BG Kritik:

Ouija - Ursprung des Bösen


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Ouija - Origin of Evil (US 2016)
Regisseur: Mike Flanagan
Cast: Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson, Henry Thomas

Story: Die jüngste Tochter des vorgeblichen Mediums Alice Zander (Elizabeth Reaser) wird mit Aufnahme eines Ouija-Brettes ins Repertoir der betrügerischen Zeremonie offenbar von einer echten übernatürlichen Kreatur kontaktiert, und alsbald kontrolliert. Kurz darauf sterben Menschen im Umfeld der Familie. Die Vorgeschichte zu Ouija: Spiel nicht mit dem Teufel.

"In Freundschaft vereint, im Herzen treu. Kommt zu uns Geister, habt keine Scheu. Ist jemand hier bei uns?"

Nur Lin Shaye ist aus dem ersten Ouija Film dabei.


Es poltert des nachts im Haus einer Familie, unheimliche Schatten huschen am Rande des Bildausschnitts durchs Bild, eine Bettdecke wird mitten im seeligen Schlaf weg gerissen und ein kleines Mädchen spricht mit der Stimme eines erwachsenen Mannes. Und es soll noch viel schlimmer kommen. Nein, das hier ist nicht der neueste Streich aus dem Conjuring-Universum von James Wan, - die Ähnlichkeiten mit den Conjuring-Filmen sind aber nicht von der Hand zu weisen - sondern der neue Ouija, und die Vorgeschichte zum Horror Sleeper-Hit Ouija: Spiel nicht mit dem Teufel. Jener Ouija war nicht gut. Nein, genauer gesagt war der Film sogar über weite Strecken äußerst schlecht, da aus einer eigentlich guten Grundidee einer Kontaktaufnahme mit jenseitigen Kräften via eines Ouija-Brettes, nahezu keine Spannung oder Schockmomente generiert wurden. Aber da jener Ouija: Spiel nicht mit dem Teufel bei einem fünf Millionen Budget über 90 Millionen allein im Kino machte, musste er den ungeschrieben Gesetzen des Filmes folgend, eben doch fortgesetzt werden. Genauer gesagt ja eben nicht fortgesetzt, erzählt man diesmal – und wie der Untertitel schon so fein erklärt – vom Ursprung des Bösen aus Ouija, und was für unheimliche Spiele auf dem Hexenbrett in 1967 gespielt wurden. Olivia Cooke greift hier also noch nicht zum Hexenbrett, stattdessen spielen die ebenfalls talentierten Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson sowie Henry Thomas (ja, so lange ist E.T. - Der Außerirdische schon her) die neuen Hauptrollen im lediglich eine Million Dollar teureren Prequel.

Anders als Vorgänger Stiles White (der mit Ouija sein Regie-Debüt gab) ist der nun verantwortliche Regisseur Mike Flanagan bereits sowas wie ein Routinier im Horror-Geschäft, und hat sich zumindest als ein solider bis guter Vertreter heraus gestellt. Mit Hush (in Deutschland als Still zu finden) lieferte er gar eine kleine Perle ab, und so verwundert es irgendwie auch nicht, dass Flanagan einen besseren Film abliefert als sein Vorgänger. Er vermag es Spannung aufzubauen und zumeist auch aufrecht zu erhalten, hat dabei sogar ordentliche Charaktere und einige nette Schockmomente zu bieten. Getragen von Hauptdarstellern die einen guten Job machen und deren Figuren gar ausreichende Tiefe und Kanten spendiert bekommen, wobei vor allem die junge Lulu Wilson als von dämonischen Kräften beseeltes Medium als besonders überzeugend heraus sticht. Fast alles Dinge, von denen Ouija fast nur träumen zu vermochte. Flanagan kombiniert hierbei gekonnt das Sein und den Schein, indem er zuerst das Treibens von Familie Zander in einer Séance-Szene vorführt, und wie diese vorgibt den Kontakt zu Verstorbenen zu ermöglichen. Mithilfe ihrer Töchter Lina (Annalise Basso) und Doris (Lulu Wilson) gaukelt Mutter Alice ihren trauernden Kunden allerdings lediglich vor, sie könne mit Verstorbenen in Kontakt treten. Natürlich nur, damit sich ihre Kunden besser fühlen und einen Abschluss finden können, nachdem ein geliebter Mensch von ihnen ging, heißt es hierzu von Mutter Alice gegenüber ihrer kleinen Tochter. Ein finanzieller Anreiz fließt aber zumeist auch, Geld, welches die Familie auch dringend benötigt, da der bisherige Ernährer und Vater erst kürzlich verstarb. Bald darauf wird ein Hexenbrett bespielt, Schatten huschen durchs nächtliche Haus, Augen werden weiß, Münder zugenäht... der Ablauf ist bekannt, sofern man den ersten Teil gesehen hat. Es ist nur besser gemacht, auch wenn die leider allzu oft digital erweiterten Effekte leider ab und an etwas unfertig ausschauen und man mit einer höheren Altersfreigabe evtl. noch effektiver und wirkungsvoller gewesen wäre. So wirkt beispielsweise das erwähnte Zunähen des Mundes, doch weiterhin etwas unfreiwillig komisch.

Regisseur Flanagan drehte u.a. Oculus.


Zwar digital gedreht und entsprechend bearbeitet, vermittelt der Film dennoch ein angenehmes 60er Jahre Feeling, da Stimmung und Look gut passen. Von der Ausstattung, bis hin zu Fernsehberichten über die geplante Mondlandung wird die Geschichte angenehm stimmig und voller Details und geradezu detailverliebt zum Leben erweckt. Beginnend mit dem alten Universal-Logo und nicht endend mit den in Zeiten digitaler Projektion fast vergessenen Achtungs- und Überblendzeichen für den Filmvorführer. Also während der Vorführung ruhig mal in die obere rechte Ecke blicken, und das Detail genießen. Ja, man macht deutlich mehr richtig, als falsch. Zumindest was den eigenen Film angeht. Denn ihre Hausaufgaben haben Flanagan und sein Co.Drehbuchautor Jeff Howard (hat auch schon Before I Wake und Oculus mit Flanagan getippt) ganz offensichtlich nicht gemacht. In diesem Punkt sind beide durchgefallen, und wer Teil 1 noch ganz gut im Hinterkopf hat, wird die Verbindung zu Ouija direkt raus haben, und dabei sicherlich auch die eine oder andere dicke Ungereimtheit in der Story finden. Wenn schon Prequel, dann doch auch bitte mit bei den Fakten von Teil 1 verbleiben. Hier werden stattdessen aber etliche in Teil 1 festgehaltene Dinge geradezu völlig durcheinander gebracht und teilweise um 180 Grad verdreht.

Einfach nur eine neue Geistergeschichte mit einem Ouija-Brett in der Handlung wäre hier offenkundig die bessere Wahl gewesen. Ein neuer Ouija in unabhängiger. Oder alternativ vor dem Dreh eines Prequels doch mal die neuen Kreativen für 90 Minuten vor den Erstling setzten, und mit mehr Sorgfalt an die Story der Vorgeschichte heran gehen. Das mag nun nach einem weiteren schlechten Film klingen, dem ist aber nicht so. Es ist nur ein schlechtes Prequel, so paradox das auch erscheinen mag. Blendet man die massenhaften Ungereimtheiten - zum ohnehin kaum sehenswerten - Teil 1 aus, so ist Ouija 2: Ursprung des Bösen ein recht guter, vornehmlich und lange ruhiger Geister-Horror geworden. Also falls Teil 1 nicht gesehen, so sollte der vielleicht auch nicht vor dem Kinobesuch des Prequels nachgeholt werden. Dann unbelastet in den Ursprung des Bösen und einen netten Gruselfilm ansehen, da der auch völlig ohne Vorkenntnisse funktioniert. Zwar versteht man in diesem Fall die Abspannszene nicht, was aber ein kleines Manko darstellen sollte, so im Vergleich mit den Ungereimtheiten, die mit dem Wissen einher gehen. Zudem erzählt die Szene einem nur das, was man eh schon wissen müsste und ist kaum mehr als ein Bonbon für all jene, die den zähen und unspannenden ersten Ouija ertragen haben. Von Hut ab und Applaus ist man mit Ouija 2: Ursprung des Bösen objektiv betrachtet zwar noch immer ein gutes Stückchen entfernt, aber im Anbetracht des qualitativen Sprunges zum ersten Teil, ist man trotzdem fast geneigt dazu, denn der Blick durch das Glas dieser Ouija-Planchette sorgt recht sicher für den einen oder anderen Schockmoment. Das Prequel ist hier deutlich effektiver als der Vorgänger, auch wenn ein paar manchmal billig wirkende und zu altbekannte Genre-Tricks drin sind. Manche davon funktionieren, und manche eben weniger. So ist der neue Ouija ein recht ordentlicher und gut atmosphärischer Vertreter des Geister-Horror Genres geworden, der ähnlich wie, aber nicht ganz so stark wie James Wans Conjuring-Reihe ist, und dessen Erklärung des Bösen leider unterwältigt.

Fazit:

Ouija: Ursprung des Bösen stellt einen der seltenen Fälle dar, wo ein Nachfolger einer Filmserie seinen Vorgänger in nahezu allen Belangen übertrumpfen kann, ist aber auch mal wieder ein Prequel, was als solches wegen Ungereimtheiten kaum funktioniert. Das gibt Abzüge in der B-Note. Den Vorgänger außen vor gelassen ist der neue Ouija Streifen aber ein mit ganz guter und spannender Atmosphäre daher kommender kleiner Grusler mit Geistern und Hexenbrett.

5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich