ist fraglos, sich darüber zu pikieren, dass der Humor am laufenden Band geschmacklos ist und es doch nur um versoffene Gesellschaftsloser geht, die sich mit ihren Obszönitäten wie schlecht erzogene 13jährige aufführen, denn wohlan, es ist mit Sicherheit nicht verwerflich, es als kurzweilige Parodie gewisser Gesellschaftsschichten zu sehen, die genau so plump und cartoonhaft, doch niemals ernsthaft beleidigend wie Sketche diverser angesehener Comedy-Shows ausfällt. Und Fun steckt ohne Frage drin, da sich die Macher verrückte Ideen einfallen lassen und vor allem Tim Haars als Ringleader Gerrie immer wieder herrlich meschugge ist ("25.000 Euro, Viertakter, Junge. Das geht jetzt richtig los hier, Junge!") . Anzuraten ist also, sich vorher unbedingt ein paar der rund drei Minuten langen Clips der Show anzusehen, da der Humor sehr speziell ist und im Film in dreißigfacher Länge vorkommt. "New Kids Turbo" ist gewiss keine besonders zugängliche Komödie, die sich ein jeder ansehen kann. Versucht ein Tom Gerhardt, seinen Humor unterschiedlich ausfallen und seine Figuren trotz der Idiotie auch noch sympathisch erscheinen zu lassen, ziehen die Holländer ihr Ding straighter und gnadenloser durch - entweder den verrückten "Mongo" kloppen, oder der limettenfarbene Manta geht ab.

Mag und kennt man die Serie, ist der Film keine auffällig distanzierte Geschichte ala "Otto's Eleven" oder "U-900", sondern ausschließlich Blödelei in Spielfilmlänge. Lose mit geringsten Fäden einer umfassenden Handlung zusammengenäht, ist der Film konzentrierter Dauerquatsch, wie man ihn kennt, Aneinanderreihung von schrägen Szenen, eine simple und treue Fortführung des Serienkonzepts, die hier mit etwas mehr Geld und größerem Chaos winkt. Für Schultenbräu-Fans gelungen, da der Film so fast alles macht, was man sich wünschen könnte, altem zuwinkt, neues bringt und Material für viele weitere Kultsprüche liefert. Allerdings schafft es der Film nicht, wesentlich besser zu sein als die bekannten Folgen - auch hier ist die Gagdichte nicht allzu hoch, gibt es Längen, gibt es viele unwitzige Szenen und zu wenig Fokus auf die beste Figur Gerrie. Versucht man ihn objektiv als Film zu sehen, ist es eine eher schwache Komödie, da es kaum wirklich gute Figuren, zu viele Hänger zwischen den Gags und eine albernste Handlung gibt, doch wer sich überhaupt dazu bereit erklärt, sich das im Kino anzutun, wird sich eh nicht drum scheren. Neue Sprüche, neuer Schwachsinn, eine extragroße Palette neues "New Kids".

Fazit:
"New Kids Turbo" ist Anarcho-Proll-Idiotenhumor unterster Schublade, der je nach Empfinden als schlimmste Verunglimpfung des Kinos - oder auch als grenzgeniales Kultkino gesehen werden kann. Für sich stehend keine allzu gute Komödie (3/10), Junge, ist es gefühltes Freibier für Fans. Und Teil 2 namens "New Kids: Nitro" ist auch schon unterwegs.

Rikkert / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich