BG Kritik:

Pixels


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Pixels (US 2015)
Regisseur: Chris Columbus
Cast: Adam Sandler, Kevin James, Michelle Monaghan, Pac-Man

Story: Außerirdische greifen die Erde an! Aber nicht mit schleimigen Aliens oder unzerstörbaren UFOs, sondern in Form von 80er Jahre Spielautomatenspielfiguren wie Pac-Man, Tetris und Frogger. Grund: Die Menschheit schickte damals eine Datenkassette mit dem Wissen der Menschheit ins All, und die spottenden Aliens wollen uns nun mit unseren vermeintlichen Idolen schlagen. Der US Präsident engagiert daraufhin seine Freunde aus Kindheitstagen, die früher zu den besten Arcade-Gamern gehörten…

Game Over, Adam Sandler?

Der Pac-Man Erfinder im Film ist übrigens bloß ein Schauspieler


Seit Jahren schon werden Adam Sandlers Filme von den Kritikern ähnlich spöttisch vernichtet. Doch zu Recht oder ist der Shitstorm vielleicht doch übertrieben? Kindsköpfe 1 und 2, Jack & Jill, Cobbler: Der Schuhmagier, Der Chaosdad, Urlaubsreif, Meine erfundene Frau und Bedtime Stories waren alle nicht wirklich gut, da ist was dran. Cobbler war gar fürchterlich langatmig und sein Jack & Jill muss die Einlösung einer verlorenen Wette gewesen sein (dreh einen Film als Frau, in die sich Al Pacino verknallt), allerdings sind die anderen harmlose Familienfilme. Und dann waren da auch noch Chuck und Larry, Die Liebe in mir, Klick, Wie das Leben so spielt, Zeitgeist und Leg dich nicht mit Zohan an. Die sind nicht gut wie in Spielberg / Cameron / Aronofsky gut, aber doch fraglos guckbar.

Steht also gar nicht so schlimm bestellt um Sandler, aber was ist nun mit seinem neuesten? Alien-Invasion, Gamefiguren, Videospielnostalge! Das ist mal was Neues. Pixels ist visuell origineller und inhaltlich lebhafter als seine letzten Filme, doch das Ergebnis enttäuscht. Das ganze basiert auf diesem Kurzfilm aus dem Jahr 2010, in dem Arcade-Figuren auftauchen und wortlos New York angreifen. Zwei von Sandlers bekannten Autoren haben das verlängert und eine Story drausgemacht, die als Film theoretisch hätte klappen können. Klar, jeder, der gerne Games spielt, und das sind ja mittlerweile fast alle, muss beim Gedanken an angreifende Tetris-Steine augenblicklich mit den Augen rollen. Absurd! Daraus hätte man aber was Lustiges machen können, siehe dem ewigen Vorzeigebeispiel Lego Movie.

Da hilft auch Full-HD nicht - Anti-Aliasing gibt's hier nicht


Pixels' prägnantes Problem ist die Tatsache, dass der Film sich seiner Absurdität nie bewusst werden will. Die Angriffe der 8-Bit Monster werden zwar nicht als ernste Schrecken verkauft, aber die Figuren bleiben doch genau so ernst bei der Sache wie die bei Terminator Genisys. Und was der immerhin hatte, war Event-Action am laufenden Band, einen motivierten Schwarzenegger und einen gut gelaunten Jason Clarke. Die Pixel Posse sieht da schon anders aus. Adam Sandler selbst ist ein klein wenig aktiver als bei seinen letzten Filmen, wirkt aber dennoch verschlafen wenn er nicht gerade mit Michelle Monaghan im Kleiderschrank sitzt. Kevin James als US Präsident ist diesmal an der ganz kurzen Leine gehalten, Peter Dinklage aus Game of Thrones als grimmiger Gaming-Veteran mit Vokuhila muss alles viel zu ernst nehmen, und einzig der junge Comedian Josh Gad scheint motiviert. Spielt allerdings auch die nervtötend quengeligste Jungfrauen-Nerdstereotypenrolle, die man sich einfallen lassen konnte.

Chris Columbus, der immerhin die ersten beiden Harry Potter Filme, Mrs Doubtfire und Kevin allein zuhaus gedreht hat, legt hier keinen neuen Comedy- oder Fantasyklassiker vor. Die Angriffe von Galaga, Asteroids, Tetris, Centipede, Arkanoid, Space Invaders und Frogger sehen nett aus, führen aber zu keiner sehenswerter Action. Entweder zerbröseln sie ungehindert ein Gebäude nach dem anderen, was in der Blockgrafik durchaus interessant ausschaut, oder sie werden schießbudenartig von den Helden abgeballert. Es gibt bloß zwei größere Momente, die etwas anders ausfallen. Pac-Man wird mit Autos durch die Stadt gejagt und im Raumschiff der Aliens tritt das Team gegen den originalen Donkey Kong an (Fun Fact: im Kletterspiel von 1981 hatte Super Mario seinen ersten Auftritt. Erst vier Jahre später erschien das erste gewöhnliche Super Mario Spiel). Beide Gegner sind gut gemacht, aber die Action drumherum bleibt relativ spaß- und spektakelfrei. Nichts ist sonderlich witzig, und die Helden sind so motiviert als lägen sie Chips mampfend auf der Couch. Dass sie Computerspieler sind und tatsächlich mehr helfen können als die Army ist in sich witzig, was aber nicht adressiert wird, und Kevin James ist bloß zufällig zweckmäßiger US Präsident, damit sein bester Kumpel Sandler an die verpixelte Front darf. Seltsam ist, dass der Film wirklich keine Anstalten macht, heutigen Kids zu gefallen. Alle verwendeten Gamefiguren sind an die 30 Jahre alt, da wäre es sicherlich generations-übergreifender gewesen, hätte es zumindest eine Szene mit neueren Figuren aus Minecraft, Angry Birds und Assassin’s Creed gegeben. Ach ja – dazu kommen ja nächstes Jahr jeweils eigene Filme.

Das größte Problem liegt jedoch ganz woanders. Pixels ist ein Film ganz speziell über Nostalgie für 80er Jahre Videogames, und da sollte man eigentlich annehmen, dass zumindest die Drehbuchautoren selbst Spielefans sind. Weit gefehlt. Im Film kommt keine ehrliche Sympathie für Games vor. Sandler und Co vermitteln null, dass Videogames altersübergreifend Spaß machen, dass sie unterhaltsame Beschäftigungen oder fantasievolle Alltagsbereicherungen sind. Zwar high-fiven sich alle beim Gewinnen, aber was Pixels unentwegt unterschwellig aussagt ist, dass Games für Kinder sind - nur für Kinder – und es albern ist, wenn Erwachsene sich immer noch damit beschäftigen. Die Auserwählten verfügen über keinerlei Social Skills, vom lahmen Schluffen über den nie fertig pubertierten Notgeilen (dessen größter Traum es ist, seine weibliche Lieblingsfigur – eine sportlich gebaute stumme Kriegerin in engem Fummel - in real zu kriegen) bis hin zum Knacki-Creep (Dinklage) werden alle Gamer als unreife Loser zum Fremdschämen präsentiert. Sandler rettet die Welt vor Pixel Donkey Kong, aber anstatt Videogames im Zuge dessen zu feiern und als zeitlos zu präsentieren, wirkt es, als mache ein Elternteil Zähne zusammenbeißend beim Teletubbie-Theaterstück im Kindergarten mit, hoffend, dass es möglichst schnell vorbei ist und man sich wieder zu den Großen gesellen kann. Die einzigen, die sich im Film ins Geschehen schmeißen und sich nicht davon distanzieren wollen, sind die fragwürdigen Vollnerds. So gesehen feiert der Film indirekt noch die 90er Einstellung der damaligen Nichtgamer, dass Game-Enthusiasten was Schlechteres oder anderes wären als Sport- oder Fashion-Enthusiasten. 2015 aber hat jeder Student sein Angry Birds auf seinem Handy, jede Mutti ihr Candycrush auf ihrem Tablet und jeder Bürohorst seinen Euro Truck Simulator. Pixels jubelt für die falschen, und so ganz ohne Herz, Spaß und Ahnung ist er damit so ziemlich das Gegenteil von hervorragenden, positiven Filmen wie Ralph reichts und The Lego Movie.

Fazit:

Die Pixeleffekte sind ganz spaßig umgesetzt, aber darüber hinaus hat der neue Sandler keine Extraleben. Ein Film, der sich speziell an Gamingnostalgie richtet, diese aber beschämt mit Füßen tritt. Da hatte Peter Bergs Schiffe Versenken Brettspielverfilmung mehr Spaß mit sich.

3 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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