hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Planes


von Christian Westhus

PLANES
(2013)
Regie: Klay Hall
US-Sprecher: Dane Cook, Stacy Keach, Brad Garrett, Teri Hatcher, John Cleese 
D-Sprecher: Martin Halm, Alexander Duda, Constanze Lindner, Oliver Kalkofe

Story:
Landwirtschaftssprühflugzeug Dusty träumt davon, ein Rennflieger zu sein und bei einem großen Wettrennen um die Welt teilzunehmen. Als er den alten Militärflieger Skipper als seinen Mentor gewinnt und sich tatsächlich für das Rennen qualifiziert, muss sich Dusty gegen diverse Flieger aus aller Welt durchsetzen und seine Angst überwinden: Dusty leidet an Höhenangst.

Kritik:
Aus der Welt von „Cars“. Ausgerechnet aus der Welt des einen Pixar Films, der polarisiert wie kein zweiter. Jüngere Zuschauer lieben die Fahr- und Flugzeuge mit den kugeligen Augen in den Frontscheiben und sorgen dafür, dass „Cars“ Spielzeuge und Fan-Artikel weltweit finanziell auf einer Stufe (oder höher) mit „Star Wars“ und „Harry Potter“ stehen. Ältere Zuschauer taten sich mit dieser doch recht ungewöhnlichen Welt häufiger schwer und vermissten in beiden „Cars“ Filmen die charakterliche und erzählerische Finesse, die man in so ziemlich allen anderen Pixar Filmen stärker vorfindet. Disney produzierte dieses Spin-Off zur „Cars“ Gelddruckmaschinerie unabhängig von Pixar im Alleingang, obwohl John Lasseter, Chef vom Dienst bei Pixar, als Koproduzent fungiert. „Planes“ sollte eigentlich direkt auf DVD erscheinen, bis man sich dachte, durch die bekannte Welt und den 3D Bonus ausreichend Zuschauer anlocken zu können. Leider merkt man dem Film an, dass er nur halbherzig angepackt wurde. Man merkt das Fehlen der Pixar’schen Kreativität und man merkt, dass „Planes“ eigentlich eine Nummer kleiner und günstiger ist, als die übliche Animationskonkurrenz. Selbst Disney alleine bewies zuletzt mit „Rapunzel – neu verföhnt“ und „Ralph reicht’s“, dass man bei der großen Mausfirma noch nicht verlernt hat, tolle Animationsfilme zu produzieren. „Planes“ kann da nicht mithalten. 

Über die Logik und Funktionalität dieser Maschinenwelt kann man streiten. Sprechende Tiere, Superhelden und lebendige Spielzeuge sind eine Sache, doch die lebendigen Fahr- und nun Flugzeuge bewegen sich in einem Grenzbereich zwischen Fantasiewelt und absurder Realitätsverzerrung. Und „Planes“ hilft nicht unbedingt dabei, diese Welt als eine Parallelwelt zu akzeptieren, wenn hier noch deutlicher andere Nationen und reale irdische Ereignisse, u.a. der 2. Weltkrieg, angedeutet werden. Wer sich in den „Cars“ Filmen nicht damit anfreunden konnte, dass Autos, die nur aus Karosserie und Reifen bestehen, diese Welt erschaffen haben und weiter bevölkern, der wird auch bei „Planes“ seine Schwierigkeiten haben. Wer sich beispielsweise die – durchaus nachvollziehbare – Frage stellt, wieso Autos die für sie unerreichbaren Außentürme des im Film gezeigten Taj Mahals gebaut haben, hat schon verloren. Kann man sich in diese Welt einfinden, erlebt man in gewisser Weise eine Variation des ersten „Cars“ Films. Statt eines egomanischen Superstars, der durch neue Freunde ein neues Selbstverständnis entwickelt und sich bei einem entscheidenden Wettrennen beweist, steht bei „Planes“ ein Außenseiter im Vordergrund, der gerne ein Superstar wäre, der zusammen mit neuen und alten Freunden gegen die bestehende Rennsportübermacht antritt und seinen Traum verwirklicht. Eine altbekannte Underdog Geschichte, wie wir sie aus „Rocky“, „Mighty Ducks“ oder „Herkules und die Sandlot-Kids“ kennen.

Sonderlich originell waren Pixars „Cars“ Filme auch nicht. Teil 1 war ein wenig aufregender, hundertfach etablierter Plot, der in Teil 2 mit einem Geheimagentenwirrwarr aufgeplustert wurde, der nicht zuletzt durch diese konfuse, widersprüchliche Welt nie so richtig funktionieren wollte. Und doch haben beide „Cars“ Filme „Planes“ einiges voraus. „Planes“ präsentiert genau die Art von lustloser Banalität, die regelmäßig im Heimkinomarkt zu finden ist, wenn erfolgreiche Kinofilme vorschnell und mit wenig Mühe verramscht werden. Die Figuren sind oberflächliche Stereotypen, der vorhersehbaren Handlung mangelt es an Spannung und Abwechslung, und die technische Umsetzung offenbart Mängel. Sprühflieger Dusty ist kein schlechter Held, er ist nur relativ langweilig. Dusty träumt von mehr, als tagein tagaus ein paar Meter über dem Boden Düngemittel und Pestizide über Ackerflächen abzulassen. Er will Rennen fliegen und den großen, professionellen Fliegern zeigen, dass auch ein kleines Nutzflugzeug Großes leisten kann. Wir haben den intellektuell begrenzten, aber gutherzigen Kumpel (wie bei „Cars“), den alten Mentor, mit dem einen Schandfleck in der Vergangenheit (wie bei „Cars“), eine flotte Mechanikerin, ein abwechslungsreiches Angebot an neutralen Konkurrenten und einen fiesen Fiesling als sportlichen und moralischen Hauptgegner. Wie bei „Cars“. 

Natürlich belohnt die Geschichte den Traum von der Selbstverwirklichung, jedoch nicht ohne unseren Senkrechtstarter moralisch und charakterlich auf dem Boden zu halten. Bescheidenheit, Toleranz und der Zusammenhalt zwischen Freunden sollen zum Erfolg führen, nicht allein übergroße Stärke oder gar Schummelei. Dennoch irritiert es, dass sich Dusty im Laufe des Wettbewerbs immer mehr verändert, sein Äußeres anpasst und seine Sprühfliegerexistenz komplett aufgibt. Auch irritiert es, wie leichtfertig und unbedacht nationale Stereotypen bedient und bestärkt werden. Immerhin hat man so ein abwechslungsreiches Teilnehmerfeld im Wettbewerb, das mit kleineren oder größeren Nebenhandlungssträngen auflockert. Denn der eigentliche Wettbewerb ist relativ banal, geht es doch zu häufig nur darum, möglichst schnell eine überwiegend hindernisfreie Langstrecke zu überwinden. Hindernisrennen, Schnitzeljagten oder rundenbasierte Wettstreite gibt es kaum oder gar nicht. Und das alles in vergleichsweise flacher, blasser und detailarmer Animation zu erleben, erhöht nicht unbedingt den Spaßfaktor. „Planes“ tut nicht wirklich weh und den zuweilen albernen Slapstickhumor kann man mögen, ebenso wie man die harmlos-simplen Charaktere sympathisch finden kann. Für die Hauptzielgruppe wird das unterhaltsam genug sein. Nur hat insbesondere Pixar in den letzten Jahren gezeigt, dass man der Zielgruppe und den dazugehörigen Begleitpersonen auch ganz andere Dinge zumuten kann, dass mal inhaltlich und thematisch erfolgreich weiter gehen kann, als „Planes“ das hier vormacht.

Fazit:
Einfallsloses, vorhersehbares Spin-Off zur „Cars“ Welt. Ein Film, der sich aufs Wesentliche beschränkt und eine banale Underdog Geschichte erzählt, vom Kleinen, der die Großen herausfordert. Daran kann man Spaß haben, doch der ursprünglich für den Heimkinomarkt produzierte Film schafft wenig Argumente, warum man nicht auf qualitativ hochwertigere Alternativen warten sollte.

3,5 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich