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KRITIK:

PRINCE OF PERSIA
Der Sand der Zeit


von Christian Mester

PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME (2010)
Regie: Mike Newell
Cast: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton

Story:
Es war einmal in Persien. Dastan (Jake Gyllenhaal), der adoptierte Sohn des Königs, wird eines Tages in die kaltblütige Ermordung seines Vaters verstrickt. Von rachsüchtigen Jägern seiner Brüder gejagt, flieht er mit einer hübschen Prinzessin (Gemma Arterton) in die Wüste und versucht mit Hilfe eines magischen Dolches, alles wieder ins Reine zu bringen.

In POP legt sich Jake Gyllenhaal mit Alfred Molina (Dock Ock aus SPIDER-MAN II) an;
Gyllenhaal sollte ursprünglich Spider-Man in SPIDER-MAN II spielen

Kritik:
Als Hit-Produzent Jerry Bruckheimer ("The Rock – Fels der Entscheidung", "Armageddon", "Fluch der Karibik" 1-3) vor einem Jahr ankündigte wie teuer seine Game-Verfilmung werden sollte, durfte man seinen Augen kaum trauen. Über 150 (inoffiziell: über 200) Millionen Dollar teuer sollte die aufwendige Umsetzung der mittlerweile achtteiligen Game-Reihe werden, da man darauf abzielte, einen ähnlichen Riesenerfolg wie "Fluch der Karibik" zu inszenieren. Grundelemente: dieselben.

Man nehme ein interessantes historisches Setting, viel Action, viel Humor, ansteckende gute Laune und eine seichte Romanze, die schier jeden erreichen müsste. Die unvermeidlich schlechte Nachricht wäre in diesem Fall, dass es in Mike Newells "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" - wie zu erwarten war - keine Ausnahmerolle der Marke Jack Sparrow gibt; die gute? Wie die drei Flüche ist auch "Persia" ein unterhaltsamer Big Budget Blockbuster geworden, der schmeckt und zu Recht ein großes Publikum finden dürfte. .

In einem Zeitungsinterview wunderte sich die britische Arterton darüber,
dass die amerikanischen Filmproduzenten ihre Hautfarbe, Haarfarbe, Körperform und Stimme abänderten


Dass Jake Gyllenhaal ("Jarhead – Willkommen im Dreck", "Donnie Darko") für seine Rolle als turnbegeisterter Straßenkämpfer wie ein Beserker trainierte und nun einen Oberkörper wie Conan der Barbar besitzt, machte im Zuge der Dreharbeiten Gazettenpresse, allerdings dürfen sich weibliche Fans in dezenter Zurückhaltung üben. Gyllenhaal ist nur kurz ohne Hemd zu sehen. Das soll aber nicht weiter von Nachteil sein, da der äußerst charismatische, wenn auch nicht sonderlich persisch aussehende Darsteller als abenteuerlustiger Prinz eine wunderbare Figur abgibt. Nicht minder gut ist die hinreißende Gemma Arterton, die sich mit bronzener Hautschminke (amüsant, wie sehr sie sich optisch von ihrer blassen Rolle im kürzlich veröffentlichten „Kampf der Titanen“ unterscheidet) unnachgiebig kiebig mit dem Titelhelden streitet und dadurch nonstop bestens zu unterhalten weiß. Die beiden haben spürbar tolle Chemie miteinander und versprühen gemeinsam gute Laune; angenehm ist der Verzicht auf überflüssigen Kitsch oder unnötig eingeschobene Konflikte. Lustig: Alfred Molina als Straußenrennenpromoter; gern wieder gesehen: Ben Kingsley, nach „Bloodrayne“ in seiner zweiten Game-Verfilmung (wenn auch nur gewählt, da er einer der wenigen bekannten Hollywood-Darsteller ist, der glaubhaft als Perser agieren kann).

Die andere, nicht weniger wichtige Seite der Medaille ist prägnante Action, die im gesamten Film zum Tragen kommt und ähnlich golden glänzt. Spektakuläre Parkour-Einlagen, dynamische Nahkämpfe und verschiedene Kampftechniken sorgen im Wechsel mit immerzu lustigen Auseinandersetzungen der beiden Schlingel dafür, dass Langeweile ausgesiebt wird. Kennt man die Spiele, darf sich Nostalgie geschmeichelt fühlen: viele der bekannten Level-, Design-, Sprung-, Kampf- und Kameraelemente der Sands of Time Trilogie wurden übernommen und so unaufdringlich mit eingebaut, dass man nur mit Kopfschütteln an den Spruch „Game Time!“ aus „Doom – Der Film“ und die meisten anderen, zumeist kläglichen Versuche zurück denken mag, Computer- und Videospiele auf Zelluloid zu übertragen. Endlich einmal eine Game-Verfilmung, die ihre Vorlage liebevoll respektiert und es schafft, die interessanten Aspekte sinnvoll und harmonisch ins Medium Film zu übertragen.

Trotz des starken Miteinanders und flotter Actionmanie verfehlt es das prinzsche Abenteuer letzten Endes, ein strahlend glatt poliertes Förmchen im Sandkasten zu sein. Die Story an sich ist noch akzeptabel, allerdings oftmals vorhersehbar und nie in der Lage, echte Spannung zu aggregieren. Newell wuchtet gegen jede aufkommende Langatmigkeit, hinterlässt dafür aber oberflächliches Kurzweil-Gefühl, vergleichbar, als hätte man im ersten "Fluch der Karibik" keinen Sparrow gehabt und nur auf Will Turner und Elizabeth Swan gesetzt. Obwohl es einen Hauptbösewicht und einen nicht uninteressanten Sidekick für eben jenen gibt, halten sich beide charakterlich sehr zurück; hier hätte ein eindrucksvollere Personlichkeit angehmen gewesen. Harry Gregson-Williams liefert einen trötenlastigen, typisch arabisch klingenden Soundtrack bei, dem allerdings echte, hörenswerte Themes verwehrt bleiben.

Wie schon "Robin Hood" kann auch "Prince of Persia" aufgrund seines riesigen Budgets mit gewaltigen Sets und sehenswerter Größe aufwarten, auch wenn das orientalische Parkour-Adventure aufgrund seiner Grundlagen verständlicherweise öfter zum Computer greifen muss. Die Effekte sind größtenteils gelungen und passend eingesetzt, lassen teilweise aber noch meinen, dass dem Film zwei, drei Monate zusätzliche Überarbeitung gut getan hätte. Mike Newell, der mit "Harry Potter und der Feuerkelch" einen der besten Popcornfilme der letzten Dekade ablieferte, ist hier nicht ganz so stark, überzeugt aber mit zufrieden stellender Werksarbeit. Ein Film, der positiv stimmt, aber nicht lange in Erinnerung bleiben wird; ein Film, der in Newells Filmographie kaum herausragen wird, aber nichts ist, wofür man sich schämen müsste. Ein angenehmer Sommer-Blockbuster, der mit seiner leichten Unterhaltung mit Leichtigkeit mit Sicherheit zumutbar empfehlenswert ist.


Fazit:

Da rieselt’s. "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" ist ein heiterer Popcorn-Blockbuster mit sympathischen Hauptdarstellern, allerdings ein wenig sehr auf Kurzweil getrimmt.

7 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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