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Kritik:
Noch tausend Worte


von Christian Mester

A THOUSAND WORDS (2012)
Regie: Brian Robbins
Cast: Eddie Murphy, Clark Duke

Story:
Als Agent Jack (Eddie Murphy) eines Tages einen seltsamen Baum in seinem Garten findet, fällt ihm etwas Unheimliches auf: bei jedem gesprochenen Wort verliert dieser ein Blatt. Ein indischer Klient (Cliff Curtis) klärt ihn auf: anscheinend hat ihn das Schicksal mit einer Prüfung bestraft - so viele Blätter wie der Baum noch hat, so viele Wörter darf er noch sprechen; fällt das letzte, stirbt er. Für die Quasselstrippe fortan ein Grauen in Alltag, Job und Familienleben...

Kritik:
Eddie Murphy hat es gewiss nicht leicht: in seinem letzten Erfolgsfilm Aushilfsgangster spielte er nur eine von vielen Nebenrollen; die Shrek Filme, in denen er den Esel sprach sind abgesetzt, und seine letzten Solofilme waren Zuhause ist der Zauber los, Mensch Dave, Norbit, Der Kindergarten Daddy, I Spy, Pluto Nash und Das Geisterschloss - allesamt Niederlagen, die dder ehemaligen, ständigen 20 Millionen Dollar Comedy-Ikone nicht mal im Ansatz würdig waren. Nun winken die von Kumpan Nicolas Cage produzierten "Noch tausend Worte", dessen Hintergrund schon direkt Sorge macht: seit 5 Jahren fertig, wusste man anscheinend nichts mit dem Ergebnis anzufangen.

Dabei ist die Story die fraglos beste der letzten Murphy-Dekade: gerade er, Mister Raw, der als das unaufhaltsame Plappermaul Axel Foley berühmt wurde, muss den Mund halten oder sterben? Was im Ansatz eine gute Geschichte ist und sogar zu einer fabelhaften, stephenkingschen, The Outer Limits-haften Thrillergeschichte umgespinnt hätte werden können, verkommt leider zu einem schwachen Familienfilm. Nach und nach versucht man Gags zu bringen, in dem Murphy immer wieder in Situationen gesteckt wird, in denen er eigentlich sprechen müsste: seine Frau will ihn nur auf seinen Wunsch hin verführen, seine Geschäftspartner erwarten seinen Rat und ein Blinder verlangt seine Hilfe beim Überqueren einer Straße. Murphy gestikuliert wild (auch Worte aufschreiben darf er nicht) und lässt seine Augen spielen, doch so amüsant er auch sein mag, und so vereinzelt überraschend ansprechend es auf das drohende Todesende zutapst, fehlt es an Content: an Witz, an ausdrucksstarken Gesprächen. Der Film ist eine Hülle, die auf Inhalt wartet, ein unerfülltes Konzept, das müde gen dem kolossal besseren "Der Dummschwätzer" schielt. Es fehlt auch an Logik, denn oft wird man kopfschüttelnd nicht verstehen können, wieso Murphy groß auftürmende Probleme mit auf Kosten weniger Worte beruhigt, während er an anderen Stellen sinnlos oder unüberlegt viele Worte verschwendet. Die daraus resultierenden Probleme sollen witzig sein, sind es aber oft nicht, da der bis dahin klug wirkende Jack eher frustrierend als amüsierend als Zwieback im Tee der Unvernunft erweicht.

Wie schon in Spritztour und Hot Tub Time Machine: Hilfe, der Whirlpool ist eine Zeitmaschine (...) überrascht Duke Clarke als pfiffiger Zusatz, der mit für das Zielpublikum teils grenzwürdigen Späßen auf sich aufmerksam macht und die wenigen Lacher der ganzen Geschichte für sich verbucht. Dass der Film dennoch kein völliges Versagen ist, ist Murphy und der Regie zuzusprechen. Murphy selbst ist immer noch schon optisch völlige Starqualität und erhebt die ansonsten highlightlose Geschichte auf ein erträgliches Niveau. Robbins' Regie ist auf typischem unbesonderen, aber solidem Sandler-Comedy Niveau und so harmlos und kurzlebig, dass man dem Filmtrotz der Schwächen nicht allzu böse sein kann. Auch wenn man den Kinobesuch bereuen mag, denn nötig ist der nicht.

Fazit:
Man nehme ein tolles Konzept und lasse einen ehemaligen Comedy-Superstar an fehlenden Gags und mauen Storyideen zerschellen. Noch tausend Worte hätte noch ein paar tausend mehr gebraucht, um.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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