BG Kritik:

Pompeji


von Christian Westhus

Pompeii (USA, Kanada, Deutschland 2014)
Regisseur: Paul W.S. Anderson
Cast: Kit Harington, Emily Browning, Kiefer Sutherland, Adewale Akinnuoye-Agbaje

Story:
Als einziger Überlebender seines Stammes wird Milo (Harington) ins römische Reich verschleppt. Als „Der Kelte“ wird aus ihm ein aufstrebender Gladiator. In Pompeji, wo man einem römischen Senator (Sutherland) zeigen will, dass auch Pompeji große Gladiatorenspiele veranstalten kann, verliebt sich Milo in Politikertochter Cassia (Browning), auf die auch der Senator ein Auge geworfen hat. Währenddessen brodelt es im Innern des Vulkans Vesuv. Ein Ausbruch steht unmittelbar bevor.

Im Kino eine Stadt, ein Land oder gleich die ganze Welt untergehen zu sehen, erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Meistens spielen diese Filme in der Gegenwart oder der nahen Zukunft und mit der Frage, was wäre, wenn urplötzlich ein Meteoriteneinschlag, ein Erdbeben, ein Wirbelsturm oder eben ein Vulkanausbruch die bestehende Ordnung durcheinander bringen. „The Impossible“ blickte kürzlich auf die nicht sonderlich weit zurückliegende Tsunami Katastrophe in Südostasien, was noch immer mehr oder weniger unserer Gegenwart entspricht. Mit „Pompeji“ aber bekommen wir einen Katastrophenfilm der Antike und das aus den Händen von „Resident Evil“ Regisseur Paul W. S. Anderson. Damit es auch um was geht, verwebt man gleich noch andere etablierte Handlungsbestandteile in die Geschichte, um die Auslöschung Pompejis auch irgendwie relevant zu machen. Denn damals und heute gilt, dass sich Katastrophen am besten als großflächiges Melodrama verkaufen.

Vom Regisseur von 3 der 5 Resident Evil Filme


Wir beginnen den Film namens „Pompeji“ kurioserweise in Großbritannien, wo ein Keltenstamm gerade von Römern ausgelöscht wird, was das Schicksal des jungen Milos maßgeblich beeinflusst. Man könnte die Römer und ihre wüste Heimsuchung der britischen Insel aus Sicht Milos als ganz eigene Katastrophe lesen, die die bestehende Ordnung umwerfen und Milos Leben grundlegend verändern. Aber der Film verfolgt mit diesem überlangen Prolog nur ein Ziel, nämlich die simple Rache-Motivation für Hauptfigur Milo zu etablieren, der Jahre später in Gestalt von „Game of Thrones“ Darsteller Kit Harington im römischen Reich als Gladiator unterwegs ist und natürlich an den Mörder seiner Familie gerät. Was folgt ist eine aberwitzig einfallslose Kopie von Ridley Scotts „Gladiator“, verwebt mit einer an „Titanic“ mahnenden Romanze, ehe alles im antiken „2012“ mündet.

In seiner ersten Szene stapft Milo aus einem Gang hinaus in den Sand der Gladiatorenarena, macht seine maskierten Widersacher in drei, vier locker-leichten Zügen platt und verduftet wieder. Es fehlt nur noch, dass er provozierend die Arme ausbreitet und sarkastisch fragt, ob das Publikum nicht unterhalten sei, so wie es Russell Crowe seinerzeit machte. Und damit hört es nicht auf. Beim Wechsel nach Pompeji lernt Milo den schwarzen Gladiator Atticus kennen, der kurz vor seiner Befreiung steht, sich bald schon mit unserem Helden anfreundet und seiner verstorbenen Familie in Form von geschnitzten Figuren gedenkt, mit der Hoffnung, sie in der Nachwelt wiederzusehen. Auch das dürfte uns mehr als bekannt vorkommen. Um zu erkennen, dass wir das einigermaßen gekonnte, aber auch uninspirierte Gladiatorenaction-Gehacke (hier in der jugendfreien Version) schon vielfach unterhaltsamer gesehen haben, muss man gar nicht bis zum Oscargewinner von 2001 blicken. Da gibt es aktuell selbst im Fernsehen Gelegenheit, aufregendere Gladiatorenaction zu bekommen. Es hält uns aber einigermaßen wach und bei Laune, ehe sich die Räder der dramatischen Dreiecksromanze verzahnt haben, ehe die simplen Motivationen lang und breit ausgewalzt wurden und bis der Vesuv als „Katastrophe ex machina“ alles auf den Kopf stellt.

Visuell wie inhaltlich eine Trümmerlandschaft?


Früh genug durch einen glühenden Kraterschlund, emporsteigenden Dampf und kleinere Erdbeben angekündigt, ist der erwartete und unvermeidbare Vulkanausbruch das schicksalshafte Damoklesschwert für die Handlung und Figuren. Für Paul W. S. Anderson ist es höchst-wahrscheinlich der einzige Grund, warum ihn diese Geschichte gereizt hat. Die Liebesgeschichte ist unfassbar platt und zudem geplagt von wahrlich fürchterlichen Dialogen, die Anderson ohne den kleinsten Funken Ironie durchknüppeln lässt. Einzig Kiefer Sutherland als schurkischer Senator und Konkurrent um die Gunst der schönen Cassia ragt heraus. Sutherland sieht so dämlich-deplatziert in seinem stattlichen Kostüm aus und ist ein derart kontrastloser Widerling, dass man es fast für bewusste Überzeichnung und Ironie halten könnte. Für Sutherland war es das vielleicht auch, nur steht er damit allein auf weiter Flur, während um ihn herum gestandene oder talentierte Darsteller wie Jared Harris, Carrie-Anne Moss und Emily Browning pflichtbewusst und hüftsteif ihre Texte aufsagen. Den Mief der einfalls- und emotional wirkungslosen Grundhandlung können auch drei, vier Dutzend Tote in der Gladiatorenarena nicht überdecken.

Dann bebt der Boden, die Arena fällt auseinander und Anderson führt die Zügel straffer. Es geht immerhin durchaus rasant hin und her, bietet mehr, als nur Aschewolken und Lava. Erdbeben, fliegende Felsbrocken (also Meteoriten) und sogar eine Flutwelle gibt es hier zu bestaunen, damit die Bewohner Pompejis auch ja keine Zeit zum Verschnaufen haben. In einem der originelleren Einfälle bahnt sich ein großes, hölzernes Ungetüm seinen Weg durch die Straßenschluchten, um einfach noch mehr kaputt zu machen. Denn nur darum geht’s im Schlussakt, der mehr Effekt-Vorführung als Narrative ist. Was mit Milo, Cassia und Kiefer Sutherland passiert, läuft nach Schema F ab, ist so gesehen immerhin in Grundzügen brauchbar, um in all dem digitalen Zerstörungsdurcheinander irgendwie Sympathien abladen zu können. Dennoch ist Andersons Zerstörungsorgie nur Emmerich-light und trotz solider Tricktechnik irgendwie künstlich und distanziert. Das deutet auf einen Film, den vor und hinter der Kamera keiner so wirklich wollte, der ohne echtes Schaffensinteresse oder Herzblut abgefilmt wurde. So kann man sich schließlich auch nicht sicher sein, ob das doch recht ungewöhnliche Ende mutig oder nur dem aus Faulheit entstandenen Zufall geschuldet ist.

Fazit:

Der historische Katastrophenfilm ist selbst eine kleine Katastrophe, oder zumindest nah dran. Eine einfallslose Grundhandlung, rein funktionelle Figuren, grausige Dialoge und abseits von Kiefer Sutherland keinerlei Anzeichen, diesen unfreiwillig komischen Quark mit bewusster Ironie aufzulockern. Als unterdurchschnittliche Gladiatorenaction und wuchtige Zerstörungsorgie eigentlich nur mit zwei zugedrückten Augen vertretbar.

4 / 10
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