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Kritik:
Ohne Limit


von Christian Mester

LIMITLESS (2011)
Regie: Neil Burger
Darsteller: Bradley Cooper, Robert de Niro

Story:
Eddie (Bradley Cooper) ist ein erfolgloser Autor mit schwerer Schreibblockade, der eines Tages ein ungewöhnliches Geschenk erhält: sein in der Pharmazie arbeitender Schwager überlässt ihm eine experimentelle Wunderdroge, die es ihm ermöglicht, sein Gehirn stärker zu beanspruchen. Der Einwurf der Pillen macht Eddie fortan zum hochintelligenten Allesversteher, der sich an die Wall Street begibt und dort als Hotshot schnell das große Geld erzielt. Mit steigendem Erfolg und erhöhter Dosis tauchen jedoch alsbald verschiedene Nebenwirkungen auf, die Eddies Leben in Gefahr bringen: die Droge lässt ihn stundenlange Blackouts haben, während er sich mit seinem scheinbar unverdient raschen Erfolgen bei mächtigen und kriminellen Gegnern (u.a. Robert de Niro) Feinde macht.

Kritik:
Beau Bradley Cooper gehört aktuell zu den angesagtesten Schauspielern seiner Altersklasse, was er primär seinen Auftritten in „Hangover“ und dem „A-Team“ Kinofilm zu verdanken hat. In beiden Filmen spielte er einen adrett gekleideten, immerzu grinsenden Sonnyboy, der die Herzen der Frauen höher schlagen lässt. Rollen, die ihm hervorragend liegen, die ihm bislang aber nichts abforderten. „Ohne Limit“, die Romanverfilmung des Buches „Stoff“ von Alan Glynn, ist demnach seine erste große Hauptrolle nach Bekanntwerden, in der er sich als Leading Man in einer komplierten Rolle zu behaupten versucht. Zwar gibt es auch hier wieder viele Szenen, in denen er wie aus dem Ei gepellt herumstolziert und mit seinen strahlend blauen Augen auf Geschlechterjagd geht, doch hinter der Rolle, die er nur bekam, weil die Erstwahl Shia LaBeouf kurzfristig krank wurde, steckt endlich mehr als das. 

Obwohl es bereits interessant genug zu sehen wäre, Eddies Wandel vom verschrobenen Zottel zum Millionär zu betrachten, ist „Ohne Limit“ keine glatte Tellerwäscher-Geschichte, was in erster Linie mit Eddie selbst zu tun hat. Obwohl er einen recht sympathischen Start hinlegt, ist Eddie kein idealer Schwiegersohn-Typ. Im Laufe der Story kommt er mit kriminellen Machenschaften in Verbindung und merkt zudem, dass er durch die Droge eine Macht erreicht, mit er der seinen Mitmenschen maßgeblich überlegen ist. Macht, die verheißungsvoll wirkt und Möglichkeiten ergeben, die Eddies unstillbaren Durst nach immer noch größeren Erfolgen bedienen. Möglichkeiten, die Eddie des öfteren in Zweifel geraten lassen, zumal er dem Schlechten, dem Unmoralischen, dem Bösen nicht gänzlich abgeneigt ist. Dennoch ist „Ohne Limit“ auch nicht lediglich kritische Ruhmesgeschichte ala „Scarface“ – man sieht also nicht geradlinig, wie er zum eiskalten Lex Luthor-Typ aufsteigt und anschließend dafür bezahlen muss.

Stattdessen, und das ist bereits der größte Mangel des Films, versucht Neil Burger beide Ansätze zu kombinieren und dabei noch Thriller-Elemente hinzukommen zu lassen. Ein Fehlschritt, da Frontmann Cooper in seiner Hauptrolle zwar gut, aber nicht so wuchtig ist, dass er das Gemisch gut/böse zu einer faszinierenden Figur machen könnte, wie es beispielsweise Leonardo DiCaprio und Christian Bale überzeugend hinbekämen (Erstwahl LaBeouf wäre fraglos eine noch wesentlich misslungenere Wahl gewesen). Während der Film nun immer wieder ungenau zwischen gut und böse pendelt, wirft Burger unstrukturiert Gefahr durch Gangster mit hinein, die ebenso wie eine verkorkste Liebesgeschichte mit Abbie Cornish („Sucker Punch“) nur drin sein zu scheint, weil es sonst nicht Mainstream-orientiert genug ist. Da es keine spannende Action- oder Thrillersequenz und keinen Deut Emotion in der Romantikabteilung gibt, wirkt beides unnütz und deplatziert. In dieser Hinsicht bleiben sowohl Cornish, als auch Robert de Niro, die beide solide, aber nicht weiter auffällig sind, nicht mehr als Kurzauftritte. 

Der Film sieht schick aus, hat interessante Kamerafahrten und stellt die jeweiligen Trip-Zeiten mit visuellen Kniffen gut dar, doch insgesamt scheint es, dass Burger einen insgesamt relativ ähnlichen Film, einen alten Klassiker zu imitieren versucht: David Finchers „Fight Club“. Dazu gehören neben der bissgen Selbstfindungs-Story eines Mittdreißigers vergleichbar starke Farben in den Bildern, flotte Schnitte und Überblendungen, und fraglos: ein regelmäßiger Kommentar aus dem Off. Als Companion Piece passen beide Filme von Machart und Inhalt her sogar gut zueinander, da vieles in „Ohne Limit“ kritischen Blick auf die junge Gesellschaft wirkt, wenn auch nie in der Direktheit, mit der es Tyler Durden in seinem Film anspricht. Mit einigen Änderungen hätte „Ohne Limit“ sogar eben so gut und ein neuer Kultfilm werden können. Wieso Durdens Brillanz nicht erreicht wird? Fehlender Fokus, fehlende Sorgfalt, fehlende Intensität. Im direkten Vergleich wirkt „Ohne Limit“ weniger durchdacht, weniger bissig, regt weniger zum Mit- und Nachdenken an, wirkt die Hauptfigur nicht ganz so interessant. Es misslingt, die Frauen und Gefahren in Eddies Leben passgenau als gute Elemente seiner Geschichte zu erzählen - sie sind da, aber ungünstig eingebunden. Abschließend darf man jedoch preisen, dass das Ende unerwartet und somit überaschend ausfällt. Ein für Hollywood-Filme sehr unüblicher Abschluss, der zwar tonell ebenso schwammig erscheint wie der Rest des Films, ihn aber auf interessanter Note enden lässt. 

Fazit:
„Ohne Limit“ ist ein Film, wie man ihn nicht allzu oft zu Gesicht bekommt: eine unterhaltsame Sci-Fi Geschichte mit interessanter ‚was-wäre-wenn‘-Frage, die als gesellschaftskritischer Selbstfindungstrip ala "Fight Club" präsentiert wird. Etwas unausgegoren und nicht so gut gespielt wie man das Material alternativ angehen könnte, aber ansehnlich umgesetzt und sympathisch.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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