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Kritik:
Not Fade Away


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

Not Fade Away
(2013)
Regisseur: David Chase
Cast: John Magar, Jack Huston, Bella Heathcote, James Gandolfini uvm.

Story:
Douglas Damiano (John Magaro) gehört zu den Träumern. Nichts wünscht er sich mehr als zusammen mit seinen Freunden eine Band zu haben und so erfolgreich zu sein, wie seine Idole, um auch so mehr Glück bei den Frauen, besonders Grace Dietz (Bella Heathcote) zu haben. Doch manchmal ist es einfacher zu träumen, als es in der Realität umzusetzen und wenn auch aller Anfang schwer ist, wenn man erst einmal angefangen hat, ist es schwer aufzuhören und die Träume aufzugeben.

Kritik:
David Chase ist 68 und „Not Fade Away“ ist sein erster Kinofilm. Warum sein Name trotzdem den ein oder anderen ins Kino locken sollte, liegt wohl daran, dass er Schöpfer der Hitserie „The Sopranos“ ist, deren leider vor kurzem verstorbenen Hauptdarsteller James Gandolfini auch hier eine letzte Rolle bekam. Hier nun begibt sich Chase in die 60er Jahre der USA. Dort stand neben dem JFK-Attentat, Marthin Luther King und Vietnam, vor allem auch die Musik im Vordergrund. Es war der Beginn großer britischer Bands wie den Beatles, die eine Generation inspirierten in ihre Fußstapfen zu treten.

Man beginnt am Besten gleich mit den nackten Tatsachen, denn es ist gerade zu erschreckend und enttäuschend, dass der Film dort scheitert, wo man eigentlich David Chases kleinstes Problem erwarten würde. Nämlich am Drehbuch und seinen Figuren. Das fängt bei unserem Protagonisten Douglas Damiano an. Chase konzipiert ihn unnötig arrogant und unsympathisch. Von der ersten Sekunde an ist es schwer, ihm das Beste zu wünschen und mit ihm mitzufühlen. Er scheint sich schon ziemlich früh als großer Freidenker und Künstler zu sehen, für den die Band und die Musik scheinbar nur dazu dienen soll besser an Frauen ran zukommen. So plump wie das nun klingt, so plump kommt es rüber. Es wird nie klar, warum er so spielt oder charakterisiert wird, wie er ist. Man merkt schon, wenn der Hauptdarsteller bzw. dessen Figur einem unsympathisch ist, wie soll dann noch der Film funktionieren?

Das erste Drittel des Films ist eigentlich noch richtig unterhaltsam, ignoriert man mal den unsäglich nervigen Hauptcharakter. Natürlich durch die Musik, aber auch die liebevolle Ausstattung wird man wunderbar in die Zeit zurücktransportiert und kann sich auch schnell in die Jungs hineinversetzen, doch schnell wird die Baustelle Drehbuch sichtbar. Es wird komisch nach vorne gesprungen und man fragt sich oft, sind nun ein paar Tage, Wochen oder Monate vergangen= Dazu kommt, dass man unerklärlicherweise seine kleine Schwester als (unnötige) Erzählerin eingebaut hat, um den Ganzen vielleicht einen groben (aber nicht nachvollziehbaren) Rahmen zu geben, was aber bis zum Ende eigentlich unerklärt bleibt, da es zum einen nie Sinn macht und sie im Grunde auch von Dingen erzählt, die sie gar nicht wissen kann. Ein klassischer, dramaturgischer Fehlgriff. Am Ende wird auch noch deutlich sichtbarer, dass Regisseur und Autor David Chase wohl vielleicht einfach die Ideen ausgegangen sind, denn das Ende besitzt kaum Aussagekraft und bleibt unnötig offen, klebt so nur völlig inspirationslos am Film.

Man könnte annehmen, dass man hier einer jungen Band folgt, die es vielleicht nicht schafft oder zeigt, wie steinig der Weg doch sein kann. Aber als Zuschauer weiß man eigentlich nie, wie der aktuelle Stand der Band gerade ist und inwiefern es positive Entwicklungen gibt. Es mag eben sein, dass Chase so eine klassische Bandgeschichte gar nicht vor hatte zu erzählen, aber dann braucht es spannendere Konflikte und ausgereiftere Charakter, um sich so gekonnt von der Beschränkung auf die Bandgeschichte zu lösen.

Eine extra Erwähnung hat auf jedenfall James Gandolfini verdient. In seinen wenigen Szenen ist er wie immer über allem Zweifel erhaben, er ist auch einer der wenige, der eine Figur mit etwas mehr Tiefe und Abwechslung zugeschrieben bekommen hat, auch wenn sich seine Auftritte im Film auf wenige Minuten beschränken. Ansonsten ist das alles im Grunde solide bis gut gespielt. Problem ist und bleibt einfach die Schablonenhaftigkeit der Figuren. Da entsteht nicht immer wirklich viel Leben. Verschiedene Lebensansichten werden die Figuren in den Mund gelegt und das wars, nicht weiter ausgeführt oder miteinander verwoben. Alle Figuren scheinen bestimmte Probleme und Eigenschaften zu haben aber es wirkt, als haben sie diese auf einem Zettel auf ihrer Stirn kleben und tragen diese nur vor. Da herrscht leider nur sehr selten wirklich Leben in diesen Charakteren und das bei einem Autor, der als Pionier des modernen seriellen Erzählens gilt.

Fazit:
Ein unausgegorenes Drehbuch, ein unsympathischer Protagonist neben schablonenhaften, klischeebeladenen Figuren zerstören einen netten Ansatz fast gänzlich, der eigentlich ein Drittel des Films sehr gut funktionieren lässt. David Chase hat sichtlich Probleme, vom seriellen Erzählen auf die Kinoleinwand zu kommen. Und zwar nicht so, wie man es vielleicht erwartet hätte, dass er zu ausschweifend an die Sache geht, sondern so viel wie möglich runterschraubt und viel zu schnell auf den Nenner bringen will. Vielleicht das Kinoticket sparen und lieber nochmals die Beatles-Diskografie durchhören. Wirklich schade!

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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