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Kritik:
Oblivion


von Michael Herbst

OBLIVION
(2013)
Regisseur: Joseph Kosinski
Cast: Tom Cruise, Andrea Riseborough, Olga Kurylenko

Story:
Die Erde, wie wir sie kannten, ist nicht mehr. Außerirdische griffen an und konnten zwar größtenteils besiegt werden, besetzen die zerstörte Zivilisation aber noch immer. Von einer Station eines fernen Planeten aus schickt man Arbeiter, die gewaltige Wassergeneratoren, eine der letzten verfügbaren Energiequellen, mit Suchdrohnen bewachen sollen. Einer von den Mechanikern ist Jack (Cruise), der eines Tages etwas vom Himmel stürzen sieht...

Kritik:
Oblivion mag zwar nicht in einer Computersimulation spielen, doch die visuellen Ähnlichkeiten zu Kosinskis Vorgängerfilm Tron: Legacy sind unverkennbar. Die Suits, die Gadgets, diverse Sci-Fi Elemente mit vielen Kreisen und glatten einfarbigen Flächen im Apple-Look, sowie ein konstant groß aufgezogener Electro-Score lassen filmische Verwandtschaft erkennen. Kosinski hat mit seinem zweiten Film demzufolge bereits eine Handschrift vorzuweisen, die zunächst einmal für ihn spricht. Wie in seinem Tron 2 ist auch dieser optisch sehr ansprechend umgesetzt, mit makellosen Special FX, die nie auf einzelne Money Shots aus sind sondern dafür genutzt werden, seine Welt glaubhaft ins Leben zu rufen.

Leider offenbaren sich in der Nähe zu Tron: Legacy auch direkte Mängel. Schwächen, die es schon in dem Disney Film gab wiederholen sich hier und im unausweichlichen Vergleich fällt manches Gleiches blasser aus.

Ein Problem von Flynns Abstecher in den PC war es, dass es als epische Geschichte erfasst werden wollte, die es aber nie war. Der Versuch, dahin zu kommen, scheiterte, doch dafür funktionierte die Vater/Sohn-Geschichte. Es war ein guter Anreiz, dem Vater in den PC zu folgen, und ein ebenso guter wieder herausfinden zu wollen. In Oblivion ist der Epos-Charakter ebenfalls zu finden, aber kleiner gehalten. Verfehlt ist der Antrieb des Helden. Jack führt kein schlechtes Leben. Kein leichtes, aber da er die meiste Zeit mit seinem Gleiter umher fliegt oder Motorrad fährt, nur um abends zu seiner attraktiven Frau zurückzukehren, hat er nur wenig um sich zu beschweren, nimmt dies aber gelangweilt auf. Sein Abenteuer beginnt durch einen impulsiven Schicksalsmoment, aber anschließend ist er dann wieder wie zuvor nur ein kalter, ausdrucksloser Langweiler, der sich monoton und emotionslos von Neugier und Trotz getrieben fortbewegt, der aber nicht mitreißt. Cruise ist hier wie ein menschlicher Wall-E ohne den Pixar-Charme. Auch dieser Wall-E bemuttert eine kleine Pflanze vom ausgetrockneten Planeten, doch Emotionen wollen keine blühen.

In der Rolle seiner Begleiterin zeigt Andrea Riseborough eine schön-fragile Leistung, doch Bondgirl Olga Kurylenko, Nikolaj Coster-Waldau (Game Of Thrones) und Morgan Freeman bleiben unwichtig und austauschbar; Rollen sind das, was sie spielen, so nicht und bei den gewählten Antagonisten fällt es schwer, nicht an ein kürzlich populäres Videogame denken zu müssen. Trons Neonwelten boten mit der Stadt, der Disc Arena, dem Solarsegler, dem Exil und der realen Außenwelt viel Abwechslung. So gut die Welt Oblivions technisch umgesetzt sein mag, so langweilig bleibt diese hier leider visuell. Nach guten 40 Minuten hat man bis auf ein finales, albernes alle Sets gesehen, wodurch der zähe Einstieg des Films ein Trip durch immer gleiche Gegenden bedeutet, die Sci-Fi Fans zu wenig bieten. Über das Ende, und eingestreute Sepia Traumsequenzen, sei der Mantel des Schweigens gehüllt, da sie das Niveau des Films beinahe schlagartig zu senken drohen. Soundtechnisch durfte man beim letzten Mal Daft Punk noch in höchsten Tönen loben, doch Kosinskis neue Band als Komponisten Wahl, M83, erweist sich klanglich als wenig aufregendes Imitat.

Leise Lobeshymnen finden sich in stark umgesetzten Actionszenen, in denen Kosinski erneut sein Händchen für übersichtliche Kamera und schöne Dynamik beweist. Auch bietet der Film, ohne etwas zu verraten, trotz an sich wenig aufregender Rätseljagd willkommene unvorhersehbare Überraschungen, denen man nicht schnell auf die Schliche kommt. Unverzeihlich nur, dass der Film bis auf zwei Actionszenen sonst keinerlei Leben aufweist, nicht berührt oder mitreißt, nichts Originelles bietet und aus den wenigen Charakterideen überhaupt nichts macht.

Fazit:
Technisch elegant, aber identitätsloser, wenig fordernder, wenig bietender Sci-Fi Streifen.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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