BG Kritik:

Pirates of the Caribbean 5 - Salazars Rache


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Pirates of the Caribbean 5 - Dead Men Tell No Tales (US 2017)
Regisseur: Joachim Rønning, Espen Sandberg
Cast: Johnny Depp, Javier Bardem, Brenton Thwaites, Kaya Scodelario, Geoffrey Rush, Kevin R. McNally

Story: Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) ist zurück, und diesmal sucht er den Dreizack des Poseidon, da es einen alten Feind zu besiegen gilt, dem es nach Rache dürstet und der die Sieben Weltmeere von allen Piraten befreien will.

Jack is back! Aber sollte er?

Ursprünglich sollte Pirates 5 schon eher kommen...


"Yo-ho, yo-ho. Piraten haben es gut." Zumindest wenn sie nicht gerade vom Pech und einem untoten Piraten-Schlächter verfolgt werden. So ergeht es nämlich Captain Jack Sparrow in seinem fünften Abenteuer. Eigentlich wie immer, also schusselig, torkelnd und lallend, baldowert und hangelt sich Captain Jack - angetrieben von Rum und seinem Kompass der nicht nach Norden zeigt - durch ein neues Abenteuer. Weiter irgendwo zwischen völlig irre und irre genial, mit entweder gar keinem Plan, oder doch jedem Plan des Gegners um zweiundzwanzig Züge voraus. Diesmal wieder mit zwei neuen Hauptgefährten an seiner Seite, aber umgeben von vielen bekannten Nebenfiguren aus den vorherigen Filmen wie den Franchise-Urgesteinen Hector Barbossa (Geoffrey Rush) und Joshamee Gibbs (Kevin R. McNally). "Ein jeder von uns ist ein schmutziger Dieb. Trinkt aus, Piraten yo-ho."

Einst durch die Taten eines noch jungen - und noch nicht Captain - Jack Sparrow (Johnny Depp in einer per Computer wirklich fast durchgängig ordentlich verjüngten Rückblende) verflucht, ist der berüchtigte Piraten-Jäger Captain Armando Salazar zurück und entkommen aus seinem Gefängnis im legendären Bermudadreieck. Bekannt und gefürchtet als El Matador del Mar, ließ er - da tote Männer keine Geschichten mehr erzählen und verbreiten - immer genau einen Piraten lebendig zurück, um von ihm zu berichten und Angst zu verbreiten. Wieder frei aber untot und verflucht, interessiert sich Salazar nicht für die landläufige Taube auf dem Dach oder die Möwe im Krähennest. Er will den Spatz in der Hand und eben jenen zerquetschen. Gespielt von Oscar-Gewinner Javier Bardem und ausgestattet mit einem unwirklichen, übernatürlichem Aussehen gelingt es der Fluch der Karibik-Reihe hier nach dem schwachen Blackbeard, wieder einen ordentlichen und ansehnlichen Bösewicht vom Stapel laufen zu lassen. Ähnlich unheimlich wie Barbossas Geister-Piraten von der Isla de Muerta im Original, aber doch anders genug, mit ihrem wie unter Wasser dahin wabernden Haar und dem aus dem Mund heraus tropfendem schwarzen Schleim. Schaut bedrohlich aus, und kommt dank des intensiven, und ab und an sogar feinfühligen Spiels von Kapitän Bardem auch so rüber. Nur leider funktioniert nicht alles im neuen Film so gut wie der aktuelle Bösewicht, was allerdings nicht an der Regie, sondern vielmehr am Drehbuch liegt. Doch dazu später mehr.

Nun in Begleitung von Henry Turner - seines Zeichens Sohn von Will und Elizabeth Turner und somit Spross der originalen Begleiter von Captain Jack – der seit Kindertagen daran arbeitet, den Fluch der Flying Dutchman von seinem Vater Will (wieder gespielt von Orlando Bloom) zu nehmen, sowie der der Hexerei angeklagten Astrologin Carina, kann Depps Jack Sparrow hier wieder zwei Schritte zurück treten. Hatte man sich nach und in Fremde Gezeiten an Depps durchgeknalltem Captain satt gesehen, dürfte dieser Film der Figur wieder besser stehen, denn Sparrow bekommt wieder mehr an guter Unterstützung und darf etwas weniger Zeit auf der Leinwand verbringen, was der Figur enorm hilft. Hierbei gibt Thwaites mehr oder weniger eine weniger charismatische Kopie von Orlando Blooms Figur aus der Original-Trilogie, wobei er aber einen ganz ordentlichen Eindruck als Enkel von Stiefelriemen Bill hinterlässt. Nichts großes, aber völlig ok und mit netter und nachvollziehbarer Motivation in See stechend. Deutlich interessanter Kaya Scodelario, welche eine stets sehr tief dekolletierte Mischung aus einer Marie Curie der Karibik und Henrys Mutter Elizabeth Turner geben darf, und die sich in einer Welt der Männer zu behaupten versucht. Wobei die Frau der Wissenschaft bei jeder Gelegenheit von der holden Männlichkeit als Hexe ausgerufen wird. Wenn auch mehr Schein als Sein, erweist sich Astrologin Carina durchaus als nette Bereicherung der Crew, wobei es leider an jeglicher Chemie mit Thwaites mangelt, sodass deren obligatorische Liebesgeschichte ohne Zunder und Funken auskommen muss. Das konnten Bloom und Knightley viel besser.

doch das harsche Feedback für den vierten zwang zu besserer Planung


Apropos Knightley, dass der nur gut 4,5 Jahre jüngere Thwaites hier den Sohn von Keira Knightleys Figur gibt, macht selbstverständlich wenig bis gar keinen Sinn. Etwas, was noch auf weitere Teile des Filmes ebenfalls zutrifft, und wohl daran liegt, dass Salazars Rache der erste Film der Reihe ist, der nicht mit Beteiligung von Ted Elliott und Terry Rossio geschrieben wurde. Stattdessen setzte Jeff Nathanson (Catch Me If You Can, Aushilfsgangster) den Kurs für das neue Abenteuer in der Karibik - welches allerdings diesmal in Australien gedreht wurde. Die vorherigen Filme mal zu sichten, hätte aber sicherlich nicht geschadet, so vor dem Verfassen der Geschichte. Und so erlaubt sich das Drehbuch von Nathanson hier entweder einige extreme Freiheiten im Bezug auf vorhergehende und im Kino gesehene Ereignisse, oder hier wurde schlicht und einfach geschlampt. Wie auch immer, eine in Salazars Rache nahezu alles in Gang setzende - und laut Story ach so wichtige Tat - widerspricht mal eben völlig früheren Geschehnissen, und steht damit noch nicht einmal alleine. Unnötig. Auch wenn die Fluch der Karibik-Reihe ja nicht gerade für Logik, Realismus und dergleichen bekannt ist, trübt man so doch das Vergnügen all jener Zuschauer, die in den vorherigen Geschichten tatsächlich auf die Story und Details geachtet haben. So jenseits der großen Seeschlachten, Meeresungeheuer... verfluchter Piraten und dergleichen.

Das Budget nach dem günstigeren Teil 4 ("nur" gut 200 Millionen teuer) wieder mächtig aufgestockt und mit nunmehr 320 Millionen am Start, übernahmen nach dreimal Gore Verbinski und zuletzt einmal Rob Marshall am Ruder stehend, die durch Kon-Tiki bereits bestens mit Abenteuern auf Hoher See vertrauten Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg das aktuelle Abenteuer von Captain Jack. Und das sieht aus und fühlt sich teilweise auch genau so an, wie sich das gehört, denn die Regisseure reaktivieren ordentlich das leicht unheimliche Feeling des Erstlings, und koppeln dies mit der großen Action der ersten zwei Sequels. Auch kann man den Charme, Witz, ja, den Funken des Originals ab und an wieder fühlen. Nur leider nicht über die ganze Laufzeit und mehr ab und an aufblitzend als durchgängig erstrahlend. Spaß- und Unterhaltungsfaktor stimmen aber weitestgehend und dominieren das Geschehen. Für wahre Ernsthaftigkeit bleibt da nur wenig Platz, was spätestens dann mittelschwer problematisch wird, wenn der Film im Finale einen epischen Gänsehaut-Moment anbietet, nur um dann keine Gänsehaut liefern zu können. Hier fehlt es etwas an Balance in der Tonalität. Die Story ist dabei sehr simpel – selbst für einen Fluch der Karibik - und versucht bis auf eine Ausnahme auch gar nicht erst zu überraschen. Lediglich etwas zu verstecken, ja, ungelenkt zu verschleiern und so kommt diese "Überraschung" gar wenig überraschend um die Ecke gesegelt, um dann in einer lediglich auf dem Papier heroischen Szene zu kumulieren. Aber eben alles vorgetragen mit ordentlich Spaß, einer guten Portion Abenteuer-Stimmung und großen Schaubildern und untermalt vom tollen und ins Ohr gehenden Score von Hans Zimmer. Fast. Denn da Zimmer für Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache nicht unter Deck zurückkehrte, legte sich stattdessen Geoff Zanelli - welcher bereits seit dem ersten Fluch der Karibik ergänzende Musik zum Score von Zimmer beisteuerte – in die Riemen, und auch wenn Zanelli zwar gefühlt keine wirklich neuen Kompositionen zum Score beisteuert, variiert er doch sehr ordentlich die unterschiedlichen musikalischen Themen der früheren Teile. Zanellis Score klingt wie ein Pirates of the Caribbean, und das ist positiv gemeint. Das geht weiter ins Ohr, und sorgt für die korrekte Grundstimmung, was ebenso für die Ausstattung und das Set-Design zutrifft. Wieder einmal grandios ausgestattet mit vielen echten Schiffen und allem was die bisherigen Filme ausmachte und vor traumhafter Kulisse gedreht, und wie üblich erweitert mit massenhaft Computeranimationen. Letztere sind aber auch und im Anbetracht des Budgets, durchaus hier und da mit Makeln behaftet. Wirklich störend ist aber keiner der nicht ganz perfekten Effekte und über den Großteil der Laufzeit sieht auch der neue Fluch der Karibik wieder wirklich toll aus.

Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache zückt den Kompass und bringt die zuletzt von der Ideal-Route abgekommene Reihe wieder mehr auf Kurs und raus aus den Untiefen der fremden Gezeiten, wodurch man sich nun wieder ziemlich genau im Fahrwasser der ersten beiden Sequels befindet. Wobei der Film es aber schafft, kaum eine Seemeile in neue Gewässer vorzudringen, da er nicht mehr und nicht weniger bietet, als er zwingend muss. So ist Salazars Rache "nur" ein spaßiges Abenteuer mit tollen Schauwerten, guten Wort- und Fechtgefechten, aber auch ab und an etwas wenig Wind in den Segeln, wodurch sich die knapp 130 Minuten Laufzeit, durchaus gute 10 Minuten länger anfühlen. Und so wie ein X auf einer Karte einen Schatz markiert, nennt hier eine Abspannszene den nächsten Gegner für Captain Jack und seine Mannen. Also sitzen bleiben, wenn man einen Hinweis auf Folgendes erhaschen will.

Fazit:

Es macht weiter Laune mit Captain Jack und seinen Gefährten in See zu stechen und dank ordentlicher Inszenierung ist eine Seefahrt trotz Untiefen im Drehbuch, auch im fünften Anlauf noch lustig. Wer speziell am Original und den zwei ersten Fortsetzungen seinen Spaß hatte, dürfte mit diesem neuerlichen Kurz-Trip in die Karibik ebenfalls keinen Schiffbruch erleiden.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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