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Kritik:
Pacific Rim


von Christian Westhus

PACIFIC RIM
(2013)
Regisseur: Guillermo del Toro
Cast: Charlie Hunnam, Rinko Kikuchi, Idris Elba

Story:
Sie sind 90 Meter hoch und werden von zwei Menschen synchron mit Gedankenverschmelzung gesteuert: Jaeger. Riesige Mechs, die nur zu einem Zweck gebaut wurden: gigantische Kaiju-Monster aufzuhalten, die seit einiger Zeit aus einem Dimensionsrift am Grunde des Pazifiks klettern und munter Städte in Schutt und Asche legen. Als die Frequenz der Angriffe zunimmt, sehen die Menschen dem Ende ihrer Tage entgegen...

Kritik:
Immer größer, immer höher, immer weiter. Die inoffizielle Hollywood-Maxime der ständigen Sebstübersteigung hat insbesondere das Unterhaltungs- und Spektakelkino der letzten Jahre maßgeblich beeinflusst. Die Effekte wurden gewaltiger, die Budgets absurder, die geschaffenen Welten und Wesen noch außergewöhnlicher. Es muss auch um mehr gehen. Im Actionfilm reichte es für gewöhnlich nicht mehr, wenn ein paar wenige Leben auf dem Spiel stehen, es muss im besten Fall schon die ganze Welt sein. „Pacific Rim“ präsentiert sich nun wuchtig und selbstbewusst als selbsternannter vorläufiger Höhepunkt im Überbietungswettstreit effektvoller Zerstörungsorgien. Anders als in Naturkatastrophenfilmen wie „2012“ sind es hier einzelne Wesen und Figuren, die für exorbitanten Schaden sorgen; Roboter und Monster. Roboter, gesteuert von zwei Menschen, als letzte Verteidigungsinstanz im Kampf gegen Monster, die durch einen interdimensionalen Riss (oder so) auf die Erde gelangen. Monster in Übergröße, die, stünde ihnen danach der Sinn, Linienbusse aus dem Straßenverkehr als Zahnstocher benutzen könnten. In Anlehnung an Godzilla, japanische Mecha-(Roboter-)Animationsfilme und -serien, aber natürlich auch als Reaktion auf die enorm erfolgreichen Transformers tritt „Pacific Rim“ auf. Lärmiger Radau als Liebeserklärung an den inneren Zehnjährigen, wenn urig benannte Metallgiganten röhrende Monster durch hochragende Großstädte prügeln. 

Von einer derartigen Grundidee erwartet man im heutigen Blockbusterkino kaum mehr als kurzweilige Unterhaltung. Wir sind so daran gewöhnt idiotische Handlungen, konfus entwickelte Figuren und halbherzig durcheinander gewürfelte Themen zu ignorieren und zu tolerieren, Hauptsache es geht dazwischen ordentlich zur Sache, dass wir durchschnittlich originelle, aber immerhin nachvollziehbare Handlungen häufig kritischer aufnehmen. Zumindest wenn unsere Lust auf Spektakel und Radau nicht ausreichend befriedigt wird. Auch für Regisseur Guillermo del Toro hat sich eine Erwartungshaltung verhärtet, die nach mehr verlangen lässt, nach Außergewöhnlichem. Del Toro, der bekennende Monsterliebhaber, der in „Pans Labyrinth“ und den „Hellboy“ Filmen einige der ungewöhnlichsten und originellsten Kreaturen der letzten Jahre erschuf, gilt als zu kreativ für simple Unterhaltung. Del Toro ist kein Michael Bay. Was bei den Transformers positiv herausgehoben würde reicht bei del Toro – so der Verdacht – nicht aus.

„Pacific Rim“ funktioniert. Es ist keine Revolution, kein Meilenstein, wohl aber ein ohne große Verrenkungen und Zugeständnisse konsumierbarer Unterhaltungsfilm. Und so banal und berechnend das klingen mag, in einer Zeit, in der uns das amerikanische Massenunterhaltungskino mit wahnwitzig aufgeblähten Absurd-Plots, karikaturhaften Figuren und einer Dramaturgie auf Steroiden jedes Gespür für funktionierende Unterhaltungsgeschichten weghämmert, sollte man vielleicht nicht nach den Sternen greifen, nur weil der Regisseur am Ruder gelegentlich auch mal gehaltvollere Filme macht. Natürlich ist das meist simpel, recht vorhersehbar und auch klischeehaft, was in „Pacific Rim“ vor sich geht. Und wollte man dem eigenen Anspruch, den man durch die präsentierte Größe vorgibt, gerecht werden, hätte da mehr kommen müssen. Und doch funktioniert der Film. Es geht von A über B nach C und das erfreulich problemlos und schmerzfrei. Kann man die technischen und situativen Grundlagen der Handlung vom Kampf der Titanen aus Fleisch und Metall akzeptieren, bleibt man von logischen Abstürzen weitgehend verschont. „Pacific Rim“ ist häufig genug wirklich amüsant, witzig sogar, ohne in niveaulose Albernheiten abzudriften, ohne sich gezwungen und peinlich imaginierten Jugendtrends anzubiedern und diese nachzuäffen. Wie die Filme von James Cameron („Avatar“) nutzt auch dieser Film altbewährte Grundmuster in Personal und Handlung und belässt es dabei, ohne sich mit einer am Ende nicht glaubwürdigen übereifrigen Charaktermotivation, mit einer nicht ganz durchdachten thematischen Idee selbst ein Bein zu stellen. Es sorgt dafür, dass uns das gewaltige Effektgewitter auch abseits der oberflächlichen „oah, geil, Kabumm“ Reize erreicht. Ein Film für die Ewigkeit sieht anders aus, aber für eine gute Zeit im Kino reicht das allemal.

Im Zentrum der Handlung stehen der männliche Held wider Willen, eine junge Frau als Frischling, sowie der erfahrene Veteran. Sie alle haben ihre Grundmotivationen, agieren glaubwürdig miteinander, machen in ihren Taten und Aussagen überwiegend Sinn. Nächsten Monat werden wir uns an Raleigh Becket (Charlie Hunnam ist nun auch nicht unbedingt der charismatischste Typ) kaum noch erinnern, aber wenn er und Rinko Kikuchi als Mako Mori im Gipsy Danger genannten Jaeger Kaijus kloppen gehen, sind sie uns als Figuren präsent genug, dass uns ihr Schicksal nicht total egal ist. An der Seite des zentralen Trios haben wir noch den obligatorischen fiesen Rivalen, ein leicht überzeichnetes, aber sehr (sehr) unterhaltsames Duo zweier sehr unterschiedlicher Wissenschaftler, einen sympathischen Null-Charakter als technischen Assistenten und einen Schwarzmarkthändler in Gestalt von Ron Perlman. Man hätte das alles natürlich gerne noch besser ausgearbeitet, intelligenter, abwechslungsreicher, aber Luke Skywalker war nun auch nicht der komplexeste Charakter unter der Sonne. Als nötige charakterliche und emotionale Fixpunkte inmitten des brachialen Krawalls funktionieren sie. Das beste Beispiel ist eine Szene – und wie sie sich auf die weitere Handlung auswirkt – in der ein kleines Mädchen vor einem Kaiju wegzurennen versucht. Ein atemberaubender Moment, den wir im Kino nicht mehr häufig bekommen.

Del Toro und Autor Travis Beacham finden eine gelungene Mischung aus markigem Action- und Effektkino, von Pathos geschwelte Reden, simplen Figuren und einer angemessenen Dosis Humor. Das Konzept der zwei Piloten im Jaeger, per Gedankenstrom verbunden, ist faszinierend und für die vielen anrennenden Monsterhorden investiert man sogar Zeit, um eine etwas greifbare Mythologie zu entwickeln. Im Mittelteil nimmt man für längere Zeit mal ordentlich Tempo und Spektakel raus und dennoch wollen wir in erster Linie, dass es scheppert. Das ist natürlich auch den Figuren geschuldet, die funktionieren, aber nicht dauerhaft beschäftigen. Krachen muss es und das tut es. Wunderschön, die nächtlichen Skylines der bedrohten Städte während der Angriffe, die unzähligen Neonlichter Hongkongs, die Silhouetten von Jaeger und Kaiju, gepeitscht von Regen auf hoher See. Doch da liegt auch direkt ein Problem. Man will sich überfessen an Robotern und Monstern, an dieser brachialen Kraft und Zerstörungswut, die wüst und technisch herausragend inszeniert sind. Schnell fällt jedoch auf, dass nahezu sämtliche Kämpfe nachts, bei schlechter Witterung und mit allerhand Gegenlicht stattfinden. Die (eigentlich gelungene) Kamera ist häufig einen Hauch zu nah, der Schnitt hin und wieder einen Hauch zu flott. Hier musste kaschiert werden, womöglich um Geld zu sparen. 

Es kracht gewaltig, zweifellos, mit Witz und Erfindungsreichtum, aber Effekt- und Designfetischisten kommen eventuell zu kurz. Vom protzigen Hochglanz-Abziehbild-Spektakel der Transformers (insbesondere Teil 3) ist man hier weit entfernt. Und die Monsterdesigns ist man von Guillermo del Toro auch irgendwie origineller gewohnt. Zu selten auch können wir die Dinger überhaupt mal in ihrer majestätischen Urgewalt bewundern. Die Jaeger, deutlich abwechslungsreicher, aber schnell verheizt, führen kuriose Waffen mit sich, die jedoch zu selten eingesetzt werden. Mit den Raketen, Schwertern, Häckslern und Rammbolzen geht man zu spärlich um, mit zu geringer Lust an kindlicher Robo-vs-Monster-Spielerei. Damit verhält es sich wie mit dem gesamten Film. Der macht Spaß, unterhält, funktioniert, aber als ultimative Liebeserklärung an jung gebliebene Unterhaltungsfilmtagträumereien ist noch Luft nach oben.

Fazit:
Roboter gegen Monster als Effektbombast. „Pacific Rim“ ist nicht der erhoffte Meilenstein, könnte origineller und auch spaßiger sein. Aber er funktioniert und unterhält, mit einer simplen Grundhandlung, einer aufs Wesentliche beschränkten Figurenmotivation und einigen wunderbar gelungenen Einzelszenen.

7 / 10
 

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