Kritik:
Paul -
Ein Alien auf der Flucht
von Christian Westhus
PAUL
(2011)
Regie: Greg Mottola
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost,
Jason Bateman, Kristen Wiig
Story:
Die zwei englischen Comic- und
Science-Fiction-Fans Graeme und
Clive reisen durch die USA, besuchen
die Comic Con und berühmte
UFO-Sehenswürdigkeiten, wie z.B.
Roswell. Als das redselige Alien
Paul aus der Area 51 ausbricht und
bei den beiden Freunden Zuflucht
sucht, müssen diese sich mit dem FBI
und Südstaaten-Hinterwäldlern
herumschlagen.
Dank an Universal Pictures
International Germany GmbH
Kritik:
Das dynamische Brit-Duo Simon Pegg
und Nick Frost springt erstmals über
den großen Teich und damit zu den
Wurzeln, die ihre Vorgänger „Shaun
of the Dead“ und „Hot Fuzz“
insgeheim hatten. Zumeist im
Doppelpack übernehmen Pegg und Frost
als Buddys Drehbuch und Hauptrollen,
doch auch wenn „Paul“ kein Teil der
„Blood and Ice Cream“ Trilogie ist,
steht er dennoch in einer gewissen
Tradition. Herausgekommen ist beim
Kontinentwechsel eine nette
Road-Movie Nerd-Komödie, die aber
leider auch klar hinter den beiden
Kollegen zurückfällt. Es ist schwer
zu sagen, woran es liegt, da die
Voraussetzungen eigentlich ideal
waren und Pegg/Frost im Duo stets
sympathisch und spaßig wirken. So
auch hier, jedoch ohne wirklich
herausragend zu sein. Vielleicht war
das Comedy-Duo einfach nur mal mit
besserem Durchschnitt zufrieden oder
vielleicht lag es am Neuen hinter
der Kamera, „Superbad“ Regisseur
Greg Mottola, der als Amerikaner den
Pegg/Frost-Humor eventuell nicht zu
bewältigen wusste. Vielleicht hat
man uns als Zuschauer durch zwei
geniale, subversive und herrlich
komische Glanzstücke auch einfach zu
sehr verwöhnt.
Mottola inszeniert ruhiger, weniger
„flashy“, als es Edgar Wright noch
getan hat. Das Road-Movie-Feeling
gelingt durchaus ordentlich und die
– erstaunlich wenigen – Actionszenen
gehen auch in Ordnung. Der Funke
will einfach nicht überspringen,
weder beim Witz, noch bei den
Figuren, um aus „Paul“ einen echten
Knaller und mehr als kurzweiligen
Spaß zu machen. Unsere beiden
englischen Sci-Fi-Fans, -Zeichner
und –Autoren besuchen in den USA die
Comic Con, um die zuschauenden Fans
mit Klischees und offensichtlichen
Anspielungen bei der Stange zu
halten und um schon mal die
Quellenangabe fürs Grundthema zu
etablieren. Hier besucht man ja
schließlich den zentralen
Knotenpunkt, mit dem man beide
Figuren mit einem Schlag ausreichend
charakterisiert. Die beiden Kumpels
werden im gesamten Film übrigens
gefühlte 325 Mal abfällig als Nerds
bezeichnet. Ein Lapsus, den zum
Beispiel der ähnlich gelagerte
„Fanboys“ klug vermeiden konnte.
Immerhin wird die Erwartungshaltung
der Zuschauer, um den
Erfahrungsstand der beiden, ein Mal
kurz geschickt aufs Glatteis
geführt.
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DBei
der anschließenden Fokussierung auf
Aliens und Science-Fiction, beim
UFO-Sightseeing durch die USA, hat
man kurz darauf einen echten Alien
im Van, womit der eigentliche Film
beginnt. Ein nach Möglichkeit
rasantes und abwechslungsreiches Hin
und Her, mit einem irgendwann klar
abgesteckten Personal und möglichst
viel Witz durch möglichst viele
Derbheiten und Anspielungen.
Letztere sind mal offensichtlich,
mal subtil, wenn man wahlweise auf
T-Shirts oder Bar-Musik achten muss.
Was fehlt, ist der subversive Umgang
mit der Materie, die sich hier zu
oft selbst beeinflusst, statt
ironisch oder parodierend zu sein.
Die Rolle der Verfolger bietet bei
der kurvenlosen Schnitzeljagd zum
geheim gehaltenen Zielort leider
auch keinerlei Überraschung, auch
wenn Jason Batemans absurd-forcierte
Coolness schon in die richtige
Richtung geht. Bei den Dialogen der
Anzugträger ist die Coolness aber
wieder zu gewollt und insgesamt, wie
ihre Taten, erwartungsgemäß. Aus
Kristen Wiig als frisch bekehrte
Ex-Bibelfanatikerin hätte man
definitiv mehr machen müssen, als
den weiblichen „Bro“ im Bunde, die
die neu gewonnenen Freiheiten zum
wilden Sündigen nutzt (bis hier hin
ist die Figur interessant), dann
aber primär nur unsinnig und
unsinnig viel flucht. Zudem
verpflichtet sich der Film damit zu
einer lahmarschigen und unterkühlten
Romanze, die vom schwachen Score
noch weiter verwässert wird.
Und unser Duo? Das durchlebt den
Film zu häufig passiv, zu brav und
zu fremd gesteuert, statt Herz- und
Witz-Zentrum zu sein. Da hilft dann
nur noch Alien Paul, der natürlich
als Titelfigur im Zentrum stehen
darf, aber mehr Kompensierungsarbeit
zu leisten hat, als nötig gewesen
wäre. Als lässig-brachiales
Klischee-Alien (fürs Aussehen gibt’s
immerhin ne unspektakuläre
Erklärung) löst Paul dann
folgerichtig die meisten Gags aus,
auch wenn die Trefferquote des
durchaus gelungen am PC getricksten
Wesens nicht übermäßig hoch ist. Zu
oft geht es einfallslos und platt
unter die Gürtellinie, immer als
Puffer zwischen den einzelnen
Brüllern, die es aber tatsächlich
immer mal wieder gibt. Paul, als
Charakter, ist wohl das deutlichste
Zugeständnis ans amerikanische
Publikum, ist in der US-Fassung mit
Seth Rogen als bärigem Charmebolzen
auch ideal besetzt, während der
deutsche Sprachraum aus irgendeinem
Grund mit dem bedeutend braveren
Bela B. Vorlieb nehmen muss.
Der Verdacht lässt sich nicht
abschütteln, dass die Anbiederung an
US-Mechanismen und US-Humor den
beiden Briten nicht immer geglückt
ist. Auch „Shaun…“ und „Hot Fuzz“
waren ganz explizit durch
amerikanische Vorbilder inspiriert
und beeinflusst, ja zogen sogar
einen Großteil ihres Charmes daraus.
Es war aber immer die
Außenperspektive, das Element des
Nicht-Amerikanischen, was
letztendlich für Spaß und
parodistische Spitzen sorgte. Hier
befindet sich das Grundthema in der
eigenen Heimat und so müsste wenn
schon Paul die Außenperspektive
geben, doch der ist über die Jahre
gänzlich amerikanisiert worden,
während unsere Freunde aus der alten
Welt als Amerikaner im Herzen
ebenfalls ausscheiden. So bleibt es
ein einheimischer Mischmasch, dem es
dadurch an Ecken und Kanten fehlt,
an die man sich sonst mit Wonne
hätte stoßen können. In seiner
natürlichen Umgebung fehlt dem
Sci-Fi-Nerd Road-Movie zu häufig
Tempo und Esprit. Alles ist passend,
bekannt, an der richtigen Stelle, so
wie man es kennt, und somit eben
etwas überraschungsarm. So bleibt es
ein netter, kurzweiliger und meist
einigermaßen unterhaltsamer Film,
dem trotz Geniestreichen, wie einem
10-Sekunden Drogenflash, täuschend
echten Alienaufstellern oder
Sigourney Weavers Finale, die
Frische, die Spontanität und das
genial Verrückte der Vorgänger
fehlt.
Fazit:
Für Fans von Simon Pegg und Nick
Frost gelungenes Pflichtprogramm,
welches jedoch zu selten über
unterhaltsamen Durchschnitt
herauskommt. Mit dem Brachialhumor
von Alien Paul muss man klar kommen,
aber das insgesamt sympathische
Road-Movie verschenkt zu oft seine
Möglichkeiten, um wirklich genial zu
werden. Nett, aber mehr auch nicht.
5,5 /
10
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