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Kritik:
Paranormal Activity 3


von Christian Mester

PARANORMAL ACTIVITY 3 (2011)
Regie: Ariel Schulman, Henry Joost
Cast: Lauren Bittner

Story:
Nachdem Paranormal Activity 2 bereits ein Prequel zum ersten Teil war, ist Paranormal Activity 3 nun eins zum zweiten - demnach die Vorgeschichte zur Vorgeschichte. Gezeigt wird die Kindheit der beiden Schwestern Katie (Teil 1) und Kristi (Teil 2), die in den 80ern eine erste Begegnung mit dem unsichtbaren Dämon erlebten, der sie später plagte. Wieder fängt es mit ersten unheimlichen Erlebnissen an, die dazu führen, dass ihr Stiefvater, ein Kameramann, im Haus Kameras verteilt und der Sache auf den Grund gehen will. Was er aufzeichnet, verschlägt ihnen die Sprache...

Kritik:
Zwei Uhr nachts. Eine Kamera schwenkt langsam zwischen einem spärlich beleuchteten Wohn- und Esszimmer, in dem jemand sitzt und etwas liest, hin und zurück. Hin. Zurück. Und wieder... Moment. Da war doch etwas? Gebannt wartet man also elendig lange 15 Sekunden, bis die Kamera wieder zurück fährt. Doch was auch da war, ist fort. Und dann, gerade, bevor man langsam entspannt und meint, es sei bloß wieder eine von den vielen Szenen, in denen ja doch nichts passiert...

Es ist eine simple Idee, aber eine, die (immer noch) bemerkenswert funktioniert. Schon im ersten Teil wurden ungemein fesselnde Momente geschaffen, in denen die Anspannung endlich zu erfahren, was als nächstes passiert, ins Unerträgliche wuchs. Waren die Wartezeiten im ersten Teil oft noch zäh und zu selten, feilte Zwei das Prinzip aus und erschien merklich effektiver und fieser in den gesetzten Schockmomenten. Drei macht es nun auf gleiche Weise und in vergleichbarer Qualität weiter, sodass man, sofern man bei den ersten beiden bangen konnte, auch hier abends nicht mehr gut schlafen können wird - was für Horrorfilme immer wünschenswert sein sollte. Dominante Stille ist gar vorbildlich eingesetzt und schafft Atmosphäre, während ein 150 Millionen Dollar teurer The Wolfman allenfalls Aufmerksamkeit schürte.

Paranormal Activity 3 ist ein toller Publikumsfilm, der in ausreichender Lautstärke und mit genügend Publikum Fußnägel umklappt und gepflegt bibbern lässt.

Zu befürchten ist jedoch, dass er es nur in dieser Konstellation für nachhallenden Eindruck sorgen kann, denn auch Paranormal Activity 3 ist - von seiner Wirkung abgesehen - wieder kein starker Film. Das neue Pärchen Lauren Bittner und Christopher Nicholas Smith ist nicht besser oder schlechter als die vorherigen Pärchen Sprague Grayden und Brian Boland, oder Katie Featherston und Micah Sloat – es sind passable, aber nicht weiter nennenswerte, leider langweilige Figuren, wofür die wenig einprägsamen Darsteller aber auch alle nichts können, da sie gezielt ‘authentisch‘, sprich echt und damit wenig filmhaft wirken sollen. Sie bewegen sich im Reality-TV-Stil durch einen halbwegs gewöhnlichen Alltag, der immer weiter von Schrecken bedrängt wird, finden haarsträubende Gründe für das Platzieren von Kameras und dürfen irgendwann von Geisterhand herumgewirbelt werden, bis dass die Gänsehaut pellt. Interessant ist das nicht, da einem das meiste, insbesondere die Figuren, rundherum egal bleibt. Oftmals blickt man überall sonst ins Bild, um den Dämon zu erhaschen, nicht sie, die sie uninteressant sind.

Trotz fehlender Tiefe musste man schon dem zweiten zugestehen, dass man sich löblicherweise Notizen zur Story gemacht und die dünne Handlung im Rahmen begrenzter Talente tatsächlich mit Überlegung fortgesetzt hatte. Das trifft auch hier im Prequel zum Prequel zu, denn der Film über Katies und Kristis Vergangenheit hat zwar wieder eine extrem vereinfachte und dialogarme Handlung, in der nicht wirklich viel passiert, verrät aber Neues über die Herkunft des Dämons, streut sorgsam Brotkrumen für die danach spielenden Teile 1 und 2 und wirft zudem auch genügend neue Fragen auf (und lässt Platz für den sicheren Teil 4). Sofern man die Ausgangslage des ersten Teils also mochte, obwohl sie nur wenig bot, wird man zufriedenstellend weitergenährt, wenn auch weiterhin im leider gewohnt geringen Anspruch.

Dass der Film keinen größeren Belang hat, ist auch an der Regie zuzumessen, doch auch hier ergeht es den Kräften wie den Darstellern. Die Reihe ist so festgezurrt auf ein bestimmtes Konzept, das kein Platz für Ideen oder künstlerische Freiheit bleiben. Es gibt kreativ gesehen nicht viele Möglichkeiten, abwechslungsreiches aus einer konstant laufenden Handkamera, oder wie es in den Filmen zumeist sogar der Fall ist, aus rein starr stehenden Kameras zu holen, und da selbst ein mittlerweile millionenschweres Budget mehr Möglichkeiten bietet als die 15.000 Dollar des Originals, ist es nicht genug, um plötzlich Gebäude einzureißen, viele Sets zu besuchen oder den Dämon zu visualisieren. Es bleibt also bei einem Unsichtbaren, der Geräusche macht und dann und wann Dinge und Leute bewegt.


Fazit:
Same Spuk, different house. Paranormal Activity 3 ist die gleiche Suppe wie im Vorjahr, effektives Schockkino mit immerhin genügend neuen Entwicklungen, um sich legitime Fortsetzung zu schimpfen, aber wieder nur ein Film, der nur wenig bietet und nur unter ganz bestimmten Bedingungen funktioniert: entweder im vollen Saal im Kino oder zuhause im Dunkeln mit Kopfhörern - es ist kein Film für den gemütlichen Fernsehabend zu Zweit, kein Film "zum Quatschen", kein Film des Filmes wegen. Es ist eine Attraktion.

4.5 / 10

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