BG Kritik:

Non-Stop


von Christian Mester

Non-Stop (USA, 2014)
Regisseur: Jaume Collet-Serra
Cast: Liam Neeson, Julianne Moore

Story:
Weils blöd ist, wenn Terroristen Flugzeuge entführen, fliegen in den meisten Maschinen regelmäßig Air Marshalls mit. Bill Marks (Liam Neeson) ist so einer. Als depressiver Alkoholiker mit Flugangst quält er sich durch seine Schichten und hasst es besonders, von Passagieren wie der freundlichen Jen (Julianne Moore) in triviale Gespräche übers Wetter verwickelt zu werden. Dann wird's spannend: jemand verlangt per SMS 150 Millionen Dollar von ihm, sonst droht man alle paar Minuten jemanden an Bord zu töten. Bill trinkt noch einen über den Durst und beginnt, den Fall zu sherlocken.



Regiepilot Jaume Collet-Serra hat bisher drei Filme gemacht, einen guten (Orphan: Die Waise), einen okayen (House of Wax Remake) und einen schwachen (Unknown Identity). Der schwache war ein Thriller mit Liam Neeson, also.. muss man sich Sorgen machen, da sein Non-Stop jetzt auch wieder ein Thriller mit Neeson ist? Neeson verspricht diesmal einen angenehmen Flug, also darf man sich vielleicht anschnallen und sich von ihm in die Lüfte taken lassen.

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Wir haben die Economy Class, die Business Class, das Cockpit und normalerweise unzugänglich, den Frachtraum. Nicht viel Platz für einen Serienkiller, in einem hell beleuchteten Flugzeug unbemerkt umher zu huschen und garstig Leute umzubringen. Er müsste ein Schleicher mit außerordentlichen Ninja-Fähigkeiten sein, hilfreiche Komplizen haben oder auf ein schlechtes Drehbuch hoffen, dass ihm (oder ihr, vielleicht ist es ja eine Frau?) am laufenden Band glückliche Zufälle spendiert. Non-Stops Story ist nicht der beste Flugschreiber. Der Täter ist weder besonders clever, noch ist sein Vorgehen logisch oder nachvollziehbar. Manche Zufälle ereignen sich zu passend und es ist non-stop unwahrscheinlich, dass sich das so jemals in Wirklichkeit ereignen könnte. Wer also ausschließlich real anmutende Thriller wie Captain Philips mag und sich bei Nonsens schnell facepalmt, darf direkt mit dem Fallschirm raus.

Es ist also unrealistisch, aber als Film unterhaltsam? Jap, und dafür wird gesorgt. Kaum in der Luft, dreht Non-Stops Turbine gehörig auf. Leute sterben, Drohmeldungen kommen rein und damit beginnt ein non-stop Spannungsverlauf, in dem Inspektor Neeson immer neue Konflikte entgegen geworfen werden. Er muss sich mit den immer neugierigeren, sprich, bald panischen Passagieren auseinandersetzen, inkompetente Kollegen abwimmeln, Verdächtige screenen und sich mit einer eher arroganten Crew abfinden, die für den vermutlich paranoiden Trunkenbold nicht viel übrig hat. Schwierig ist für ihn, dass die Liste der Verdächtigen echt lang ist. Für uns Zuschauer kommen nicht alle an Bord in Frage, aber neben Passagierin Julianne Moore (ihre faulste, süßeste Rolle in 30 Jahren Karriere) und Stewardess Lupita Nyongo (die Oscar Gewinnerin aus 12 Years a Slave, hat hier 12 Words a Role) gibt es noch drei andere Bordmitglieder und um die 6-7 markanteren Passagiere, die hauptsächlich im Fokus stehen. Für Neeson, der nicht alle Verdächtigen non-stop im Auge behalten kann und mit Leichen, der Presse, der Fluggesellschaft, Arbeitskollegen und Vermutungen der Passagiere, der Air Marshall selbst könnte ein Flugzeugentführer sein, genug zu tun hat, ein schönes Hamsterrad, das den Film vorwärts treibt.

Hauptsache Muni: Non-Stop Nonsens mit ohne Didi Hallervorden


Wie gesagt sind manche der Verwicklungen schon arg unrealistisch, jedoch hat Regisseur Collet-Serra jede Menge Spaß mit seinem ganzen Eimer roter Heringe. Es ist unwahrscheinlich, dass irgendwer auf die tatsächliche Identität des Killers kommen kann, aber der Weg dahin ist gelungen und es macht Spaß, mitzuraten. Glücklicherweise ist der Film Neesons Charakter nie vorraus, man muss also nicht drauf warten, dass er behäbig irgendwann mit aufschließt. Eine gute Wahl ist es, gewisse Passagiertypen oder mögliche Verdächtige als Stereotypen mit an Bord zu haben, nur um diese dann völlig zu ignorieren.

Wie bei Orphan versucht sich Collet-Serra prinzipiell an einer recht traditionellen Regie, doch die viele Kritik, dass Unknown Identity zu lahm war, hat ihn ein bisschen zu sehr beeinflusst. Zu einem nicht kleinen Teil ist Non-Stop dementsprechend relativ dynamisch gehalten, manchmal dynamischer als es sein müsste. Die Kamera wackelt viel, die Szenen sind kurz, der Score treibt an und lässt keine Zeit für tiefergehende Spannung. Damit sticht sich das Konzept, denn es wirkt ein wenig als versuche er einen traditionellen Hitchcock Krimi mit der visuellen Ungeduld eines 24 zu erzählen.

Als Thriller ist eine Menge los im Film, jedoch darf man sich nicht wirklich viel handfeste Action erwarten. Es ist kein Film, in dem Neeson zahlreiche Leute verprügelt oder viel geschossen wird, was an Bord einer Passagiermaschine ohnehin nicht die beste Idee wäre. Das, was die beiden Takens ausmachte, ist hier also nicht zu finden. Die Visualisierung der SMS-Nachrichten als 3D-Meldungen im Bild, wie bei den Überschriften von Fringe ist ansehnlich, aber im Versuch krampfhaft modern zu sein, gibt es zu viele SMS-Unterhaltungen. Zumindest schickt der Killer ihm keine tweets, denn das wäre wirklich #höchstalbern. Scheint also, als habe Collet-Serra seinen Sitz für Studiointeressen vonwegen Einbau populärer Social Media nicht zu weit nach vorn rücken müssen.

Fazit:

Kein Brechbeutel nötig: Non-Stop hebt ganz ordentlich ab und bietet dumpfe, aber unterhaltsame Popcorn-Action zum spaßigen Mitraten.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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