BG Kritik:

No Turning Back


von Michael Eßmann

Locke (US, 2014)
Regisseur: Steven Knight
Cast: Tom Hardy

Story:
Am Beginn der allabendlichen Autofahrt von der Arbeit nach Hause, nimmt Ivan Locke (Tom Hardy) ein Telefongespräch an und trifft kurz darauf an einer Kreuzung eine Entscheidung, welche sein zukünftiges Leben für immer zu verändern droht.

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Am liebsten möchte Familienmensch Ivan Locke nach getaner Arbeit nur nach Hause, seine Erkältung auskurieren und mit seiner Frau und den zwei Kindern das Fußballspiel im Fernsehen verfolgen. Doch der Familienvater hat jüngst die Entscheidung getroffen, zu einem Fehler aus seiner Vergangenheit zu stehen, und ihn wenn irgend möglich, wenn schon nicht gerade, dann doch wenigstens so gerade wie möglich zu rücken. Der von Tom Hardy gespielte Bau-Ingenieur fährt also anstatt nach Hause, mit dem Auto von Birmingham nach London, und führt währenddessen diverse Telefonate, um u.a. berufliche und Familienangelegenheiten unter Kontrolle zu halten. Was nun folgt, ist eine One-Man-Show mit Tom Hardy, denn andere Darsteller bekommt man im (weitgehend) Echtzeit-Drama (mit Thriller-Elementen) „No Turning Back“ (Original-Titel: „Locke“) nicht zu Gesicht. Stattdessen treten diese Nebenfiguren nur stimmlich, und über die Freisprechanlage des Autos in Erscheinung. Ein Mann, ein Auto, und ein Telefon. So einfach, - und genial - ist der Rahmen, in welchem die Geschichte präsentiert wird. Und auch wenn ein so begrenzter Handlungsort wie das Innere eines Autos nicht gänzlich neu ist - einen ähnlichen Grundansatz was das betrifft hatte kürzlich auch „Vehicle 19“ (mit Paul Walker) – so ist es das Ergebnis, welches „No Turning Back“ abhebt.

Regisseur Steven Knight bewies bereits als Drehbuchautor von u.a. „Tödliche Versprechen“ (von Regisseur David Cronenberg) ein Händchen für u.a. Spannung, gut geschriebene Charaktere und Dialoge. Nun meldet er sich nach seinem gelungenen Regiedebüt, dem Action-Drama „Redemption - Stunde der Vergeltung“ (mit Jason Statham) zurück, und besinnt sich einmal mehr auf seine Stärken. Und so wie Hardy in der Geschichte unbeirrt weiter in Richtung London fährt, inszeniert auch Knight stringent und zielsicher. Ihm gelingt dabei das Kunststück, sich trotz der extremen Limitierung was Handlungsumfeld und (sichtbare) Darsteller angeht, seinen Film nicht tatsächlich einzuschränken. Denn was Spannung, emotionale Momente und Tiefe angeht, lässt sein aktueller Film nur wenige Wünsche offen, und auch technisch gibt sich das Werk dabei keine Blöße, und verwöhnt mit gekonnten Aufnahmen, welche glücklicherweise nicht im Studio, sondern offenkundig draußen entstanden sind.

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Als großes Unterscheidungsmerkmal zu anderen, oberflächlich vergleichbaren (mehr oder weniger) Ein-Mann-Shows und Kammerspielen wie „Nicht auflegen!“ (mit Colin Farrell), „Buried - Lebendig begraben“ (mit Ryan Reynolds) oder „All is Lost“ (mit Robert Redford), setzt Knight auf eine deutlich realer wirkende, und näher am Zuschauer liegende, lebensnahe Geschichte. Es geht nicht um die ganz große Gefahr, das Ende der Welt, Leben und Tod, und bei genauerer Betrachtung doch auch und vor allem genau darum. Denn auch wenn Locke nicht in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, steht doch sein Leben auf dem Spiel. Passend zum Ingenieur-Dasein seiner Hauptfigur, und ganz entsprechend der Gesetze seines lang verstorbenen Landsmanns Isaac Newton, führt Steven Knight dem Zuschauer vor Augen, wonach auf jede Aktion, eine gleich große, entgegengesetzte Reaktion folgt, welche auf den Verursacher der Aktion zurückwirkt. So überrascht es nicht, dass in „No Turning Back“ auf eine folgenschwere Entscheidung des Hauptcharakters, eine ebenso folgenschwere, entgegengesetzte, nicht aufzuhaltende Entwicklung ihren Lauf nimmt. Knight kitzelt gekonnt viel aus der jedermann-Geschichte hervor, und obwohl man eigentlich nicht viel mehr zu sehen bekommt als Tom Hardy in unterschiedlichen Einstellungen, sowie Detailaufnahmen von Blinker-Kontrolllämpchen, Navigationsansichten und weiterem PKW-Interieur, ist es verdammt spannende Unterhaltung. Hauptverantwortlich hierfür sind das tolle Drehbuch von Knight und Darsteller Tom Hardy, welcher sich wieder mal als Ausnahmeschauspieler beweist. Hardy porträtiert seinen Ivan Locke als einen Normalo mit aufrechtem Charakter, welcher einen Fehler beging, und nun dessen folgenschwere Nachwehen durchzustehen hat. Ivan ist kein Gauner, Gangster, Bösewicht, sondern nur ein normaler Mensch, der sich auf eine Weise falsch verhalten hat, wie es so ähnlich sicherlich auch vielen Zuschauern hätte passieren können, und der nun versucht das Richtige zu tun, selbst wenn es das Falsche ist. Dadurch entsteht in der Geschichte eine Sogwirkung und Dynamik, welche zum mitfiebern und bangen einlädt, und deren Ende lange diffus im Nachtnebel von London vor einem liegt.

Unterm Strich und fertig montiert ist „No Turning Back“ ein sehr nah an der Top-Klasse angesiedeltes Film-Sondermodell mit Servolenkung, Fahrspurassistent, Klimaautomatik, und natürlich integrierter Bluetooth-Freisprecheinrichtung, und ein Kammerspiel auf vier Rädern, welchem trotz (oder gar wegen) des recht simplen Antriebsmomentes ohne viel Schnickschnack, nur selten merklich der Vortrieb ausgeht. Dies liegt vor allem an den geschliffenen Dialogen und dem sowohl intensiven, als sich auch zurücknehmenden Spiel von Hardy, verpackt in einer knackigen und formvollendet schönen Karosse, designt von Regisseur und Autor Steven Knight. Verkehrsbedingt ab und an runter und gar in den Leerlauf zu schalten, kann aber trotzdem nicht verhindert werden, weshalb die kurzen 84 Minuten, durchaus wie 94 Minuten Laufzeit vorkommen. Was aber keinen Grund für eine Rückrufaktion oder gar das Verlassen des Kinosaals darstellen sollte.

Fazit:

„No Turning Back“ gibt einen kurzen Einblick in ein ganz und gar menschliches Drama, und ist der Beweis, wie wenig Ausstattung intelligentes Kino benötigt, wenn Drehbuch, Cast und Inszenierung stimmen. Ein Film über Entscheidungen, Fehler, Konsequenzen, moralische Verantwortung…, erzählt in einem Auto. Absolut sehenswert.

7,5/ 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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