BG Kritik:

Planet der Affen - Survival


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

War for the Planet of the Apes (US 2017)
Regisseur: Matt Reeves
Cast: Andy Serkis, Woody Harrelson, Judy Greer

Story: Affen - gemeinsam - stark. Einige Jahre nach den Ereignissen des zweiten Teils gerät Caesars mittlerweile reichlich gewachsener Stamm erneut in höchste Gefahr. Von einer schwer bewaffneten Festung aus führt der grausame Menschen-Colonel McCullough (Woody Harrelson) einen verzweifelten Krieg gegen seine Primatennachbarn, und muss somit mit allen nur erdenklichen Mitteln aufgehalten werden…

Nach Prevolution und Revolution verpasst Fox den nächsten logischen Titel: Evolution.

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Zwar mag der Film im Original War for the Planet of the Apes (Krieg um den Planet der Affen) heißen, doch wie auch schon der alte fünfte Teil Battle for the Planet of the Apes (also Schlacht um den Planet der Affen) besinnt sich auch dieser weniger um konkretes Kriegsgeschehen mit Armeen gegen Armeen, sondern speziell um persönliche Schicksale während eines Krieges. In diesem Fall selbstredend Caesars, der fast den gesamten Film auf seinen eigenen haarigen Schultern trägt.

Caesar hat sich noch einmal gewandelt. Nachdem er im ersten Teil zunächst vom medizinisch veränderten Affen zum rebellierenden Befreier wurde, dann im zweiten Teil mit aller Müh Familie und Stammesführung verteidigen musste, ist der legendäre Affenkönig nun ergraut und verfinstert. Gezeichnet von dem ewigen Überlebenskampf seiner Art gegen immer wieder auftauchende Killerkommandos, hat Caesar nichts mehr als Verdruss für seine Widersacher übrig und kann nur zähneknirschend Friedensangebote setzen. Als ein weiterer dieser Angriffe jemanden aus seiner Blutslinie sterben lässt, reißt sein Geduldsfaden jedoch und er schwört seinerseits Rache. Eine Entscheidung, die es für alle Beteiligten bloß schlimmer macht, und so muss er sich alsbald mit dem sanften Orang-Utan Maurice, seinem muskelbepackten alten Zookollegen Rocket, dem stumpfen Gorilla Luca und dem witzig verschrobenem Neuankömmling Böser Affe aufmachen, seinen Clan zu retten.

Als der erste Teil nach einer recht mäßigen Trailerkampagne letztlich erschien, war es eine angenehm erfreuliche Überraschung, wie toll Caesar technisch umgesetzt war, und viel wichtiger noch, wie sehr seine schwierige Reise in die Freiheit zu fesseln wusste. Was auch im Nachfolger vortrefflich funktionierte, in dem Caesar sich gegen Gary Oldman und den intrigierenden Affenkollegen Koba durchsetzen musste, wird hier anständig fortgesetzt. Es ist kaum zu glauben, aber für einen Film, in dem Gorillas und Orang-Utans mit Ak-47 Gewehren auf Pferden reiten und sich unterhalten, liefert Planet der Affen: Survival einige der ergreifendsten Charaktermomente des Jahres. Andy Serkis (der ja auch schon King Kong und Gollum per Motion Capture spielte) ist mal wieder sensationell und auch die anderen Affendarsteller können vollends überzeugen. Regisseur Matt Reeves ist dabei nie faul. Nie macht er Caesar zum unbesiegbaren Affenrambo, der im Alleingang alles und jeden besiegen kann. Nein, er lässt uns jede Anstrengung Caesars spüren und zu einer spannenden Tortur werden, die mitfiebern lässt. Der neue Affe mit Namen Böser Affe ist wiederum etwas schrullig, doch Reeves ruht sich nicht darauf aus, ihn zum einfachen Comic Relief werden zu lassen. Auch für ihn gibt es emotionale Szenen, die andere kalte Filme wie Batman V Superman: Dawn of Justice nur noch schlechter aussehen lassen.

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Einige von Caesars Affenfreunden sind den Krieg satt und hintergehen ihre ganze Art, in dem sie als Donkeys (dumb monkeys) für die Menschen arbeiten, ebenso wie es Menschen gibt, die das ständige Jagen der Affen für sinnlos erachten. Die Geschichte verzahnt sich besonders gelungen mit Harrelsons Kommandeursfigur, die zwar an sich eher simpel ausfällt und als Charakter weit weniger interessant bleibt als alle Affenfiguren, aber nachvollziehbar ist, da ein paar der letzten verbleibenden Menschen (fast alles Männer) so langsam einsehen müssen, dass die Affen sicher überleben werden, die Menschheit allerdings ausstehen wird. Zwar war Caesar damals nicht direkt für den Ausbruch der tödlichen Affengrippe verantwortlich, die über 90% der Menschheit sterben ließ, doch weil er den ersten großen Aufmarsch der Affen anführte, ist er für McCullough das historische personifizierte Sinnbild des Untergangs der Menschen. Und weil auch das nicht reicht und Reeves es noch komplizierter will, kommt zu allem Übel noch eine Evolution der Krankheit hinzu. Dachten die überlebenden Menschen erst, sie wären davon gekommen, zeigt sich nun, dass sie nach einiger Zeit anfangen ihre Intelligenz und ihre Stimme zu verlieren (so wie im alten Planet der Affen, in dem alle Menschen abgesehen von Astronaut Charlton Heston stumm und simpel gestrickt waren).

Ein Plotpunkt, der dem Film nicht unbedingt hätte im Film sein brauchen. Zwar funktioniert die Tatsache, dass die wütenden Affen ein stummes Mädchen aufnehmen, das ihnen bei allem Hass doch noch an menschliche Güte erinnert, doch alles was diesbezüglich mit McCullough und seinen Leuten zu tun hat, verdickt die Handlung bloß unnötig. Sobald Caesar die Entscheidung fällt, dass es „weiße Jungs nicht bringen“ und der Woody weg muss, gibt es bereits mehr als genügend verstrickte Intentionen und Emotionen auf beiden Seiten. Bei knapp 2,5 Stunden Lauflänge hat Survival nur wenige Längenmomente, doch sie finden sich in diesen Szenen. Generell kommen die menschlichen Antagonisten zu kurz. Zwar gibt es einen jungen Soldaten, der immer mal wieder im Vordergrund steht und die Handlungsweisen des Colonels in Frage stellt, doch größtenteils bleiben die Menschen leider nur reihenweise Soldaten, die auf unsere Affenprotagonisten schießen. Nicht falsch verstehen: der Glanz des Ganzen überwiegt, doch es sind diese Mäkel, die Survival von höchsten Höhen fernhalten.

Technisch hat Fox wieder einmal keine Kosten gescheut. Die Animation der Affen ist so hervorragend, dass man sich rasch in der Story verliert und man nicht mehr länger wahrnimmt, dass es eigentlich bloß Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans sind. Michael Giacchino steuert einen seiner bislang besten Scores bei. Wild und treibend in den Actionszenen, zurückhaltend und gefühlvoll in den leiseren Momenten. Zwar fehlt ein durchschlagkräftiges Thema mit Wiedererkennungswert, aber das hätten sie ja auch schon im ersten Teil bringen müssen.

Fazit:

Waffen - gemeinsam - stark? Wer hätte vor ein paar Jahren erwartet, dass das zweite Planet der Affen Remake den Startschuss einer der gelungendsten Blockbuster-Trilogien der letzten Jahre setzen und das Niveau dreimal in Folge überzeugend halten können würde? Caesars dritter Feldzug ist mitreißend, geht unter die Haut und fungiert zudem vortrefflich als mehr oder weniger direktes Prequel zum alten Teil. So etwas hätte sich Ridley Scott sicherlich von seiner Prometheus Trilogie erhofft.

8,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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