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Kritik:
Passion


von Christian Westhus

PASSION
(2013)
Regie: Brian De Palma
Cast: Rachel McAdams, Noomi Rapace, Karoline Herfurth, Paul Anderson

Story:
In einer Berliner Marketingagentur sind Christine (McAdams) und Isabelle (Rapace) ein gutes Team. Doch die dominante und gierige Christine manipuliert die gehorsame und verschlossene Isabelle zu ihren Gunsten, gibt eine gute Idee Isabelles als ihre eigene aus. Ein Kampf aus Verführung, Manipulation und Erpressung beginnt, bei dem auch noch zwei weitere Mitstreiter hineingezogen werden, bis es zu einem Todesfall kommt.

Kritik:
In einem Machtkampf kämpfen Frauen anders als Männer. Interessenskonflikte um persönliche Vorteile und Gewinne verlaufen bei Frauen anders. Frauen kämpfen gerissener, schmutziger, emotionaler, greifen nur in letzter Instanz zu tatsächlicher Gewalt. Das jedenfalls will uns Regisseur Brian De Palma mit seinem Remake des französischen Thrillers „Crime d’Amour“ (2010) erzählen. Und weil De Palma nun mal De Palma ist, fokussiert er sich wesentlich stärker auf die sexuelle Komponente. Es geht um Machtverhältnisse in einer Berliner Werbeagentur, um eine aussichtsreiche Position in New York, oder um die korrekte Anerkennung für eine gute Arbeit. De Palma sexualisiert das Intrigenspiel um Dominanz und gekränkten Stolz, wie man das vom Regisseur von „Dressed to Kill“ und „Femme Fatale“ erwarten konnte. Was im französischen Vorbild noch dezente Andeutung blieb, kostet De Palma nun genüsslich aus, verstärkt die lesbisch-erotischen Spielchen zwischen den zwei (oder drei) Streithennen, wirft einen Blick auf sexuelle Fetische, auf Affären, und verstärkt die Bedeutung von sexueller Leidenschaft auf unsere Taten; ergo: Passion. Nichts Neues für De Palma, der das aber auch schon mal prickelnder und schweißtreibender hinbekommen hat. 

Rachel McAdams spielt die durchtriebene, gerissene, kontrollsichtige Frontfrau in der Agentur, Noomi Rapace, die originale Lisbeth Salander, spielt McAdams‘ schüchtern-undurchschaubare rechte Hand. Rollen, die zuvor von Kristin Scott Thomas und Ludivine Sagnier gespielt wurden. Nicht nur durch den Vergleich mit dem Original irritiert die Besetzung der beiden Hauptfiguren. Da sowohl McAdams als blonder Teufel, wie auch Rapace als getretene, kuschende Hündin nicht immer glaubwürdig oder überzeugend sind, liegt der Verdacht nahe, sie hätte die Rollen besser getauscht. De Palma wollte durch die konträre Besetzung wohl verwirren und überraschen, doch die Figuren bieten zu wenig, ändern sich nicht stark genug. Auch als Gewalt ins Spiel kommt und der Krimi-Aspekt des Films verstärkt wird, haben die Frauen zu wenig Gelegenheiten, ihr Spiel zu variieren. Das gilt auch für Karoline Herfurth als Dritte im Bunde, wenn auch etwas abgeschwächt.

Dass Brian De Palma ein Stilist ist, ist ebenso bekannt wie sein Faible für Hitchcock. Beides merkt man dem Film deutlich an, dem man sicherlich nicht vorwerfen kann ein belangloser Thriller von der Stange zu sein. Überwiegend geprägt von der kühl-modernen Architektur der Berliner Bürowelt, setzt der Film hier und da auffällige Farbakzente. Greller Lippenstuft, auffällige Kleidung, Rachel McAdams‘ Haare; es ist fast so auffällig wie das dauerpräsente Logo eines angebissenen Apfels. Irreale Licht- und Schattenspiele, Parallelmontage, Split-Screen, Traumsequenzen, sogar eine symbolische Ballett-Szene mit Blick zum Publikum nutzt De Palma, um seine Geschichte interessanter zu machen. Und über all dem hängt die Dauerbeschallung des überkandidelt dramatischen Scores von Pino Donaggio, mit dem De Palma in der Vergangenheit schon mehrfach zusammenarbeitete. 

Subtil war De Palma wohl noch nie, doch sonst vermochte er immerhin Spannung, Gefahr, Erotik und prickelnde Leidenschaft zu vermitteln. Das misslingt ihm hier meistens. Trotz tiefer Blicke, sinnlichem Schmachten und der guten Kameraarbeit bleibt der Film kühl und behäbig. Dafür werden die Frauen hysterischer, der Plot übertriebener und De Palmas Stilisierungen greller. Ab einem gewissen Punkt versinkt der Film in einem Meer aus Traumsequenzen, Visionen, falschen Fährten und Täuschungen, die in anderen Filmen vielleicht funktioniert hätte, hier nur stören, zuweilen gar lächerlich wirken. Es ist ungeschickte Konfusion, statt elegant-mysteriöser Faszination. Den auch im Original zunehmend absurderen Plot behält De Palmas Script bei, erweitert die Sache jedoch immerhin um ein, zwei überraschende Details und neue Figuren, allerdings auch um einen nervtötend schwachsinnigen Schlussakt. Spätestens dort wird De Palmas Stil-Willen beinahe zur Selbst-Parodie.

Fazit:
Überstilisierter Möchtegern-Erotikthriller, der kaum wirklich erotisch und zu selten wirklich spannend ist. In Ansätzen nicht uninteressant und an Brian De Palmas fast selbstparodistischem Stil-Willen kann man auch Gefallen finden, doch eigentlich ist man mit einem Griff zum französischen Originalfilm oder einem älteren Film aus De Palmas Filmographie besser bedient.

4 / 10

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