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Kritik:
Harry Potter 7 Teil 2


von Christian Mester

HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES Teil 2 (2011)
Regie: David Yates
Cast: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, Alan Rickman

Story:
Obwohl Harry Potter (Daniel Radcliffe) den Schergen seines Erzfeindes Voldemort alias Tom Riddle (Ralph Fiennes) zuletzt knapp entkommen konnte, scheint der Krieg der Magier bereits verloren. Der übermächtige Lord des Bösen hat nicht nur seine gesamte Anhängerschaft versammelt, um die Zauberschule Hogwarts ein für alle Mal zu vernichten; der unsterbliche Meister ist ab sofort auch noch im Besitz des legendären Elderstabs, dem mächtigsten aller Zauberstäbe. Während sich Harrys Schulkollegen, Lehrer und Freunde selbstlos der Armee der Bösen entgegen stellen, versuchen Harry und seine besten Freunde Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) notgedrungen, die benötigten letzten magischen Artefakte rechtzeitig zu entdecken. In Zuge dessen trifft der Zauberlehrling auf alte Gefährten, enthüllt die letzten Geheimnisse seiner Herkunft und findet Mut, sich dem unausweichlichen Ende zu stellen.

Kritik:
Zum Vergleich: BG-Kritiken zu "Der Stein der Weisen", "Die Kammer des Schreckens", "Der Gefangene von Askaban", "Der Feuerkelch", "Der Orden des Phoenix", "Der Halbblut-Prinz" und "Die Heiligtümer des Todes Teil 1"

Zehn Jahre ist es her, dass Harry Potter als grünschnäbliger Pimpf sein erstes großes Abenteuer an einer ulkigen Zauberschule bestritt. Wer mit dem Hype der vermeintlichen Kindergeschichte damals jedoch nichts anzufangen wusste, wurde spätestens neugierig, als es hieß, die Fortsetzung werde reifer - und ende mit einem spektakulären Duell gegen ein Monster. Eine gelungene Entwicklung, die sich fortan durch alle weiteren Teile der Reihe ziehen sollte. Sie blühte zu einem exzellent gemachten Fantasy-Werk auf, das allein durch seine kontinuierlich herausragende Machart regelmäßig bestes Event-Kino bot. Als Nichtkenner der Bücher konnte man zwar nur erahnen, inwiefern die gezeigten Filme gestutzte Fassungen der Vorlagen waren, doch auch in dieser Form funktionierten sie. Toll gespielte Figuren bereiteten sich in abwechslungsreichen Kapiteln langsam auf den wichtigsten Moment der epischen Geschichte vor – der Konfrontation mit dem knörrigen Kuttenträger Voldemort. Zwei gerechtfertigte Fragen darf man sich nun vor Antritt zum letzten Gefecht stellen: ist es ein würdiges Ende der Filmreihe? War die Zweiteilung des Finales wirklich nötig, und lohnt der Aufpreis für die dritte Dimension? 

Die zweite Hälfte Als die ersten Heiligtümer des Todes im Winter erschienen, kritisierten viele die verbreitete Kritik, der Film wirke bloß wie die erste Hälfte eines größeren Films – schließlich war sie dies. Da der Film aber wie alle anderen Kapitel für sich stehend veröffentlicht wurde, konnte man durchaus hinterfragen, wie er als solches funktionierte. Das Ergebnis war erwartungsgemäß: es war eine gute Ruhe vor dem Sturm, der es damals jedoch an einem guten Abschluss fehlte. Ironischerweise lässt sich heut nichts Spiegelverkehrtes über den zweiten Teil sagen. Anstatt, wie man hätte erwarten können, direkt in den großen Endkampf zu schreiten, beginnt der achte Potter erst einmal mit einer für sich stehenden Sequenz, die den folgenden Rest angenehm und actionreich einleitet und diesen zweiten siebten Teil somit insgesamt runder erscheinen lässt. Eine Actionsequenz, die bereit komplette Showdowns anderer Event-Filme gekonnt in den Schatten stellt.

Ist der Einstieg erst einmal geschafft, beginnt ein beachtliches Finale in Spielfilmlänge, das den meisten Fans der Filme umfassend gefallen wird. Während man noch einmal zahlreiche der eingeführten Figuren aus den vergangenen sieben Teilen wiedersieht, entbrennt ein effektgeladenes Fantasy-Actionspektakel, das es filmtechnisch in sich hat. Voldemort macht erstmals richtig Ernst und sorgt mit seinen finsteren Kohorten für verbissene Kämpfe innerhalb Hogwarts, bei denen viele Schüler ihr Leben lassen müssen – vergessen sind alle Niedlichkeiten, die es vor 10 Jahren noch gegeben haben mag. 

Inmitten der zornigen Kämpfe bleibt ein Platz für alte Stärken: so ist Daniel Radcliffe bei seiner Suche nach neuen Artefakten einmal mehr gern verfolgt, während sich Ralph Fiennes zischend zum Mega-Bösewicht ala des Star Wars Imperators aufspielen darf. Trotz der ernsten Lage bleibt Zeit für kleine Schmunzelszenen und Regisseur David Yates, der auch schon die letzten drei Teile inszenierte, verpasst dem Film den gleichen edlen Anstrich der anderen. Da Harrys Legende zuende geht, ist es ebenfalls an der Zeit, alle noch offenen Handlungsfäden zu einem Ende zu bringen. Man darf JK Rowling diesbezüglich sehr loben, da sie nach all den Jahren und verstrickten Fäden noch zwei außerordentlich wirkungsvolle, emotionale Szenen hervorbringt, die den achten Potter verdientermaßen zu einem epischen Ende führen. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 ist leider kein Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs geworden; kein makelloses Meisterwerk, das stolzen Hauptes völlig unbekümmert ins Licht reitet. Dafür vernachlässigt die zweite Hälfte die beiden essentiellen Figuren Ron und Hermine, die selbst kaum wichtige Momente bekommen und teilweise sogar früheren Langzeit-Nebenfiguren wie Neville Longbottom weichen müssen. Nach acht Jahren ist dies enttäuschend. Hinzu kommt, dass der finale Anschlag auf Hogwarts nicht die erhoffte Alles-oder-Nichts-Spannung aufbaut, die sie haben müsste. Technisch ist es fulminant gemacht und viele der Figuren bekommen tolle Einzelmomente spendiert, doch das Gefühl, dass der Bösewicht kurz davor ist zu gewinnen, dass eine Welt maßgeblich bedroht ist, will nie aufkommen. Auch dafür, dass es viele Tote gibt, fehlt eine merkliche Stufe Melancholie und Dramatik, wie sie bereits in vorherigen Teilen besser umgesetzt wurde. 

Ebenfalls eher misslungen ist der Einbau eines Epilogs, der 19 Jahre nach den Ereignissen des Films spielt und die Zukunft einiger der überlebenden Figuren zeigt – wahrscheinlich, um instinktiv weitere Sequel-Möglichkeiten von vorn herein auszuschließen – doch es wirkt plump und so, als fehle etwas. Gar unnütz ist der Einsatz nachträglich hinzu gefügten 3Ds: bis auf Szenen, in denen die Bilder hauptsächlich aus dem Computer kommen – eine Minenfahrt, ein Feuerdämon, ein Drache – die ohnehin immer mit Leichtigkeit nachträglich zu konvertieren sind, ist der Großteil der normal gedrehten 2D Aufnahmen im 3D-Format nicht weiter auffällig. Stellt sich noch die Frage, ob der letzte Film wirklich fünf Stunden gehen musste – eine schwierige Frage, bei der jedoch durchscheint, dass weniger eventuell mehr gewesen mag. Ein oder zwei Horkruxe weniger, die Actionszenen reduziert, einige Längen aus der ersten Hälfte geschnitten und Heiligtümer des Todes wäre als Einzelfilm noch wesentlich imposanter geworden.

Fazit:
Der achte Harry Potter ist der aufwendigste, actionreichste und emotionalste Teil der Reihe und bringt die sieben vorherigen Kapitel erfreulicherweise zu einem wohlverdienten guten Ende. Im Detail lassen sich Kleinigkeiten bemängeln und sich streiten, ob die Aufteilung in zwei Filme nicht kontraproduktiv war, doch im Großen und Ganzen ist es ein zufriedenstellender Abschluss.

8 / 10

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