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Game Kritik:
Outcast: Second Contact


von Christian Mester

Outcast: Second Contact
(2017)
Entwicklungsstudio: Appeal
Publisher: Bigben Interactive

Story:
Hmm... im Grunde hat Outcasts Konzept frappierende Ähnlichkeiten zu Roland Emmerichs Stargate Film (ja, es gab vor den vielen Serien tatsächlich noch einen Kinofilm) mit Kurt Russell. Auch hier reisen Wissenschaftler und Soldaten durch ein Sternentor in eine andere Welt, und wie es der Zufall so will, hat der Hauptsoldat aus diesem Spiel, der dann allein unterwegs ist, die dt. Synchronstimme von Kurt Russell. Fehlen nur noch Goa'uld und ägyptische Motive, doch man kann ja auch mal woanders landen. Stargate SG2?

Kritik:
Okay, Outcast: Second Contact ist nicht sonderlich originell und dazu konzeptionell auch noch relativ altbacken, denn hinter dem Vollpreistitel verbirgt sich ein HD Remake eines gefeierten Spiels aus dem Jahr 1999. Eines unaufhaltsamen Spiels, denn obwohl die Verkaufszahlen damals nicht genügten und das Studio inmitten der Produktion des Sequels stargatend bankrott ging, blieb die Marke weiter am Leben. Nach mehreren Open Source Fanversuchen, Outcast zu revitalisieren, holten sich die alten Macher aus Belgien - die, wer weiß was auch immer zwischen Outcast und Outcast Remake gemacht hatten - die Rechte zurück und kickstarteten einen Kickstarter. Der sein Ziel dann nicht erreichen sollte. Störte die Belgier aber nicht, die sich einfach schulterzuckend mehr Schokolade reinstopften und den Rest dann eben irgendwie "anders" zuende finanzierten.

Das Resultat ist ein Spiel, das zwar grafisch und interface-technisch nicht mit heutigen Triple A Titeln mithalten kann, doch auch 18 Jahre nach Release des Originals nichts von seinem Charme verloren hat und auch heut noch faszinieren kann.

Ihr spielt einen bärbeißigen, stets genervten Soldaten, der allein in einer außerirdischen Welt landet und irgendwie wieder nach Haus finden muss. Adelpha besteht aus sechs unterschiedlichen Gegenden (Wüste, Dschungel, Schneegebiet, Stadtbazar, Farmland und Sumpf) zwischen denen man mit Hilfe von Stargates hin- und herreisen kann. Bevölkert ist die Welt von Talanern, relativ simplen humanoiden Wesen, die alle für ihren mysteriösen König und seine brutalen Talanerkrieger schuften. Da euch keiner aus reinem Mitgefühl helfen will und Slade eh nicht der netteste ist, müsst ihr euch das Vertrauen des Volks verdienen, damit es euch dabei hilft, das nötige Gerät für die Heimreise zu basteln. Das beginnt mit kleineren Gefallen und Botengängen, und wird, man kann es sich schon denken, selbstverständlich darin enden, dass man ihren gefürchteten Tyrannen stürzt. Ihr schlichtet Streits zwischen verfeindeten Händlern, sucht Diebe, befreit Sklaven, holt entlaufene Nutztiere zurück, sucht Schätze, stellt euch gefürchteten Monstern, reibt euch mit Monsterkacke ein, besucht ein Gefängnis im Wasser, kämpft gegen spuckende Sumpfranken, springt über Lavaflüsse, untersucht alte Tempelanlagen, passiert Labyrinthe mit Fallen und vieles mehr. Die meisten der Talaner haben eigene Persönlichkeiten mit größeren und kleineren eigenen Geschichten, und mit fortschreitender Handlung nehmen viele Bezug auf das, was in der Welt passiert.

Die Eingeborenen sprechen zwar alle eure Sprache, haben aber ein umfassendes eigenes Vokabular, das ihr nach und nach auch erlernt. So wisst ihr nach einer Weile, was es mit den Begriffen Ulukai, Rizi, Fandazma, Daoka und Helidium auf sich hat. Im Remake gibts dazu immer wieder hilfreiche Notizen in den Untertiteln, sodass ihr gut zurecht kommt. Dennoch ist Outcast kein Spiel für jeden, denn viele dürften Probleme mit der Tatsache haben, dass man ansonsten nicht an die Hand genommen wird. Es gibt kein klares Questlog und keine Markierung zum nächsten Ziel - davon ab herrscht eh so eine Handlungsfreiheit, dass ihr jederzeit entscheiden könnt, ob ihr erstmal mehr von der Sumpfwelt erkundet, erst den Farmern mit ihren Reittieren helft oder alternativ erstmal wieder aufrüsten geht. Anscheinend muss jede Menge Ausrüstung vor euch eingetroffen sein, denn in der Welt von Adelpha findet ihr überall verstreute Munition und Gadets von der Erde. Zusätzlich könnt ihr euch bei Händlern neue Waffen kaufen und in Schmieden Munition nachbauen lassen. Allerdings gibt es kaum Erklärungen, was welche Waffe kann, wo ihr die nächste erwerben könnt oder wie es überhaupt weitergehen mag. Das betrifft auch diverse andere mysteriöse Gegenstände, bei denen ihr lange im Unklaren bleibt, was ihr damit anfangen sollt Das verschafft zwar ein glaubhafteres Bild, allein in einer fremden Welt unterwegs zu sein, kann aber mitunter auch mal schwierig ausfallen. Also? Immer wieder Talaner ansprechen. Tatsächlich sind die Gespräche ausgesprochen wichtig, und da sie stets kurz und oftmals amüsant gehalten sind, ertappt man sich nicht dabei, alles skippen zu wollen.

Outcast hat so seine Macken. Macken, die vor allem in einer aufwändig durchgeführten Neuauflage nicht mehr da sein sollten. So ist das Spiel häufiger mal recht buggy. Slade schwebt dann plötzlich irgendwo in der Luft oder in einem Felsen, versucht ein unsichtbares Haus hochzuklettern oder fällt einfach mal durch den Boden. Zwar behebt ein Neustart des Spiels jeden auftauchenden Bug, aber weil man dem Autosave nicht zu sehr vertrauen kann, sollte man häufiger mal separat speichern. Es gibt keinen Multiplayer, keinen Coop-Modus. Die maue Introsequenz ist eine billige Sammlung von Standbildzeichnungen, die nicht gerade den einladendsten Eindruck machen. Dann: dafür, dass Slade ein Elitesoldat sein soll, bewegt er sich oft wie ein Rentner mit Hüftproblemen. Sprungsequenzen sind eine solche Katastrophe, dass Nathan Drake nur mit dem Kopf schütteln kann. Die Gamepadsteuerung ist ungenau und die englische Synchro, sollte man sie denn wählen, ist im Vergleich zur genialen Deutschen zum Einschlafen langweilig. Manch einem mag missfallen, wie wenig Kontakt Slade zu anderen Menschen hat.

Dafür ist löblich, dass Slade im Gegensatz zu vielen anderen Adventurehelden unendlich (!) Platz in seinem Inventar hat und man somit nicht ständig ausmisten oder verkaufen gehen muss. Es gibt keine Quick-Time-Sequenzen, und praktisch ist auch, dass man nahezu jeden Talaner fragen kann, wo sich denn ein gesuchter anderer gerade aufhält - ein Feature, dass es in kaum einem anderen Spiel gibt. Die Kämpfe sind relativ einfach und machen Spaß, sofern man nicht auf zu viele Soldaten auf einmal trifft oder man zu sehr mit der Steuerung zu kämpfen hat. Letzten Endes liegt die Fairness bei einem selbst, da es immer drauf ankommt, wie gut man sich vorbereitet und ob man schon in Gebiete vorstoßen will, für die man eventuell noch nicht bereit ist.

Ach ja, und dann wäre da noch die Präsentation. Outcast: Second Contact sieht um Welten besser aus als das originale Outcast und ist, auch wenn's nicht mit aktuellen Toptiteln wie Horizon: Zero Dawn oder The Witcher 3 mithalten kann, eine echte Wucht. Die unterschiedliche Flora und Fauna geben bestes Avatar/John Carter/Star Wars Feeling und man kann richtig herrlich dabei abschalten, diese andersartige Welt zu Fuß zu erkunden. Untermalt wird das Ganze von einem sensationellen Score vom Moskauer Symphonieorchester, der in seiner Epik an die John Williams' Glanztaten heranreichen kann und sich dynamisch ans Spielgeschehen anpasst. Wird die Musik auf einmal treibender und finsterer, kann man sich sicher sein, dass sich Feinde im Anmarsch befinden.

Fazit:
Es ist nicht so leicht, dieses neue Outcast zu bewerten. Sieht man es als modernen Triple A Titel, versagt es aufgrund seiner Mängel, wirkt ungelenker als ein Uncharted, simpler als ein Skyrim und kleiner
als ein Mass Effect. Als polierte Neufassung des Klassikertitels ist es jedoch eine strahlende Erinnerung an eins der besten Spiele der 90er, das damals tatsächlich gar revolutionär und nicht altbacken war, und jetzt in neuer Grafik auch heut noch super spielbar ist. Die Welt der Talaner ist und klingt bildschön; es entspannt und macht Spaß, sie zu erkunden. Dazu hat der Held die Feststimme von Kurt Russell bzw. Bruce Willis. Dass es zu Release so teuer und doch noch so buggy ist, darf man wohl dem misslungenem Kickstarter verdanken, aber es ist bemerkenswert, dass sie das Spiel trotz aller Hindernisse doch noch fertig gestellt haben. Wer sich von kleineren Mätzchen also nicht abhalten lässt, sollte warten, bis es etwas im Preis gefallen ist und dann unbedingt zuschlagen. Weil

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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