Kritik:
Panique au Village
von
Christian Westhus
PANIQUE AU VILLAGE (2012)
Regie:
Stéphane Aubier, Vincent Patar
Story:
Cowboy, Indianer und Pferd leben in einem beschaulichen kleinen Dorf in
einer Art Wohngemeinschaft. Weil die beiden Chaoten Cowboy und Indianer
wie üblich andere Dinge im Kopf haben, vergessen sie den
Geburtstag von Pferd und stürzen sich in der letzten Minute in
eine Geistesblitzidee, was sie Pferd schenken könnten. Damit
lösen sie eine verheerende Kettenreaktion aus, die Panik im
kleinen Dorf verursacht.
Kritik:
Der belgische
Animationsfilm „Panique au Village“ nahm seinen
Anfang zu Beginn des Jahrtausends als TV-Serie. Zwanzig jeweils kaum
5-minütige Episoden gab es, ehe 2009 nun dieser erste Langfilm
zur Serie entstand, der auch ganz ohne Serienkenntnisse genossen werden
kann, wirkt er selbst doch reichlich episodisch. Die Handlung, die sich
auf immer absurdere Wege vorwärts bewegt, dient in erster
Linie dazu, die eigenwillige Animationstechnik, die schrillen Ideen und
den grenzgenialen Humor in einem halbwegs nachvollziehbaren Rahmen zu
präsentieren. „Panique au Village“ ist ein
sinnloser Schabernack und als solcher schlicht grandios.
Die
wunderbar bunten, erstaunlich detailreichen Kulissen bieten den
Handlungsraum für die Figuren. Das Team des Regie-Duos
Stéphane Aubier und Vincent Patar erweckt eigentlich
unbewegliche Hartplastik-Spielzeugfiguren zu Leben und schickt sie auf
einen überdrehten Hochgeschwindigkeitstrip in den Wahnsinn.
Die Bewegungen, obwohl flüssig, sind natürlich alles
andere als realistisch, aber das ist auch gar nicht nötig.
Auch die begrenzte Mimik der handbemalten Minifiguren tragen noch eher
zur gefühlten Geschlossenheit dieser Welt bei, in der ein
Cowboy, ein Indianer und ein sprechendes Pferd nicht nur in einer WG
zusammen leben, sondern auch genau so heißen.
Diese Spielzeugkistenwelt aus
dem 80er Kinderzimmer muss man praktisch selbst gesehen haben. Allein
im Badezimmer, das teilweise mit Gegenständen für
reale Menschen bestückt ist, kann man sich an Details kaum
satt sehen, und wenn Indianer in einer kleinen Kiste badet und ein
zehnmal größeres Zeichenbrett heraus holt, ist klar,
in was für einer Welt man sich hier befindet. Cowboy und
Indianer sind das jugendlich ungestüme Chaotenduo, das am
liebsten nur spielen oder faulenzen will und unter Druck auf dumme
Ideen kommt. Pferd „Cheval“ wirkt wie der allein
erziehende Vater, der sich gerade in die Musiklehrerin
(natürlich auch ein Pferd) verliebt hat. Und die ohnehin schon
überdreht absurden Ideen nehmen Überhand, wenn
plötzlich über Nacht halb fertig gebaute
Häuser verschwinden. Cowboy, Indianer und Pferd gehen dem nach
und verbringen schreiend komische Episoden am Mittelpunkt der Erde, in
der Arktis und unter Wasser.
Der hier präsentierte
Humor ist ein schwer zu beschreibendes Unikum. Infantile Rabaukerei,
Absurdität, Anarcho-Einfälle, überdrehter
Slapstick und irre Dialoge. Der französischen
Sprecher-Abteilung muss man ein besonderes Lob aussprechen, denn selbst
ohne Französischkenntnisse ist das schrille Hin und Her der
cartoonigen Stimmen ein richtiger Genuss. Nach Sinn, nach
Kohärenz oder Logik braucht man gar nicht zu suchen.
„Panique au Village“ ist ein greller
Spaß, bei dem man schon positiv überrascht ist, dass
sich die Figuren am Ende charakterlich tatsächlich weiter
entwickelt haben. Was Cowboy und Indianer hier gelernt (und am
nächsten Morgen wohl wieder vergessen) haben, ist relativ
klassisch, vielleicht gar banal, aber eben auch gar nicht Sinn und Zweck dieses hysterischen
Durcheinanders, das einfach grenzenlos gute Laune verschafft.
Fazit:
Ein
herrlich ungewöhnlicher Animationsstil, skurrile Einfälle,
absurde Ideen und überdrehte Figuren. Ein mordsmäßig
unterhaltsames Fun-Tohuwabohu, das wenig Sinn, dafür umso mehr
Spaß macht.
8,5 /
10
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