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KRITIK:

PIRANHA 3


von Christian Mester

PIRANHA 3D (2010)
Regie: Alexandre Aja
Cast: Elizabeth Shue, Jerry O'Connell

Story:
Im kleinen Städtchen Rocky Springs ist der Teufel los, denn mit Beginn der Sommerferien finden sich hunderte Jugendliche in der beliebten Küstenstadt ein, um ausgelassen am angrenzenden See zu feiern. Zwischen Jetskis und Gummireifen trinken und tanzen sie wie üblich was das Zeug hergibt und sind damit jährlich ein Dorn im Auge des örtlichen Sheriffs (Elizabeth Shue).

So richtig problematisch wird es, als prähistorische Superpiranhas aus einer unterirdischen Höhle in den See gelangen und sich ausgehungert auf die ahnungslosen Schwimmer stürzen. Mit Schrecken stellt die toughe Polizistin daraufhin fest, dass auch ihr Sohn auf dem Wasser ist. Unter der Fuchtel eines aalglatten Filmproduzenten (Jerry O’Connell) nimmt er an einem Pornodreh auf einem Boot teil.

Der erste Film war so erfolgreich, dass ein zweiter
schnell nachrückt

Kritik:
Als der französische Filmemacher Alexandre Aja 2003 seinen blutigen "High Tension" vorstellte, löste der damals 25jährige ´damit eine regelrechte Trendwelle aus. Plötzlich folgten zahlreiche andere Horrortitel aus dem Land des Eiffelturms, darunter "Martyrs", "Frontieres" und "Them", die vor allem in den USA für Furore sorgen konnten. Für Aja selbst lief es prächtig, durfte er kurz darauf das "The Hills have Eyes" Remake und "Mirrors" mit Kiefer Sutherland drehen. Er machte sich langsam aber sicher einen Namen für gute, ernste Genretitel, bis er dann 2009 auf die Idee kam, mal etwas völlig anderes auszuprobieren.


Wie "Barracuda" und "Orca" war "Piranha" 1978 eine relativ einfallslose, dreiste Nachmache von Spielbergs Megaerfolg "Der weiße Hai", die damals als einzige gut angenommen wurde. Man lobte Joe Dantes Film dafür, unterhaltsamer Spaß zu sein, der sich bewusst nicht ernst nahm. Drei Jahre später folgte also "Piranha 2: Fliegende Killer", James Camerons erster Film, in dem die beißwütigen Fische wie Vögel an Land herumflogen und den Blödsinn auf die Spitze trieben. Abgesehen von einem schwachen Fernseh-Remake in den 90ern wurde es dann lange still um die nimmersatten Fische, bis ausgerechnet "Piranha 2" Regisseur Cameron den 3D-Wahn mit "Avatar: Aufbruch nach Pandora" auferstehen ließ. Aja hielt es für die ideale Gelegenheit, einen späten dritten Teil in die Kinos zu bringen.

Eli Roth spielte in INGLOURIOUS BASTERDS mit
und drehte HOSTEL 1+2

"Piranha 3D" ist ein Film, der die Gemüter spalten wird. Viele werden ihn als albernen Trash sehen, da die Handlung hauchdünn ist und man sich nicht ansatzweise darum bemüht, jemals echte Spannung aufzubauen. Viele Genretitel hegen zwar keinen großen Anspruch, doch bei "Piranha 3" geht es ins Extrem: nachdem das Szenario kurz vorgestellt wird, geht es nur noch um nackte Brüste und schwarzhumoriges Abmetzeln.

Andererseits zielt der Film damit auf ein ganz bestimmtes Publikum ab. Er will nicht allen gefallen oder gar ernsten Titel Konkurrenz sein. Es ist reiner Blödsinnshorror und stolz darauf. Aja will bevorzugt angetrunkene Männergruppen im Kino sehen, die sich über Bikinibräute freuen und gern gemeinsam über übertriebenen Horror lachen. "Piranha 3D" funktioniert diesbezüglich größtenteils recht gut, da Aja das gekonnt abfeiert und es kompetent und kurzweilig inszeniert. Das Tempo bleibt stets hoch und lässt keine Langeweile aufkommen.

Dass die Figuren relativ eindimensional sind, stört nicht sonderlich, da man mit Elizabeth Shue ("Leaving Las Vegas"), Ving Rhames ("Pulp Fiction") und Jerry O’Connell ("Tomcats") fähige Leute engagiert hat, die das ganze eigenständig über das Niveau eines vergleichbar dämlichen "Final Destination 4: The Final Destination" halten. Kleinere Auftritte von Richard Dreyfuss (der seine Rolle aus "Der weiße Hai spielt") und Christopher Lloyd (ausgegraben: Doc Brown aus den "Zurück in die Zukunft" Filmen) sind nicht weiter wichtig, aber nette Badezusätze.

Leider schöpft "Piranha 3D" nicht ganz aus den Vollen, da der Witzgehalt noch wesentlich größer sein könnte. Oftmals vergisst der Film seinen schwarzen Humor über Strecken und zeigt minutenlang bloß stumpfes Abmetzeln von Schwimmern. Die titelgebenden Piranhas selbst enttäuschen teilweise, da sie oft unfertig aussehen und es frustriert, dass es wieder größtenteils nur unübersichtliches Gezappel gibt. Bei den ersten beiden Filmen machte man das noch, da die kleinen Beißer mit Gummipuppen an Besenstielen und Schnüren inszeniert wurden. 2010 sollte das eigentlich nicht mehr vorkommen. Der nachträglich hinzu gefügte 3D Effekt ist besser als beim katastrophal schlechten "Kampf der Titanen" Eklat, kommt aber nicht an Referenzen wie "Resident Evil 4: Afterlife" heran. Dazu kommt, dass Aja kaum mit Tiefe arbeitet; er nutzt das 3D auf altmodische Weise, Körperteile, Genitalien und Fische aus der Leinwand heraus ragen zu lassen.

Fazit:
Wer sein Hirn an der Kasse abgibt und ausschließlich stumpfen Splatterspaß erwartet, der wird größtenteils gut unterhalten werden. Alle anderen machen einen großen Bogen drum und warten darauf, dass der talentierte Franzose wieder etwas Ernstes macht.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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