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Kritik:
Prakti.com


von Michael Herbst

The Internship
(2013)
Regisseur: Shawn Levy
Cast: Owen Wilson, Vince Vaughn

Story:
Die Mittvierziger Billy (Vince Vaughn) und Nick (Owen Wilson) sind seit Jahren beste Freunde und Uhrenvertreter, die sich trotz immer schwierigerer Lagen doch noch irgendwie durchboxen konnten. Als ihnen ein Kunde eines Tages unvermittelt erklärt, ihr Boss habe sie gefeuert, stehen die zwei eher klassischen Verkäufer mit leeren Händen da. Zu ungebildet, um bessere Stellen zu kriegen, zu alt, um schlechtere zu bekommen. So kommen sie auf die Idee, sich als Praktikanten zu bewerben... bei Google.

Kritik:
Owen Wilson und Vince Vaughn als techunfähige IT-Praktikanten unter Geeks, in einem Werbespot für Google in Spielfilmläng? Das kann man auf Anhieb verlockend finden. Super, wenn man die beiden Berufs-Chaoten mag, aber ist das gegeben, ist es auch schon beinahe gleichgültig, was sie spielen oder worum es geht, oder? Nein, kann man so nicht sagen. Nicht, wenn es ehrlich lustige Filme wie Dodgeball und miserabele wie The Watch gibt. Die beiden mögen Spaßgaranten sein, aber das wissen leider nicht all ihre Filme bzw. Filmemacher.

Im Prakti.com von Shawn Levy, Regisseur von Nachts im Museum, wird sich regelmäßig ein Spaß damit gemacht, dass Wilson und Vaughn zu alt für ihre Praktika erscheinen. Schaut man sich aber die Bewerbungsbögen der beiden an, müsste es in Wahrheit umgekehrt kritisiert werden. Die beiden verhalten sich wie Leonard und Pierce aus der Serie Community auf dem Community College. Begriffsstutzig, weltfremd, ihre Ratlosigkeit überspielend. Mit dem Unterschied, dass jene beiden auch in Wirklichkeit von 60+ Darstellern gespielt werden, denen man abkauft, beim Erscheinen von Windows 95 schon alt gewesen zu sein. Wilson und Vaughn aber sind gerade einmal im Bereich der Vierzig, und mit Müh auf noch jünger geschminkt. Passender wäre es demnach, würden die zwei völlig bereichsfremde Handwerker oder ähnliches spielen, die sich nie zuvor abgesehen von ihrem Toaster und der Mikrowelle mit Technik auseinandersetzen mussten, am besten noch frisch geschieden von Multitasking-Müttern, aber Verkäufer? Dementsprechend funken einige der angelegten Späße nicht, in denen sie Ahnungslosigkeit nicht glaubhaft darstellen können. Wenn sie paradox vor einem Videochat herumhampeln, ist ihre Doc Brown Zeitmaschine 10 Jahre zu spät gelandet.

Bringt der Film hingegen selbst genau diesen Witz, dass sich die beiden unter die hippen Geek-Studenten mischen wollen und daran versagen, klappt das schon sehr viel besser. Das Drehbuch ist dabei mit vielen Verweisen auf bekannte Serien, Filme und Games versehen, womit sich der Film an die Stärken von The Big Bang Theory heranwagt, und damit öfters als erlaubt punkten kann. Dass manches Referenzierte wie Quidditch etwas verspätet erscheint, passt dann sogar ausnahmsweise zu den verpeilten Charakteren. Als leichte Komödie überzieht der Film seine Figuren ebenfalls gezielt, und so landen Billy und Nick selbstredend bei den anderen Außenseitern, Geek-Stereotypen ohne Mumm, die es mit Optimismus und wichtiger noch, Alkohol und sozialen Kontakten zu retten gilt.

Der Blondschopf mit dem jünglichen Charme und der unsensible, aber liebenswerte Vaughn tragen zum Erfolg ihrer Gruppe nichts Wichtiges bei, sind es dann aber, die die mutlosen, jüngeren Loser zusammenraufen können. Mit ein wenig Retortenromanze ergibt das eine Hollywood-Gußkomödie, wie sie nicht typischer ausfallen könnte. Dass sie im ungewöhnlichen Umfeld des Google Geländes spielt, lässt dabei keine Besonderheiten oder satirischen Töne zu. Wie man es erwarten darf: herrscht glanzvolle Perfektion im Arbeitsparadies Google, in dem alles kollegial perfekt ist und die einzigen negativen Stimmen die der neidischen, um Jobs buhlenden Mitbewerber sind, die aussortiert werden, weil sie nicht in den Flow des Unternehmens passen. Einen hinterfragenden, kritischen Blick hinter die Kulissen oder überhaupt einen Spiegel auf die reale Arbeitswelt, wie es der hervorragende The Social Network gemacht hat, gibt es nicht, traut man sich nicht. Muss es aber in einem Film wie diesen auch nicht geben und seien wir ehrlich, hatte The Social Network trotz seinen pffffft Oscars Schmoscars keine so gute Will Ferrell Szene wie dieser.

Fazit:
In vielen Filmen stört überauffälliges Product Placement; in Prakti.com ist das ganze Setgelände und das Ziel der Hauptfiguren Product Placement. Darüber darf man sich beschweren, darüber muss man sich aber auch nicht beschweren. Stattdessen sollte man gelassen darüber hinwegsehen und den Film als das sehen, was er ist. Ein Werbespot. Und eine okaye Komödie, die nicht so hip ist wie sie zu sein meint, aber auch nicht so peinlich oder satirisch wird, wie sie sein sollte. Wer damit ein Problem hat, soll bei Bing bleiben und sich auf das Product Placement in jedem Bond Film, sowie auf andere Wilson/Vaughn Filme freuen, kommen werden sie.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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