Kritik:
Priest
von Christian Mester
PRIEST
(2011)
Regie: Scott Stewart
Mit: Paul Bettany, Karl Urban
Story:
In einer ehemals von Vampiren
heimgesuchten Welt leben Menschen in
futuristischen Festungen, die eisern
von der Kirche regiert werden. Unter
ihnen leben so genannte Priester,
Menschen mit außergewöhnlichen
Kräften, die dem Klerus als
Spezialeinheiten dienen und die
eines Tages nahezu im Alleingang
dafür gesorgt haben, dass Vampire
fortan nur noch in Gefängnissen
existieren. Da die Zeit der
Vampirjagd vorbei ist, sind Priester
wie der namenlose Titelheld (Paul
Bettany) längst außer Dienst.
Alles ändert sich, als er erfährt,
dass sein im Exil lebender Bruder
von frei lebenden Vampiren
attackiert wurde. Obwohl es ihm
seine Vorgesetzten eindringlich
verbieten, reist er in die
Außengebiete, um selbst nach dem
Rechten zu sehen. Während ihm
weitere Priester folgen, trifft er
auf einen alten Bekannten (Karl
Urban), der nun Anführer einer
Vampirgruppe ist.
Kritik:
Spätestens mit dem Erscheinen von
"Priest" wird deutlich, dass Schauspieler Paul Bettany ein Faible
für religiöse Stoffe haben muss. Der
sympathische Brite war erst im
letzten Jahr Erzengel im Actionfilm
"Legion", parallel dazu spielte er Kirchenfeind Charles Darwin im
kleinen Drama "Creation". Davor war
er ein Mönch im Blockbuster
"Sakrileg - The Da Vinci Code" und
ein Pfarrer im kleinen DVD-Film "The
Reckoning". Sein neuer Film erinnert
nun sehr an seinen letzten - wüsste
man es nicht besser, könnte man
sogar meinen, es sei "Legion 2". Erneut spielt er einen
übermenschlich starken Diener
Gottes (wenn auch ohne Flügel), der sich gegen
seine eigenen Leute stellen muss und
Menschen vor Monstern
schützt.
Während "Legion" ein gänzlich neuer
Stoff war, basiert "Priest" auf
einem koreanischen Manwha-Comic aus
dem Jahre 1997. Das Setting ist
zudem ein gänzlich anderes: spielte
"Legion" noch in einem Truckstop der
Gegenwart, ist Scott Stewarts Film
in einer entfernten Zukunft
angesiedelt, in der
Science-Fiction-Elemente auf
altmodische Westernmotive treffen.
Da schon "Legion" ganz
passabel war und "Priest" mit
demselben Hauptdarsteller und
demselben Regisseur, aber mit
wesentlich größerem Budget aufwarten
kann, konnte das durchaus was
werden. Was folgt, ist der Gang nach
Golgotha, zur Kreuzigung.
"Priest" wird als aufregender
Actionfilm in originellem Setting
beworben, doch auch wenn er wie ein
wilder Mix aus "Assassin’s Creed", "Underworld",
"Judge Dredd"und "Jonah Hex"
aussehen mag, hat er mit den
genannten Titeln qualitativ nichts
gemeinsam. Da wäre primär die
Tatsache, dass die Action des Films
völlig vertan ist. Priest mag ein
Superkrieger wie Alice in den
"Resident Evil" Filmen sein, zeigt
dies aber kaum. Bettany springt
vereinzelt in Zeitlupe durch die
Lüfte und wirbelt Ninja-Sterne in
Kreuzform um sich (womit er an "Van
Helsing" erinnert), doch seine
wenigen, schwach choreographierten
Kämpfe lassen arg zu wünschen übrig.
Es gibt keine Aha-Momente, kein
Spektakel. Dann sind Priest’s Gegner
technisch blamabel umgesetzt. Er und
seine Begleiter kämpfen gegen
unfertig wirkende CGI-Kreaturen. Ein
Unding, weiß man, dass der Film
extra fast ein ganzes Jahr
verschoben wurde, um ihn noch länger
überarbeiten zu können (anstatt die
Effekte aufzuwerten, verschwendete
man Zeit und Geld bloß dafür, ihn
nachträglich in 3D zu konvertieren.
Der resultierende Effekt: solide,
wiegt die schlechten Monstereffekte
aber nicht auf). Der Endgegner ist
ein menschlicher Vampir-Cowboy ala
Billy the Kid aus Uwe Boll’s "Bloodrayne
2: Deliverance", der im Verlaufe des
Films zwar mehrere kühne Posen
einnimmt, letzten Endes aber kein
allzu bemerkenswerter Widersacher
ist. Es bleibt überhaupt offen,
wieso der Mann seine Zeit mit den
immerzu sabbernden und strunzdumm,
animalisch wirkenden Vampiren
verbringt (die eher wie die
Riesenwürmer aus "King Kong" als wie
Vampire aussehen), oder was er sich
von einem Sieg gegen die Menschheit
erhofft.
Anstatt sich auf aufregenden
Actionspaß einzulassen, fällt der
Film schwermütig aus. Der Priester
ist ständig in Gedanken versunken,
reflektiert über seine
Vergangenheit, seine Familie und
seine Taten, doch obwohl Regisseur
Stewart sich angestrengt bemüht,
damit an Western zu erinnern (lange
Ausritte bei Sonnenuntergang werden
zu Motorradfahrten durch die Steppe,
es gibt Cowboys, eine Farm, einen
klassischen Zugüberfall), gelingen
ihm die Stärken eines solchen nicht.
Wenn Paul Bettany mit seinem albern
aufgepinselten Kreuz zähneknirschend
in die Ferne blickt, erinnert er
nicht an Clint Eastwood. Er erinnert
an einen vorbei rollenden
Strohballen. In den meisten seiner
Filmen ist Bettany solide bis gut,
doch als Hauptcharakter des
Priesters greift er erstmals
vollkommen daneben. Anstatt erhaben,
weise und von seiner Zeit gezeichnet
zu wirken, lässt er Gleichgültigkeit
empfinden. Ein Wirken, das von
seinen Co-Stars imitiert und
intensiviert wird. Maggie Q aus
"Stirb Langsam 4.0" spielt eine
Priesterin, die es Bettany gleich
tut und ebenfalls immer nur bedrückt
ausschaut. Dann ist da noch Cam
Gigandet (der Bösewicht aus dem
ersten "Twilight", ausgesprochen
Dschi-Gon-Dey), der versucht, einen
toughen Hilfssheriff zu mimen und,
wer hätte anderes erwartet, daran
völlig versagt. Als Bösewicht darf
Karl Urban (spoiler) zumindest ein
wenig Spaß haben, darf aber weit
weniger zeigen als John Malkovich in
"Jonah Hex". All seine guten Szenen
lassen sich auf 1-2 Minuten
herunterkürzen.
Die Handlung des Films schließt sich
qualitativ mit an. Der Plan des
Bösewichts ergibt bei näherer
Überlegung überhaupt keinen Sinn; da
alles vorhersehbar ist, gibt es
keine Überraschungen und da
sämtlichen subtil gedachten Momente
grobstens mit dem Holzhammer
serviert werden, mag man gar nicht
erst glauben wollen, dass der Film
eine erfolgreiche, langjährige
laufende Vorlage in einem anderen
Medium vorweisen kann. Vereinzelt
versucht man gar, Kritik an der
Kirche zu verüben, doch auch dies
wird nur schwach umgesetzt.
Technisch ist "Priest" letzten Endes
durchaus solide. Bis auf die
schwachen Monster sind alle anderen
Effekte gelungen. Die apokalyptische
Welt ist sowohl in der
futuristischen Stadt, als auch in
den kargen Außenbezirken gut und
glaubhaft umgesetzt und der Score
ist wuchtig (wenn auch ungelenk
eingesetzt). Der Schnitt ist jedoch
eine Zumutung: Scotts Bildführung
und –zusammenstellung zerstört jede
Actionszene und schafft abseits
dieser statt Atmosphäre bloß
gähnende Langeweile. Dass der Film
nur 88 Minuten lang ist und trotzdem
zäh wie Kaugummi ausfällt, gehört
gegeißelt.
Fazit:
"Priest" ist Essig und
Dornenkranz - ein überladener
Sci-Fi-Western mit miserabel
gedrehter Action. Ein zäh
inszenierter Film, der immer wieder
an versuchten Emotionen scheitert
und trotz sehenswerter Sets dem
Speerhieb in die Rippen entgegen
sieht. Steht Ostermontag nicht auf.
3 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Deine Meinung
zum Film?
|